Nach der Silvesternacht ziehen die Polizeidienststellen im Rhein-Main-Gebiet eine insgesamt positive Bilanz: Gefeiert wurde überwiegend friedlich. Auf den Jahreswechsel hatte die Polizei sich intensiv vorbereitet. So war etwa in der Frankfurter Innenstadt ein Großaufgebot an Polizisten und Rettungskräften im Einsatz. Vor allem das Mainufer, die Zeil und die großen Plätze in der Innenstadt waren stark frequentiert. Die Polizei meldete zunächst einen friedlichen Verlauf, nach Mitternacht kam es dann jedoch an mehreren Orten der Innenstadt zu Auseinandersetzungen und Verstößen mit Pyrotechnik. Die Polizei nahm mehrere Personen fest. Als Treffpunkte dienten in Frankfurt wie auch in den vergangenen Jahren vor allem die Brücken am Main. Noch vor Mitternacht wurden der Eiserne Steg und der Holbeinsteg geschlossen, „um eine Überlastung zu verhindern“. Stattdessen versammelten sich unzählige Menschen auf der Alten Brücke. Anders als auf dem Eisernen Steg hatte die Stadt dort kein Böllerverbot verhängt. Einzelne Personen zündeten Raketen und ließen sie aus der Hand quer in die Menge fliegen. Auch Böller wurden auf die Feiernden, darunter auch kleine Kinder, geworfen. Ein Augenzeuge berichtete von einer Frau, die offenbar am Bein verletzt wurde. Eine andere Frau sei von einem Notarzt medizinisch versorgt worden. Die Polizei schritt in Fällen, in denen Pyrotechnik in die Menge geschossen wurde, unmittelbar ein und nahm die Personen fest. Feuerwerk gezündet wurde auch auf der Zeil, trotz des Verbots, das die Stadt ausgesprochen hatte. Wie ein Polizeisprecher mitteilte, haben die Beamten nach einer vorläufigen Bilanz jedoch weniger Verstöße registriert als in den vergangenen Jahren. Schon am Abend hatten Beamte an der Zeil kontrolliert und Feuerwerkskörper, die dort gezündet werden sollten, sichergestellt. Dennoch war die die zentrale Einkaufsmeile bis zum frühen Morgen belebt. Bis zu tausend Menschen hielten sich dort auf, tanzten und feierten. Im Frankfurter Bahnhofsviertel waren Polizeibeamte mit Feuerwerksraketen beschossen worden. Laut einem Polizeisprecher konnte die Situation jedoch schnell aufgelöst werden. „Danach hat sich die Lage wieder beruhigt.“ DRK-Sanitäter werden angegriffen In mehreren Stadtteilen kam es zu Bränden, oft infolge von Feuerwerk. Laut Polizei kam es vereinzelt auch zu Körperverletzungen zwischen Feiernden. An einigen Stellen seien auch Rettungskräfte angegriffen worden, teilte die Feuerwehr mit. „Mehrfach kam es vor, dass Einsatzkräfte mit Feuerwerkskörpern beschossen wurden“, hieß es. Insgesamt wurden bislang elf Vorfälle gemeldet. Besonders gravierend sei ein Angriff auf ein Fahrzeug des Deutschen Roten Kreuzes gewesen. Nahe des Eisernen Stegs wurden dabei zwei Rettungssanitäter angegriffen. Eine größere Menschengruppe hinderte sie während einer Fahrt zu einem Einsatz mit einem Notfall-Krankentransportwagen mit Gewalt am Weiterfahren. Die Gruppe hielt das Fahrzeug auf, um auf eine weitere verletzte Person aufmerksam zu machen. Anstatt den Anweisungen der Rettungsdienstmitarbeiter Folge zu leisten, verschafften sich einige Personen gewaltsamen Zugang zum Behandlungsraum des Fahrzeugs, rissen Spiegel und Nummernschild ab und griffen einen Sanitäter an. Der Mann wurde durch einen Tritt in den Rücken verletzt, gegen das Fahrzeug gestoßen, am Kopf verletzt und fiel zu Boden. Der beschädigte Wagen wurde mit Pyrotechnik beschossen. „Ich verurteile diese Gewalt aufs Schärfste“, sagte der Frankfurter Oberbürgermeister Mike Josef (SPD) zu dem Vorfall. „Wer Einsatzkräfte angreift, greift unsere Solidargemeinschaft an. Ich hoffe, die Polizei kann die Täter ausfindig machen. Ein solches Verhalten muss mit klaren Konsequenzen geahndet werden.“ Die Kräfte der Feuerwehr seien hauptsächlich durch viele kleine Brände beschäftigt gewesen. Am häufigsten brannten Papierkörbe, Müllbehälter, Altkleidungscontainer, Unrat, Gestrüpp oder Hecken. Die Branddirektion Frankfurt verzeichnete 166 Brände, elf Hilfeleistungen und 269 Rettungsdiensteinsätze. Die größten Feuerwehreinsätze waren demnach vier Brände auf Balkonen. Ein Übergreifen auf Wohnungen habe verhindert werden können. Insgesamt sind Rettungsdienste und Feuerwehr in Frankfurt zu mehr als 550 Einsätzen ausgerückt. Sicherheitskonzept mit Drohnenabwehr Die Frankfurter Polizei hatte für den Jahreswechsel ein umfassendes Sicherheitskonzept vorgestellt. Neben uniformierten Einsatzkräften waren auch Beamte in Zivil unterwegs, auch das Überfallkommando war in der gesamten Silvesternacht im Dienst. Eine größere Rolle hat in diesem Jahr zudem die Drohnenabwehr gespielt. So wurden Geräte eingesetzt, mit denen fremde Drohnen detektiert werden können. Am Mainkai und am Eisernen Steg sowie am Brockhausbrunnen auf der Zeil waren temporäre Videoschutzzonen eingerichtet. Die Bilder wurden direkt in das sogenannte Video-Operation-Center übertragen und dort in Echtzeit bewertet. Im Großen und Ganzen berichteten die Pressestellen der Polizei in Hessen von einer entspannten Lage in der Silvesternacht. So hieß es etwa in Fulda, die Nacht sei aus polizeilicher Sicht „ausgesprochen ruhig“ gewesen. Die Polizei in Gießen hatte nach den Worten eines Sprechers zwar „alle Hände voll zu tun“, glücklicherweise habe es sich aber nur um viele „kleine Scharmützel“ gehandelt. Ein Sprecher der Darmstädter Polizei sprach ebenfalls von einer „ruhigen Nacht“. Und auch in Wiesbaden liefen die Feiern zum Jahreswechsel überwiegend friedlich ab: „Der ganz normale Wahnsinn“, sagte ein Polizeisprecher. Aus Offenbach berichtete ein Sprecher, dass „nichts Spektakuläres“ passiert sei. In einer vorläufigen Bilanz des hessischen Innenministeriums hieß es, dass in der Silvesternacht 14 Polizisten durch Würfe von Böllern und Pyrotechnik verletzt worden sind. Dabei habe es sich um eher leichte Verletzungen, unter anderem um eine Verbrennung am Ohr, zwei Augenverletzungen, einen Schlag ins Gesicht und mehrere Knalltraumata, gehandelt. Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) nannte die Übergriffe „völlig unverständlich und inakzeptabel“. Unterdessen wird auch in Hessen weiter über ein verschärftes Böllerverbot diskutiert. Allein in Polizeikreisen ist man sich darüber jedoch nicht einig. Während sich die Gewerkschaft der Polizei (GdP) für ein bundesweites Böllerverbot ausgesprochen hat und dafür eigens eine Petition ins Leben gerufen hatte, hält die Deutsche Polizeigewerkschaft ein Verbot für nicht zielführend. „Wir lassen uns Tradition und Freiheit nicht von einigen wenigen Krawallmachern kaputtmachen“, sagte der hessische Landesvorsitzende Alexander Glunz. „Wer an Silvester nicht in der Lage ist, Feuerwerk ordnungsgemäß und verantwortungsbewusst zu nutzen, muss selbstverständlich dafür zur Verantwortung gezogen werden. Auch der Angriff auf Polizei und Rettungskräfte mit Böllern und Raketen muss harte Konsequenzen nach sich ziehen. Aber nur weil einige sich nicht an Regeln und Ordnung halten wollen, den Millionen von Menschen, die verantwortungsbewusst und zurückhaltend einmal im Jahr das neue Jahr mit Feuerwerk und Lichterschein begrüßen wollen, diese Tradition zu verbieten, ist überzogen. Das käme einer Kapitulation vor Rechtsbrechern und Unruhestiftern gleich.“ In Darmstadt fielen in der Silvesternacht bei einer Kontrolle der Polizei kurz vor Mitternacht zwei junge Männer auf, die nicht erlaubte Feuerwerkskörper der Klasse F4 bei sich hatten. Die 18 und 21 Jahre alten Männer müssen sich wegen Verstoß gegen das Strengstoffgesetz verantworten, wie die Polizei am Neujahrstag mitgeteilt hat. Auch bei einem Fünfzehnjährigen in Griesheim fand die Polizei verbotene Feuerwerkskörper. In Bensheim wurde ein Sechzehnjähriger verletzt, weil gegen 22 Uhr ein Böller in seiner Hand explodiert war. In Rüsselsheim kam es zwischen zwei Männern zum Streit um einen Böllerwurf. Der Polizei zufolge schlug ein 43 Jahre alter Mann einem 35 Jahre alten Mann mehrere Male ins Gesicht. Wie das Präsidium in Darmstadt weiter berichtet hat, rückten die Feuerwehren in Südhessen wegen 35 Bränden aus. In den meisten Fällen hatten Mülltonnen und Hecken Feuer gefangen. In Messel musste ein Dachstuhlbrand gelöscht werden, in Bad König im Odenwald ein Feuer auf einem Balkon.
