FAZ 10.12.2025
17:40 Uhr

Fliegerbombe in Hanau: Straßen, Schienen und Main wegen Sprengung gesperrt


Bis zu 4500 Menschen müssen sich in Sicherheit bringen, weil in Hanau eine deutsche Fliegerbombe gesprengt wird. Entschärfen geht nicht, denn es ist eine besonders heimtückische Waffe.

Fliegerbombe in Hanau: Straßen, Schienen und Main wegen Sprengung gesperrt

Geht alles nach dem Plan der Kampfmittelräumer, dann kehrt Hanau am frühen Donnerstagnachmittag zur Normalität zurück. Doch bis dahin herrscht in Teilen der Stadt Ausnahmezustand: Am Mittag soll in einem Gewerbegebiet im Stadtteil Großauheim eine Fliegerbombe aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs kontrolliert gesprengt werden. Das ist keine Routine: Während man immer wieder in der seinerzeit schwer getroffenen Stadt Sprengbomben der Alliierten findet, haben es die Fachleute diesmal mit einer Brandbombe deutscher Bauart zu tun. Gefunden wurde die rund 250 Kilogramm schwere Waffe am Dienstag bei einer Untersuchung eines Baugrundstücks. Ein Fachunternehmen legte die Bombe frei. Seitdem sind Alexander Majunke und sein Team vom Kampfmittelräumdienst des Regierungspräsidiums Darmstadt mit den Vorbereitungen der Sprengung befasst, denn eine Entschärfung kommt nicht in Frage: „Würde es gehen, würden wir's auch machen.“ Höllische Hitze und giftiges Gas 65 Kilogramm eines sogenannten Flammmittels trägt die Bombe, dazu Flaschen, die mit weißem Phosphor gefüllt sind. Die Substanz entzündet sich bei Kontakt mit Sauerstoff von selbst und brennt mit 1300 Grad Celsius. Weil dabei hochgiftige Dämpfe entstehen, müssen die Kampfmittelräumer die Sprengung aufwendig vorbereiten. Dazu zählen auch tonnenschwere Wassersäcke, um die Explosion einzudämmen. Einige Wohnhäuser sind nur 30 Meter vom Fundort entfernt, dennoch geht Majunke davon aus, dass es „bei geringen Schäden“ bleiben wird. Läuft die Räumung der Sicherheitszone nach Plan, werden am frühen Nachmittag die Sperrungen wieder aufgehoben. 500 Einsatzkräfte bereiten sich nach Angaben der Ordnungsdezernentin Isabelle Hemsley (CDU) auf die Sprengung der Bombe vor. Für die Anwohner in den Stadtteilen Großauheim und Klein-Auheim sind Ausweichquartiere vorbereitet worden. Bis zu 4500 Menschen sind betroffen, wenn das Areal im Umkreis von 1000 Metern zum Fundort geräumt werden muss. In Hanau hat man damit Übung: Erst vor zwei Jahren musste eine Sprengbombe ebenfalls kontrolliert zur Explosion gebracht werden. Bahnstrecken und Straßen werden gesperrt Auch wichtige Verkehrsadern werden für die Zeit der Sprengung stillgelegt: Die Bundesstraße 43a wird ebenso gesperrt wie alle Bahnlinien östlich des Hanauer Hauptbahnhofs, auch der Schiffsverkehr auf dem Main muss ruhen. Vorsorglich werden zudem drei Schulen und drei Kindertagesstätten am Donnerstag geschlossen bleiben. Der Bahnverkehr in der Evakuierungszone soll von 11 Uhr an zum Erliegen kommen. Die Bahnhöfe Großauheim und Klein-Auheim werden von 7 Uhr an geschlossen. Die Bundesstraße 43a wird zwischen den Anschlussstellen Steinheim und Hanauer Kreuz in beide Richtungen um 9.30 Uhr gesperrt. Wie und wann genau die Bombe dort eingeschlagen ist, wird sich aller Voraussicht nach nicht mehr herausfinden lassen. Auch der Grund, aus dem sich der deutsche Pilot zum Abwurf entschlossen hat, bleibt vorerst Spekulation – für die sich Majunke übrigens nicht besonders interessiert. Hauptsache, alles geht glatt.