FAZ 07.05.2026
17:28 Uhr

Feta-Kochbuch: Vegetarisches von einer Feta-Besessenen


Feta ist der griechische Beitrag zur kulinarischen Globalisierung. Die Autorin und Bloggerin Natacha Comar zeigt in ihrem neuen Buch, wie vielseitig der Salzlakekäse auch in der vegetarischen Küche ist.

Feta-Kochbuch: Vegetarisches von einer Feta-Besessenen

Die Welt wächst zusammen, auch kulinarisch. Aber eigentlich läuft die Globalisierung auf diesem Gebiet schon seit Hunderten, wenn nicht Tausenden Jahren. Schon immer haben sich die Völker gegenseitig in die Töpfe geschaut und sich Zutaten, Zubereitungsarten und Gerichte voneinander abgeguckt. Spätestens im Laufe des 20. Jahrhunderts hat sich so ein internationaler Speisekanon entwickelt, dessen Bestandteile sich heute praktisch überall auf der Welt finden: Gerichte, die sich gewissermaßen von ihrer Herkunft emanzipiert haben und nun ein globales Eigenleben führen. Der in Amerika erfundene Hamburger ist so eine Speise, die italienische Pizza ebenfalls. Die Japaner haben der Welt Sushi gegeben, die Türken den Kebab. Die Mexikaner haben Tacos zu einem Welterfolg gemacht, die Inder ihre Currys und wir Deutschen – zusammen mit den Österreichern natürlich – das gute alte Schnitzel. Und die Griechen? Die haben die Demokratie erfunden – und den Feta. Ja, auch der Salzlakekäse aus Schafmilch ist inzwischen ein globales Phänomen. In Europa ist er sogar mit einer Herkunftsbezeichnung geschützt, als Gattungsbegriff aber längst auch in Nordamerika und allen möglichen anderen, eher westlich geprägten Kochkulturen ein Begriff. Selbst im fernen Neuseeland isst man auf dem Salat ganz selbstverständlich Feta-Würfel aus heimischer Produktion und lässt Herkunftsbezeichnung Herkunftsbezeichnung sein. Natacha Comar ist nicht nur Feta-Expertin, sie ist Feta-Freak. Die Autorin und Bloggerin stammt aus einer französisch-griechischen Familie, und der Originaltitel ihres Feta-Kochbuches sagt alles: „Obsession Feta“. Die deutsche Ausgabe des Buches, das jetzt im LV Landwirtschaftsverlag erschienen ist, trägt den wenig poetischen Titel „Feta – Vegetarisch genießen mit griechischem Flair“, ist aber nicht weniger empfehlenswert als die Urfassung. Comar hält sich nicht lange mit theoretischen Abhandlungen und praktischen Vorbemerkungen auf, schon auf Seite zehn eröffnet sie den Rezeptreigen mit drei Grundversionen: Feta mit Olivenöl, Rührei mit Feta und griechischer Salat mit Feta. Aufgeteilt ist das Buch nach der Zubereitungsdauer der Gerichte. Das geht von „Express“ (unter 20 Minuten) bis „Mit Muße“ (über 60 Minuten) und von der Feta-Creme mit Honig oder Pistazien über Filoteig-Pastetchen mit Feigen und Feta sowie Mangold-Feta-Quiche bis hin zur Blätterteig-Tarte mit Karottengrün-Pistazien-Picada und den Kohlröllchen mit Reisfüllung und Feta-Soße. Alle Zutaten sind leicht zu bekommen – und Comars Beschreibungen der einzelnen Arbeitsschritte sehr gut nachzuvollziehen. Die in vielen Kochbüchern beschworene Alltagstauglichkeit ist in diesem Werk keine Floskel. Für etwas komplexere Gerichte wie zum Beispiel den Kolokithopita, den klassischen griechischen Zucchini-Feta-Auflauf, gibt es auf einer Doppelseite sogar eine Bild-für-Bild-Anleitung. Auf eine Feta-Variante, die uns neulich über den Weg gelaufen ist, lässt sich Comar im Übrigen – zum Glück – nicht ein: griechisches Sushi, für das Feta mit Tomate oder Gurke oder Wassermelone in Reis gerollt und dann häppchenweise serviert wird. Da geht die Globalisierung dann tatsächlich doch zu weit. Natacha Comar: „Feta – Vegetarisch genießen mit griechischem Flair“, Landwirtschaftsverlag, Münster 2026, 160 Seiten, 24 Euro