FAZ 28.02.2026
15:48 Uhr

Fit fürs Frühjahr: Darauf kommt es beim Fahrrad-Check an


Fahrradwerkstätten können im Frühjahr schnell teuer werden. Ein Experte gibt eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Selbstschrauber und erklärt, wann ein Besuch beim Profi lohnt.

Fit fürs Frühjahr: Darauf kommt es beim Fahrrad-Check an

Wer böse Überraschungen vermeiden will, sollte sein Fahrrad einmal im Jahr durchchecken. Für die meisten bietet sich dafür die Zeit an, in der das Fahrrad noch im Keller auf die erste Fahrt des Jahres wartet. Klaus Schmidt-Montfort ist Elektroingenieur und kümmert sich beim ADFC Frankfurt, dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, um das Thema Technik. Er weiß, worauf es beim Bike-Check zu achten gilt, woran man eine gute Werkstatt erkennen kann und wann man sie meiden sollte. Drei Dinge muss jeder Radfahrer überprüfen: Bremsen, Licht und Reifen. Stimmt mit einem davon etwas nicht, kann es schnell gefährlich werden. Checken lassen sie sich leicht, auch von Laien. Ist etwa bei vollständig gezogener Bremse weniger als ein fingerbreiter Abstand zwischen Lenker und Bremshebel, sollte sie neu eingestellt werden. Bei Felgenbremsen gibt es dafür eine Schraube, und zwar dort, wo der Bremszug in den Griff hineingeht. Diese dreht man heraus und die Kontermutter wieder zurück, direkt an den Griff. Der Schlitz an der Schraube sollte dabei nach unten zeigen, damit kein Wasser und Schmutz eindringen. Bei anderen Bremstypen gebe es meist eine kleine Schraube unter dem Bremshebel, sagt Schmidt-Montfort. Drehe man diese hinein, wirke die Bremse wieder besser. Ob man die Bremsbeläge wechseln muss, lässt sich bei Felgenbremsen anhand von drei Schlitzen feststellen. „Sind diese noch zu sehen, ist alles gut“, sagt der Fachmann. „Wenn die bereits weg sind, hat man es eilig. Und sind sie gerade noch zu sehen, dann sollte man allmählich die Beläge tauschen.“ Bei Scheibenbremsen kann es gut sein, dass man für die Prüfung eine Taschenlampe benötigt. Schaut man von oben hinein, sieht man in der Mitte die Bremsscheibe, dann auf beiden Seiten die Bremsbeläge und dann eine metallische Trägerplatte. Ist der Bremsbelag weniger als einen Millimeter dick, ist es Zeit für einen Tausch. Die Felgen hätten zu 80 Prozent ebenfalls einen Schlitz. Sei dieser abgeschmirgelt, sollte die Felge gewechselt werden. „Wobei es meistens wirtschaftlich sinnvoller ist, das ganze Laufrad zu tauschen“, sagt Schmidt-Montfort. Wer seine Felgen schonen möchte, kann diese und die Bremsbeläge regelmäßig säubern. Sammelt sich Dreck auf ihnen, ist der Schmirgeleffekt der Bremsen stärker. Funktioniere das Licht nicht mehr, gebe es eine einfache Methode, die in 40 Prozent der Fälle helfe, sagt Schmidt-Montfort. „Einfach einen Tropfen Rostlöser wie WD40 oder Caramba auf sämtliche Steckverbindungen an der Lampe und am Dynamo und ein bisschen daran wackeln.“ Gerade wenn das Fahrrad im Regen gestanden oder Wasser abbekommen habe, korrodierten diese Kontakte. Geht danach immer noch nichts, wird es kompliziert. Da muss dann eine Werkstatt helfen. Bei den Reifen schaut man zunächst, ob sie noch genug Profil haben. Anschließend ein Blick auf die Seiten der Reifen: Sind dort viele kleine Risse zu sehen, ist der Mantel hin. „Das kommt vom UV-Licht“, sagt Schmidt-Montfort. „Das macht das Gummi mit der Zeit hart. Da kann man nichts gegen machen, außer das Fahrrad im Keller stehen zu lassen.“ Tauscht man den Mantel nicht recht­zeitig aus, kann es passieren, dass irgendwann der Schlauch durchbricht und sich in der Gabel oder im Reifen verheddert. „Dafür gibt es keinen guten Augenblick“, sagt Schmidt-Montfort. Eine Überprüfung der Kette lohnt sich ebenfalls. Laut Schmidt-Montfort hält eine normale Kette bis zu 3000 Kilometer, sofern sie regelmäßig geölt werde. Das ist spätestens dann nötig, wenn sie quietscht. Dadurch verlangsamt sich der Verschleiß. Vor dem Ölen mit einem alten Lappen die Kette von grobem Schmutz reinigen, das Öl kommt anschließend neben den Röllchen zwischen die Laschen. „Außen an der Kette nutzt das Öl gar nichts, da fängt es nur Dreck.“ Wer Zeit hat, kann das Öl ein paar Stunden oder über Nacht einwirken lassen und dann mit einem sauberen Lappen die überschüssigen Reste abwischen. Steht das Fahrrad länger, verlieren die Reifen Luft. Ist das über einen längeren Zeitraum so, kann der Mantel platt gedrückt werden und, wenn man Pech hat, kaputtgehen. Schmidt-Montfort empfiehlt deshalb, den Reifen ab und zu etwas zu drehen oder wieder aufzupumpen. Wie viel Luft hineinpasst, lässt sich an den Seiten ablesen. Bei einem Stadtrad seien es meistens 2,5 bis 4,5 bar. Mit weniger Druck fahre es sich gemütlicher und besser gefedert, bei mehr Druck komme man schneller vorwärts. „Für das Aufpumpen lohnt es sich, eine Standpumpe zu kaufen“, meint der Fahrrad-Fachmann. Damit gehe es einfacher und schneller, und man könne den Reifendruck ablesen. Der ADFC-Techniker empfiehlt, dafür mindestens 30 bis 40 Euro auszugeben. Wann sich eine neue Kette lohnt Wer im Winter viel gefahren ist, hätte die Kette oft ölen müssen. Wasser und Streusalz setzen dieser ziemlich zu. Vor allem wenn man keine Möglichkeit hat, sein Fahrrad trocken abzustellen. Da könne es durchaus sein, dass man schon nach einer Woche Rostflecken sehe, sagt Schmidt-Montfort. Ob man die Kette austauschen muss, erkennt man leider nicht mit bloßem Auge. Dafür gibt es sogenannte Kettenlehren. Es reicht aber auch ein Messschieber für etwa zehn Euro. Den stellt man auf 119 Millimeter ein und führt ihn an einer beliebigen Stelle der Kette zwischen zehn Kettenglieder. Dann öffnet man den Messschieber so weit, bis er an den Röllchen anliegt. Bei einer neuen Kette ist eine Länge von 119,5 Millimetern zu erwarten. Bei 120,5 Millimetern ist es Zeit für einen Tausch. Sind die Zähne der Ritzel spitz wie Haifischzähne, ist es bereits zu spät. Dann müssen auch diese gewechselt werden. „Das ist aber nicht wirklich sicherheitsrelevant“, sagt Schmidt-Montfort. „Wenn man es übertreibt, springt im Endstadium eben die Kette über die Zähne drüber.“ Worauf E-Bike-Fahrer achten sollten Wer die Kette selbst wechseln will, benötigt dafür einen Kettennieter. Mit diesem Werkzeug lässt sich die Kette öffnen, kürzen und wieder schließen. Solche Werkzeuge gibt es von 15 Euro an. „Wenn man als Familie ein paar Fahr­räder hat, kann sich das durchaus lohnen.“ E-Bike-Fahrer sollten darauf achten, den Akku richtig zu lagern, wenn sie längere Zeit nicht unterwegs sind. Wie das am besten funktioniert, sollte in der Gebrauchsanweisung des Herstellers stehen. Schmidt-Montfort empfiehlt: halb geladen, frostfrei und möglichst trocken im Keller. „Damit macht man nichts falsch.“ Halb geladen sei deshalb wichtig, weil Lithium-Ionen-Akkus durchaus brennen könnten. Vor ein paar Jahren sei deshalb mal ein Fahrradladen in Bad Vilbel abgebrannt. Wenn man das Fahrrad putzt, kann man zudem schauen, ob der Lenker ge­rade ist, die Pedale rund drehen oder es schwerwiegende Mängel wie verbogene Räder oder gebrochene Speichen gibt. Schrauben lösten sich im Normalfall selten, sagt Schmidt-Montfort, wenn, dann die am Gepäckträger und an den Schutzblechen, weil diese Teile bei der Fahrt in Schwingung gerieten. So viel kostet ein Werkstattbesuch Wer sein Rad nicht selbst untersuchen möchte, kann es auch in eine Werkstatt bringen. Dort wird geschaut, ob Rahmen, Gabel und Antrieb in Ordnung sind, mit den Bremsen alles passt, das Licht funktioniert, Laufräder und Felgen noch gut sind, die Lager Spiel haben; Reifen, Luftdruck und Kette werden geprüft. „Eine gute Werkstatt erkennen Sie daran, dass sie keine Werbung macht“, sagt Schmidt-Montfort. „Die, die ich kenne, haben mir verboten, sie weiterzuempfehlen.“ Werkstätten von normalen Fahrrad­läden zu beurteilen, sei schwierig. Empfehlenswert seien daher immer jene, die so nah wie möglich am Wohnort oder an der Arbeit lägen. Das reine Checken des Rades sollte etwa 40 bis 45 Euro kosten, sagt Schmidt-Montfort. Wenn die Bremsen nachgezogen würden, die Kette geölt wird und weitere Kleinigkeiten anfielen, dürfe es 80 bis 90 Euro kosten. Preise von mehr als 100 Euro sind im Großraum Frankfurt allerdings auch keine Sel­tenheit. „Im Herbst sind die Fahrräder im Laden am günstigsten.“ Zwischen März und Mai sollte man nach Einschätzung des Fachmannes Fahrradläden meiden. Die Geschäfte sind dann überlaufen, weil alle auf die Idee kommen, ihr Fahrrad reparieren zu lassen, bevor der Sommer kommt. „Die haben dann keine Zeit, und die Beratung ist eher schlecht“, sagt Schmidt-Montfort. Er selbst schaut, dass er alles an seinem Fahrrad bis Ende Februar erledigen lässt. Wer sein Fahrrad selbst reparieren möchte, findet auf Youtube Anleitungen. „Da sollte man sich immer mindestens zwei Videos anschauen“, empfiehlt der Fachmann. Es gebe dort nämlich durchaus Leute, die „Blödsinn“ erzählen. Bei sicherheitsrelevanten Teilen wie Bremsen will Schmidt-Montfort niemanden auffordern, selbst daran herumzuschrauben. Wer es sich aber zutraue, solle das ruhig tun. Jenen, die sich nicht sicher sind, bietet der ADFC in Kooperation mit der Bürgerinitiative Am Bügel in Frankfurt un­gefähr alle zwei Wochen samstags eine Selbsthilfewerkstatt an. Diese ist unentgeltlich und findet in einem ehemaligen Hausmeisterbüro rechts neben dem Ben-Gurion-Ring 18 statt. Werkzeug und technisch-versierte Helfer sind am Ort. Interessierte sollten sich im Voraus anmelden und gleich das Pro­blem benennen. So könne man abklären, wie lange die Reparatur dauere und ob Ersatzteile benötigt würden. Ungefähr einmal im Monat bietet der ADFC einen Fahrradreparaturkurs an. Der findet immer an einem Samstag statt, kostet 30 Euro und dauert von 11 bis 16 Uhr. Ist das Fahrrad ein wirtschaftlicher Totalschaden, muss ein neues her. Allerdings kaufe man das besser nicht im Frühjahr, rät der Fachmann. „Im Herbst sind die Fahrräder im Laden am günstigsten.“ Eines gebraucht zu kaufen, sei schwierig, weil die Nachfrage sehr viele höher sei als das Angebot. In Frankfurt gibt es zum Beispiel den Bike Point. Dort finden sich Fahrräder von 200 Euro an. Die seien allerdings immer schnell weg, weiß Schmidt-Montfort. Ein ADFC-Fahrradbasar sei sogar schon mal nach einer Stunde ausverkauft gewesen. Wer ein Fahrrad über das Portal Kleinanzeigen kaufen will und sich nicht auskennt, sollte idealerweise jemand anderen mitnehmen, der Ahnung hat. Schmidt-Montfort warnt davor, ein günstiges E-Bike aus China zu kaufen. Wenn das defekt sei, könne das oft niemand reparieren. Zudem sei es generell gut, ein Rad im Laden zu kaufen, meint Schmidt-Montfort. „Mit dem Verkauf machen die Fahrradläden am meisten Gewinn. Die Werkstatt ist oft nur etwas mehr als kostendeckend.“ Wer mit einem Fahrrad aus dem Internet für eine Reparatur ankomme, lande schnell ganz hinten in der Warteschlange. Weitere Informationen zur Selbsthilfewerkstatt oder zum Fahrradreparaturkurs des ADFC finden sich unter: adfc-frankfurt.de/termine-events/fahrradwerkstatt.