FAZ 19.01.2026
17:53 Uhr

„Fehler von allen Seiten“: So erklärt Krösche das Toppmöller-Aus bei der Eintracht


Das Erfolgsmodell der Frankfurter bekommt nach Dino Toppmöllers Aus Risse. Auch Sportvorstand Markus Krösche muss sich Kritik gefallen lassen. Wie er den Rauswurf begründet – und seine eigene Arbeit einordnet.

„Fehler von allen Seiten“: So erklärt Krösche das Toppmöller-Aus bei der Eintracht

Die Aufgabenverteilung bei Eintracht Frankfurt war für alle Seiten lange von Erfolg gekrönt. Sportvorstand Markus Krösche und sein Team fanden auf dem Transfermarkt zu finanziell guten Konditionen vielversprechende Spieler, in erster Linie Angreifer. Und Trainer Dino Toppmöller entwickelte diese dann mit seinem Stab zu außergewöhnlich guten Fußballspielern, deren Marktwert sich jeweils steil nach oben in Richtung der 100-Millionen-Euro-Marke bewegte. Beste Beispiele für die exorbitante Wertschöpfung: Hugo Ekitiké (verkauft nach Liverpool) und Omar Marmoush (Manchester City). In Frankfurt florierte dieses Geschäftsmodell auf höchstem europäischen Niveau. Diese Glanzzeiten scheinen jetzt erst einmal vorbei zu sein. Von berauschendem Offensivfußball der Frankfurter Profis auf dem Platz, der das Publikum in seinen Bann zog, ist kaum mehr etwas zu sehen. Stattdessen stechen nun die vielen gemachten Fehler ins Auge und trüben das Gesamtbild stark. 39 Gegentore in 18 Erstligaspielen – die Verteidigungsleistung der Eintracht genügt nicht einmal durchschnittlichen Ansprüchen. Zusammen mit dem Abstiegskandidaten Heidenheim bilden die Hessen die schlechteste Defensive des Wettbewerbs. Ein schlimmer Absturz angesichts der hohen Ansprüche am Main. Vor allem aufgrund dieses Defizits, das Dino Toppmöller an exponierter Stelle nicht beheben konnte, verlor der Trainer nun seinen Job. Er halte „Dino für einen herausragenden Trainer“, sagte Krösche am Montag auf einer Pressekonferenz im Profi-Camp. „Wir hatten aber das Gefühl, dass wir keine positive Entwicklung mehr hinbekommen.“ Die Eintracht habe eine „harte Entscheidung für uns alle treffen“ müssen. In dieser Situation werde „auf Einzelschicksale keine Rücksicht genommen“, hob der Sportvorstand mit ernster Miene hervor. „Es ist unsere Aufgabe, diese Entscheidung zu treffen.“ Denn: „Wir können die Dinge nicht laufen lassen.“ Über allem steht bei der Eintracht, die momentan Tabellensiebter ist, die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb. Krösche informierte die Spieler über die Trennung von Toppmöller. Gab es auch Gespräche mit ihnen? „Wir sind kein Debattierklub“, antwortete er betont nüchtern auf die Frage. Krösche machte den Profis vielmehr klar, dass auch sie jetzt gefordert seien, für die Wende zu sorgen. Die mangelnde Balance unter Toppmöller Die Sportliche Führung bekam den Eindruck, dass „sich die Mannschaft in Verbindung mit dem Trainerteam ein bisschen verkeilt“ habe. „Das ist kein Vorwurf, es ist manchmal so, dass Überzeugungen schwinden, eine gewisse Unsicherheit kommt und dann auch eine gewisse Unzufriedenheit“, fügte Krösche hinzu. Aber was heißt das genau? „Es ist am Ende kompliziert. Es ist eine Kombination aus vielen Dingen, die sich über die Zeit entwickeln“, sagte er. Toppmöller und seinem Stab sei es nicht gelungen, „eine defensive Struktur zu schaffen und die Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden“. Bisweilen habe die Mannschaft „in einer Art Panikmodus agiert und nicht mehr als Team. Jeder versucht dann, seinen Weg zu gehen“, beschrieb Krösche die Missstände. Dino Toppmöller, von dessen Assistenten Xaver Zembrod, Stefan Buck und Nélson da Silva Morgado sich der Klub ebenfalls getrennt hat, ist der große Verlierer in diesem Spiel. Ihm sind Fehler unterlaufen. Bisweilen erwiesen sich seine Aufstellungen als unglücklich und nicht sachgerecht. Er schaffte es nicht, eine gefestigte Struktur ins Frankfurter Mittelfeldspiel zu bringen. Seine vielen Ideen überforderten zudem den einen oder anderen Spieler. Toppmöller, der sich in hohem Maße mit dem Verein identifizierte, trägt aber nicht die Alleinschuld an der Negativentwicklung. Die Gegebenheiten schätzte er meistens realistisch ein. Er wusste um die Probleme, die entstehen können, wenn die besten Spieler den Klub verlassen und nicht durch neue, leistungsstarke Profis ersetzt werden. Seine Bedenken und Sorgen machte der 45-Jährige nie öffentlich. Vielmehr arbeitete er mit Hochdruck an Lösungen. Lange ging das zum Wohl der Eintracht gut. Nur in dieser Saison beschäftigten die Frankfurter sportlich zu viele Baustellen, die Toppmöller in ihrem Ausmaß nicht mehr in den Griff bekam. Fehlt es dem Kader an Klasse? Daran hat Markus Krösche mit der Hauptverantwortung für den Bereich Sport seinen Anteil. Das streitet er nicht ab. „Es müssen von allen Seiten Fehler gemacht worden sein“, sagte der Sportvorstand. „Ich mache mich nicht von Fehlern frei.“ Es sei „immer eine gemeinschaftliche Thematik“. Nach dem Abgang des Brasilianers Tuta im vergangenen Sommer holten die Frankfurter keinen Ersatz für den vielseitigen Verteidiger. Ein Abwehrspieler von Format hätte dem Team gutgetan. Denn der neue Kapitän Robin Koch kämpft in dieser Runde mit seiner Form und seiner Führungsrolle. Auch Arthur Theate beweist keine Kontinuität auf hohem Niveau. Ellyes Skhiri, für den sich der 1. FC Köln interessiert, erfüllt auf der Sechserposition nicht die Erwartungen, das zeichnete sich schon länger ab. Und Hugo Larsson plagen immer wieder gesundheitliche Probleme. Nicht zu vergessen, dass Mahmoud Dahoud schon aussortiert war, bevor Toppmöller wieder auf ihn zurückgriff, und Mario Götze ebenfalls kein Garant für Stabilität ist. Damit aber nicht genug der Fehleinschätzungen: Auf der Torhüterposition kehrt nach dem Abgang von Kevin Trapp zum FC Paris mit Kauã Santos und Michael Zetterer keine Kontinuität ein. Und was auch wichtig für Frankfurts Fehlentwicklung ist: Elye Wahi, für vergleichsweise viel Geld als Nachfolger für Ekitiké vorgesehen, war nach langer Zeit der erste Stürmer, der in Frankfurt überhaupt nicht zurechtkam. Ihn verlieh die Eintracht jetzt nach Nizza. Der aus Mainz gekommene Nationalspieler Jonathan Burkardt war hingegen gut in Schuss, verletzte sich dann jedoch. Unter dem Strich bedeutet das: In dieser Zusammensetzung fehlt dem Kader offenbar die gewünschte Klasse und Stimmigkeit. Anzulasten ist das im Wesentlichen Markus Krösche. Diesen Vorwurf wollte er am Montag nicht stehen lassen, er wehrte sich: „Wir sind überzeugt von der Mannschaft und der Qualität auf einzelnen Positionen“, sagte der Sportvorstand. „Die Mannschaft hat Qualität, die sie schon gezeigt hat. Über einzelne Spieler werde er nicht sprechen. Krösche merkte aber an: „Es gibt immer Optimierungsthemen.“ Am Geschäftsmodell der Eintracht, talentierte Spieler zu verpflichten und für höchste Ansprüche mit entsprechenden Erlösen weiterzuentwickeln, werde sich nichts ändern, kündigte Krösche an. Weitere Weggänge sind in Zukunft also vorprogrammiert. Was die Arbeit für einen Trainer nicht leichter macht. „Dino Toppmöller musste sich immer wieder anpassen nach den Abgängen und gewisse Abläufe verändern“, räumte Krösche ein. Er sucht nun einen Trainer, „der offensiven, mutigen Fußball spielen“ lässt. „Und der Spieler weiterentwickeln kann.“ Topkandidat soll der ehemalige Leipziger Trainer Marco Rose sein, der wohl noch bis zum 1. Juli dieses Jahres an RB gebunden ist. Dem Vernehmen nach rufen die Sachsen aktuell aber eine zu hohe Ablösesumme für den Fußballlehrer auf, von dem sich der Klub im März 2025 getrennt hatte. So oder so: „Wir alle sind jetzt in der Pflicht“, sagte Krösche. Und: „Die Spieler wissen, worum es geht.“