FAZ 12.12.2025
13:52 Uhr

Fliegerbombe in hanau: Weniger Schäden als befürchtet


Die Schäden nach der Sprengung einer Bombe in Hanau sind geringer ausgefallen als befürchtet. „Niemand muss über Weihnachten seine Wohnung verlassen“, sagt der Oberbürgermeister.

Fliegerbombe in hanau: Weniger Schäden als befürchtet

Die Einschätzung unmittelbar nach dem großen Knall war zu pessimistisch. Waren die Behörden in Hanau am Donnerstagmittag zuerst davon ausgegangen, dass 58 Anwohner nicht in ihre Wohnungen zurückkehren können, folgte am Freitag die Korrektur: Nur eine Wohnung ist nach Angaben der Stadt unbewohnbar, hatte aber ohnehin leer gestanden. Ansonsten halten sich die Schäden an Fenstern und Dächern in Grenzen. Unerwartet kamen sie nicht: Schon vor der kontrollierten Sprengung hatten die Kampfmittelräumer des Regierungspräsidiums Darmstadt davor gewarnt, dass etwas zu Bruch gehen werde. Unmittelbar nach der Explosion am Donnerstag um 12 Uhr hatten die Verantwortlichen, darunter Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) und Ordnungsdezernentin Isabelle Hemsley (CDU), darauf verwiesen, dass die Sicherheitsvorkehrungen rund um den Fundort der Bombe gerechtfertigt gewesen seien. In sozialen Medien waren sie zuvor teilweise als überzogen kritisiert worden. So waren unter anderem 15 mit Wasser gefüllte Überseecontainer als Schutzwand vor den Wohnhäusern aufgebaut worden, um die größte Wucht der Druckwelle aufzufangen. Tatsächlich wurden einige der Behälter bei der Detonation durch die Luft gewirbelt. Etikettenschwindel auf der Bombe Rund um den Fundort der Bombe auf dem sogenannten Bautz-Gelände im Stadtteil Großauheim, auf dem früher Traktoren montiert wurden, war eine Sicherheitszone mit einem Radius von 1000 Metern ausgewiesen worden, rund 4500 Menschen hatten das Gebiet verlassen müssen. Die Evakuierung verlief nach Angaben der Feuerwehr reibungslos. Die Stadt und ihre Bürger haben schon Erfahrung mit dem Fund von Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg, in dem Hanau wiederholt Ziel heftiger Luftangriffe der Alliierten war. Umso außergewöhnlicher war es für die Fachleute, dass sie diesmal wegen einer deutschen Fliegerbombe zum Einsatz kamen. Zudem hielt diese nicht,  was Bauart und Kennzeichnung versprachen. Denn die deuteten auf  eine Brandbombe hin, tatsächlich aber war die Waffe mit Sprengstoff gefüllt. Nach Einschätzung des Regierungspräsidiums galten in den letzten Kriegstagen Sprengbomben als die effektiveren Waffen. Wie genau der Blindgänger an seinen Fundort gekommen ist, bleibt Spekulation. Kaminsky hatte angedeutet, dies könne im Zusammenhang mit Angriffen der sich zurückziehenden Wehrmacht stehen. Tatsächlich hatten die deutschen Soldaten Ende März 1945 versucht, die nahe Brücke zwischen den Stadtteilen Großauheim und Klein-Auheim zu zerstören, um das Vordringen der amerikanischen Armee über den Main zu verzögern. Dennoch rückten am 27. März deren Truppen über den Fluss auf das durch Bombenangriffe zerstörte Hanau vor. Am Freitag zeigte sich Kaminsky optimistisch, dass die Schäden an den Häusern schnell behoben werden können. „Niemand muss über Weihnachten seine Wohnung verlassen“, teilte der Oberbürgermeister mit. Die Höhe der Schäden, die bei der Sprengung der Bombe entstanden sind, wird laut Stadt derzeit ermittelt. Betroffene können sich unter der Telefonnummer 06151/126100 oder der E-Mail-Adresse Schadensregulierung@rpda.hessen.de beim Regierungspräsidium melden. Für die Beseitigung der Schäden kommt das Land Hessen auf.