Der italienische Unternehmer und Formel-1-Manager Flavio Briatore hat schwere Vorwürfe im Zusammenhang mit der Brandkatastrophe in Crans-Montana erhoben. Briatore betreibt mehrere Diskotheken, Bars und Restaurants in verschiedenen Teilen der Welt. ,„Reden Sie mir nicht von einem Unglück, einer Tragödie oder widrigen Umständen. Das war Mord“, sagte Briatore in einem am Dienstag veröffentlichten Interview mit der Turiner Tageszeitung „Corriere della Sera“. Bei der Katastrophe in der Neujahrsnacht in dem Club „Le Constellation“ im Schweizer Kanton Wallis waren 40 junge Menschen getötet und weitere 116 teils lebensgefährlich verletzt worden. Unter den Todesopfern sind sechs Italiener. Zudem verfügten die beiden jüngsten Opfer – die 14 und 15 Jahre alten Schwestern Alicia und Diana G. aus Lausanne – neben der schweizerischen auch über die italienische Staatsbürgerschaft. In Gesprächen mit weiteren italienischen Medien sagte der 75 Jahre alte Unternehmer, mit Blick auf die Katastrophe lasse ihn „der Gedanke nicht los, wie so ein Club eine Lizenz bekommen“ habe: „Wer hat die Anträge geprüft? Wer hat kontrolliert? Ich möchte Antworten auf diese Fragen.“ Ein einziger Notausgang sowie eine kleine und enge Treppe seien „absolut unzureichend“, um in einer Bar im Untergeschoß eines Gebäudes Dutzende oder gar Hunderte Menschen aufzunehmen. Funkenfontänen „offen gesagt lebensgefährlich“ Zudem seien die abgehängten Decken viel zu niedrig und offenbar mit leicht brennbarem Material verkleidet gewesen. „Diese Veranstaltungsorte brauchen sehr hohe, nicht brennbare Decken“, sagte Briatore. Funkenfontänen dürften in geschlossenen Räumen nur mit äußerster Vorsicht, besser aber überhaupt nicht verwendet werden: „Man braucht genügend Platz und muss wissen, wann sie gefährlich sind. Sie bergen große Risiken. Das sind keine Kerzen, die man auspusten kann, sondern es ist offenes Feuer.“ Er selbst habe in seinen Einrichtungen in Dubai und anderswo die brennenden Wunderkerzen durch elektrische Funkenfontänen ersetzt, deren LED-Lichter keinerlei Brandgefahr darstellten. Die in dem Club in Crans-Montana verwendeten Sprühfontänen, die an die Hälse von Champagnerflaschen befestigt waren, seien „offen gesagt lebensgefährlich“, sagte Briatore. Die Tragödie von Crans-Montana wäre nach Ansicht Briatores „vermeidbar gewesen“, wenn die einschlägigen Sicherheitsvorschriften eingehalten worden wären: „Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass die Sicherheitsbestimmungen zu den ersten Dingen gehören, die man sich bei der Eröffnung eines Lokals ansieht. Und im ,Le Constellation‘ gab es anscheinend viele kritische Punkte: den leicht entzündlichen Schallschutzschaum, die abgehängte Decke, die möglicherweise defekte Feuerlöschanlage.“ Unterdessen trafen die ersten Särge mit den sterblichen Überresten der italienischen Brandopfer von Crans-Montana auf dem Flughafen Rom-Ciampino ein. An der Zeremonie auf dem Flughafen nahm auch Außenminister Antonio Tajani teil. Die Katastrophe von Crans-Montana hat im Nachbarland Italien große Bestürzung ausgelöst.
