FAZ 20.02.2026
11:52 Uhr

Feuerwehr als Tierretter: „Man kann nicht sagen: Zappel mal nicht so“


Die Feuerwehr in Kronberg hat dabei geholfen, die Elefantenkuh Lilak im Opel-Zoo nach einem Sturz wieder aufzurichten. Es war nicht die erste spektakuläre Rettungsaktion.

Feuerwehr als Tierretter: „Man kann nicht sagen: Zappel mal nicht so“

Die Einsätze bei den beiden Elefantenkühen werden Thorsten Nuhn am meisten in Erinnerung bleiben, aber dann kommt gleich der Rehbock im Löschteich. „Er ist seine Runden geschwommen, hat einen angeguckt und quasi um Hilfe gebeten“, sagt der Stadtbrandinspektor von Kronberg im Taunus. Der Bock war in das betonierte Becken gefallen, und wie so oft, wenn ein Tier in Not ist, hatte ein Mensch die Feuerwehr gerufen. In diesem Fall ein Spaziergänger. Nuhn packte den Rehbock bei den Hörnern und zog ihn aus dem Wasser. „Er hat sich etwas ausgeruht und ist von dannen gezogen.“ Auch als der Opel-Zoo am Montagmorgen bei der Kronberger Feuerwehr anrief, war deren Leiter Nuhn zur Stelle. Lilak, die 55 Jahre alte Matriarchin der Elefantenherde, war in den frühen Morgenstunden gestürzt. Sie lag auf der Seite und kam aus eigener Kraft nicht wieder auf die Beine. Der Stadtbrandinspektor fuhr sofort hin, verschaffte sich ein Bild und forderte Kräfte nach. Von neun bis 14 Uhr dauerte der Einsatz der elf Kameraden – alle Männer, was aber Zufall gewesen sei. „Es war schweißtreibend, aber nachdem sie gestanden hat, waren wir alle nur noch glücklich.“ Besseres Teambuilding könne man sich kaum vorstellen, sagt der 46 Jahre alte Mann, der außer dem Ehrenamt bei der Feuerwehr hauptberuflich einen Betrieb für Elektroinstallation mit 20 Mitarbeitern führt. Wie kommt die Katze vom Baum? Aber es gehöre genauso zu den Aufgaben der Wehr, kleinere Tiere zu retten. Die klassische Katze auf dem Baum ist dabei offensichtlich kein Klischee – der Feuerwehrchef nennt sie gleich als erstes Beispiel. Auch bei Bränden retten die Einsatzkräfte regelmäßig Haustiere, wie Nuhn sagt, vor allem Hunde und Katzen. Dafür gebe es spezielle Transportboxen. Auch von Kaninchen im Rauch eines brennenden Wohnzimmers berichtet der Feuerwehrmann. Meist sagten Personen, die schon gerettet worden seien, in solchen Fällen: „Wir haben noch Tiere drin.“ Erste Priorität sei es immer, die Menschen zu retten, erst dann kümmere sich die Feuerwehr um die Vierbeiner oder anderweitige Gefährten. Einem Haustier zu helfen, ist nach der Erfahrung des Kronbergers, der schon mit zehn Jahren zur freiwilligen Feuerwehr ging, etwas völlig anderes, als einen Elefanten aufzurichten. „Ein Haustier ist zutraulich.“ Zu Elefantenkuh Lilak im Opel-Zoo kamen die Männer dagegen als Fremde. „Man kann nicht sagen: Zappel mal nicht so, rutsch nach links.“ Nur in Absprache mit dem Zoopersonal und mit äußerster Vorsicht hätten die Kameraden sich dem Tier genähert. Vorher waren die Fluchtwege besprochen worden. „Die wollte aufstehen“ Alles direkt am Tier, wofür Lilaks Vertrauen nötig war, übernahmen die Pfleger und die Zootierärztin. Sie legten der Afrikanischen Elefantenkuh Bergegurte um die Brust. Unter Rücken, Schulter und Hüfte wurden Hebekissen geschoben und aufgepustet. Dann war Muskelkraft gefordert, um das 3,7 Tonnen schwere Tier mithilfe der Rundschlingen zu bewegen. Und auch wenn die Elefantenkuh aufgeregt war und zwischendurch noch die Luftkissen mit dem Rüssel wegschob: „Die Lilak hat tatsächlich mitgeholfen“, sagt Nuhn. „Die wollte aufstehen.“ Bei Wankie damals war das anders, wie sich der Brandinspektor erinnert. Denn der Einsatz am Rosenmontag war nicht sein erster bei den Elefanten im Opel-Zoo. Schon im November 2014 mussten die Helfer dorthin ausrücken, weil eine andere Elefantendame gestürzt war: Wankie. Dieser Einsatz gelang nicht, obwohl die Wehr mit derselben Art von Gerät anrückte und dieselben Mühen und Kräfte aufwandte, wie Nuhn sagt. Anders als Lilak, die „unterm Strich einfach blöd gefallen“ war und von deren Wohlergehen sich der Feuerwehrchef schon am Tag nach dem Einsatz überzeugen konnte, wollte Wankie damals offenbar nicht mehr hochkommen. In der Nacht danach sei das Tier gestorben. Entenbabys im Gully Ihr Leben verdanken der Kronberger Feuerwehr außer Lilak vermutlich auch ein paar Entenbabys, die vor einiger Zeit in einen Gully gefallen waren. Auch so eine Aktion, zu der die Feuerwehr von aufmerksamen Anwohnern gerufen wurde. Also fuhren die Einsatzkräfte an Ort und Stelle, hoben den Gullydeckel hoch und holten die Entenjungen heraus. Auch einen Fischreiher und einen Adler hat die Kronberger Truppe schon gerettet. Beide Vögel hatten sich am Flügel verletzt. In solchen Fällen benutzt die Feuerwehr spezielle Kescher. Mit denen lassen sich Tiere einfangen und anschließend in die Transportboxen verfrachten. Die beiden wilden Vögel durften dann im Einsatzwagen zum Tierarzt fahren. Bei dem Waschbären, der sich im Lichtschacht eines Hauses verfangen hatte, war das dagegen offenbar nicht nötig. Aber das Eichhörnchen, das in einem Privatgarten vom Baum gefallen war und sich verletzt hatte, brachten die Feuerwehrleute ebenfalls in eine Praxis. Einmal rief umgekehrt eine Tierklinik bei der Feuerwehr an: Ein Pferd war in einer Box umgekippt. „Wir haben es aufgerichtet.“ Das war natürlich weniger aufwendig als die beiden Einsätze bei den Elefanten. Statt der Kombination aus Hebekissen und Bergegurten wie bei Lilak und Wankie reichte bei dem Pferd ein Hebegeschirr. Der Feuerwehrmann weiß außerdem von einem weiteren Pferd in Not zu berichten: Es war in Kronberg in einen Graben gestürzt. „Da musste sogar ein Feuerwehrkran aus Frankfurt kommen.“ Als Kronberger ist Thorsten Nuhn, wie er sagt, mit der Elefantenkuh Wankie aufgewachsen. Längst geht er inzwischen mit den eigenen Kindern in den Opel-Zoo. Auch Lilak, die im Jahr 2020 aus dem Berliner Tierpark in den Opel-Zoo gekommen ist, ist ihm daher seit Jahren ein Begriff. Umso schöner, dass der Feuerwehrchef den Einsatz bei Lilak „sehr erfreulich, sehr erfolgreich“ nennen kann. „Die Elefanten sind mit Kronberg verbunden“, sagt der Stadtbrandinspektor. Dasselbe gilt ganz offensichtlich für die Feuerwehr.