Ein Stück aus dem Tollhaus. Und in der Welt der Geheimdienste in dieser Form wohl präzedenzlos. Im Kalten Krieg gab es durchaus hochrangige Überläufer. Aber dass ein ehemaliger Präsident des Auslandsgeheimdienstes wegen Spionageverdachts verhaftet wird, mitsamt seinem ehemaligen Büroleiter, der auch weiteren BND-Präsidenten zu Diensten war, das setzt selbst der nicht immer ruhmreichen Geschichte der deutschen Dienste eine Krone auf. Angereichert wird dieser leider nicht James-Bond-taugliche Thriller durch die Art seiner Überführung. Es war ein Zufallsfund anlässlich der Durchsuchung von Hannings Räumen wegen seiner dubiosen Rolle im Block-Prozess. Die lange Verbindung zu seinem einstigen Büroleiter, der nicht nur weiter diente, sondern weiter seinen einstigen Chef mit Verschlusssachen versorgte, erinnert an dubiose Kontinuitäten der Nachfolgeorganisation der „Fremde Heere – Ost“. Der BND nicht nur der Frühzeit war eine Art Familienbetrieb in Pullach. Die Zukunft des BND könnte düster aussehen Man kann nur hoffen, dass die Informationen, die der rüstige Aufstocker fremden Mächten lieferte, so banal waren, wie es früher oft dem BND auch vom Bundeskanzleramt zugeschrieben wurde. Aber auch wenn man hofft, dass der BND besser ist als sein Ruf, und dafür gibt es Gründe, so könnte seine Zukunft auf absehbare Zeit düster aussehen. Denn der Dienst, seine Verteidiger und auch ehemalige BND-Präsidenten werden nicht müde, öffentlich zu betonen, dass der deutsche Auslandsgeheimdienst bei den westlichen Partnerdiensten nicht richtig ernst genommen werde, weil ihm entscheidende exekutive Befugnisse fehlten. Fehlendes Vertrauen? Das könnte auch am Personal liegen. Ein Spitzenbeamter, dem seine hohe Pension nicht reicht und der Fäden ziehen und vergolden will, die er in seiner aktiven Zeit nie in der Hand hatte. Mission impossible. So problematisch der Wechsel in den privaten Sektor im geheimdienstlichen Komplex etwa in den USA und Israel auch sein kann: Verrat ist eine andere Dimension.
