FAZ 04.01.2026
10:59 Uhr

Feuer in Crans-Montana: 24 Tote nach Brandkatastrophe identifiziert


Unter den Opfern des verheerenden Brands in der Schweiz sind auch Menschen aus Italien, Rumänien und Frankreich. Am 9. Januar soll der Toten mit einer Gedenkfeier und einem nationalen Trauertag gedacht werden.

Feuer in Crans-Montana: 24 Tote nach Brandkatastrophe identifiziert

Nach der verheerenden Brandkatastrophe im Schweizer Skiort Crans-Montana haben die Behörden inzwischen 24 der 40 Toten identifiziert. Das teilte die Kantonspolizei Wallis am Sonntagmorgen mit. Die Leichname seien den Familien übergeben worden. Bei den identifizierten Opfern handelt es sich um 18 Schweizerinnen und Schweizer im Alter zwischen 14 und 31 Jahren, zwei 16-jährige Italiener, einen italienisch-emiratischen Staatsangehörigen im Alter von 16 Jahren, einen 18-jährigen Rumänen, einen 39 Jahre alten Franzosen und einen 18-jährigen Türken. Über deutsche Opfer ist weiterhin nichts bekannt. Das Feuer war in der Bar „Le Constellation“ ausgebrochen, als zahlreiche junge Menschen in der Silvesternacht ins neue Jahr feierten. 40 Menschen kamen ums Leben, 119 weitere wurden verletzt. Am Samstag hatte die Schweizer Justiz Ermittlungen gegen die Betreiber der Bar aufgenommen. Erste Untersuchungen hätten „zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen die beiden Betreiber des Lokals geführt“, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis mit. Gegen die Bar-Betreiber werde wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung sowie fahrlässiger Brandstiftung ermittelt. Nach ersten Erkenntnissen war Schaumstoff an der Decke durch funkensprühende Partyfontänen an Champagnerflaschen in Brand geraten. Das Feuer hatte sich innerhalb kürzester Zeit ausgebreitet. Viele Familien bangen um ihre vermissten Kinder Derweil teilte die Gemeinde Crans-Montana laut Medienberichten mit, der Gemeinderat habe am Samstag einstimmig beschlossen, sich als Nebenklägerin an dem von den Strafverfolgungsbehörden eingeleiteten Verfahren zu beteiligen. Eine Zivilklage sei eingereicht worden. Zudem werde sie der Staatsanwaltschaft alle verfügbaren Unterlagen zum Brand in der Bar übergeben, hieß es. Viele Familien bangen noch immer um ihre vermissten Kinder. Auch einige Verletzte konnten noch nicht identifiziert werden. Viele Opfer erlitten schwerste Brandverletzungen, die in Spezialkliniken behandelt werden müssen. Nach jüngsten Angaben des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) übernahm Deutschland insgesamt elf Schwerverletzte aus der Schweiz zur medizinischen Behandlung. Derzeit seien keine weiteren Verlegungen nach Deutschland geplant, erklärte die Behörde am Samstag. Der Opfer soll am 9. Januar mit einer Gedenkfeier und einem nationalen Trauertag gedacht werden. Die offizielle Gedenkfeier in dem Nobel-Skiort im Kanton Wallis kündigte die Gemeinde auf ihrer Homepage an. Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin sagte dem „Tagesanzeiger“, er werde dabei sein. Parmelin teilte mit, für den Freitag sei zudem ein nationaler Trauertag geplant. „Persönlich der Opfer der Katastrophe gedenken“ Um 14.00 Uhr – zu Beginn der Trauerfeier in Crans-Montana – sollen im ganzen Land die Kirchenglocken läuten, begleitet von einer landesweiten Schweigeminute, wie Parmelin weiter sagte. „In diesem Moment der Stille können alle Menschen in der Schweiz – und weltweit – persönlich der Opfer der Katastrophe gedenken.“ Im Zentrum des Skiorts Crans-Montana hatten sich am Samstag immer wieder Menschen nahe des Unglücksorts versammelt und Blumen, Briefe, Kerzen und Plüschtiere als Zeichen der Anteilnahme für die Opfer und ihre Familien niedergelegt. Der Schock über die „unermessliche Tragödie“ sitze tief, sagte der Schweizer Justizminister Beat Jans bei einem Besuch am Unglücksort. Die Justiz werde alles tun, um die Verantwortung für die Katastrophe zu klären. Für die Opfer sind in den kommenden Tagen mehrere Gedenkfeiern geplant. Am späten Samstagabend war die Kirche von Crans-Montana während eines Gedenkgottesdienstes mit Menschen aller Altersgruppen gefüllt. Für Sonntag wurde ein Schweigemarsch zur Bar „Le Constellation“ nach dem Gottesdienst angekündigt. Im Internet boten unterdessen zahlreiche Menschen den Familien der Opfer sowie Mitgliedern der Rettungskräfte Unterkünfte oder andere Unterstützung an.