FAZ 14.12.2025
13:54 Uhr

Feine Sahne Fischfilet: Wo niemals Ebbe ist


Die Band Feine Sahne Fischfilet gibt sich in der Stadthalle Offenbach versöhnlich. Sänger „Monchi“ verteilt dazu Bier an das berauschte Publikum und erzählt Persönliches.

Feine Sahne Fischfilet: Wo niemals Ebbe ist

Nach 21 Jahren Bandexistenz wandeln sich Wut, Zorn und Aggressivität um. Von nichts kommt nichts. Einst berüchtigt wegen diverser Skandale und allerlei Vergehen sowie gar vom Verfassungsschutz in Mecklenburg-Vorpommern beobachtet, rückte das Quintett im Laufe der Zeit zunehmend in Richtung des künstlerischen Mainstreams. Politisch früher links außen orientiert und auf Hardcore-Punk fixiert, plädieren die ostdeutschen Feine Sahne Fischfilet heutzutage gar ansatzweise für einen Dialog mit der Gegenseite und offerieren einen goutierbaren Mix aus Punk, Pop und Rock samt Dauer-Trompeteneinsatz. Allein das instrumentale Klavierintro von „Wir kommen in Frieden“ zum Konzerteinstieg in der seit Wochen ausverkauften Offenbacher Stadthalle klingt eingängig melodiös. Allein schon wegen des Titelsongs der aktuellen siebten Studio-CD, erstes Album der Band auf der Nummer eins der deutschen LP-Charts, dürfte die nächste Tournee direkt in die Frankfurter Festhalle führen. „Alles auf Rausch“ Nicht, dass es Sänger Jan „Monchi“ Gorkow, Bassist Kai Irrgang, Schlagzeuger Olaf Ney sowie die beiden Neueinsteiger seit 2022, Hauke Segert als Gitarrist und Sänger sowie Max Bobzin als Trompeter und Sänger, unbedingt darauf anlegen würden. Doch die manisch elektrisierende Stimmung in der mit Publikum regelrecht überfrachteten Mehrzweckhalle in Offenbach legt diese Entwicklung nahe. Nach „Wir kommen in Frieden“ explodiert die Atmosphäre regelrecht. Mit „Zurück in unserer Stadt“ und „Alles auf Rausch“ überschreitet die Besucherschar die letzte Hemmschwelle. Von da an wird maßlos zelebriert: zuerst die agile Formation, dann der feierliche Moment. Und ja, man feiert auch sich selbst. „Monchi“, nicht nur Vokalist mit stattlichem Stimmtimbre, sondern auch Buchautor und Gelegenheitsschauspieler, sorgt immer wieder mit längeren Monologen für Herzergreifendes. Da erinnert sich das 38 Jahre alte Schwergewicht in kurzen Trainingshosen und Blümchenmusterhemd mit tränenerstickter Stimme etwa an gleich zwei Verstorbene aus seinem Umfeld. Herzensbotschaft an die Eltern Andererseits verteilt er fleißig kistenweise Bier an die Fangemeinde und lässt sich dabei stellenweise gar von zwei Konzertbesuchern helfen. Musikalisch greifen Feine Sahne Fischfilet hauptsächlich auf Uptempo zurück. Nur manchmal gibt es eine balladeske Pause wie in „Eine rauchen wir noch“ oder die zärtliche Widmung an seine Tochter, „Haut an Haut“. Auch das an seine Eltern gerichtete „Niemand wie ihr“ erweist sich als Herzensbotschaft – sind Mama und Papa zwar oft nicht angetan von den Aktionen ihres Sohnemanns, stehen sie aber doch immer aufrecht hinter ihm. Für das eher bedröhnte „Sternhagelvoll“ tritt der Support Act Focus nochmals ins Rampenlicht. In „15 Jahre“ erinnert „Monchi“ sich an ein Ereignis, als er in Teenagertagen von Rabauken zusammengeschlagen wurde, ihm teilweise die Zähne ausfielen und er auf der Geburtstagsfeier seiner Mutter, einer Zahnärztin, auftauchte: „Sorry Mama, die Party ist aus“, heißt es da im Text. Zum Finale lauten die Songtitel „Geschichten aus Jarmen“, „Manchmal finde ich dich scheiße“, „Wo niemals Ebbe ist“, „Wir haben immer noch uns“ und „Komplett im Arsch“. Knapp 30 Oden erklingen – und die Fangemeinde findet danach noch immer kein Ende.