FAZ 23.11.2025
16:26 Uhr

Fehlender Rückhalt: Chefs der Berliner SPD kündigen Rücktritt an


Zehn Monate vor der Berlin-Wahl geben die dortigen SPD-Landesvorsitzenden auf. In der Partei sehen sie zu wenig Rückhalt für ihre Politik.

Fehlender Rückhalt: Chefs der Berliner SPD kündigen Rücktritt an

Die Berliner SPD-Vorsitzenden Nicola Böcker-Giannini und Martin Hikel treten laut Medienberichten zum Monatsende zurück. Wie die „B.Z.“ und die Deutsche Presse-Agentur berichten, haben beide Vorsitzenden den geschäftsführenden Landesvorstand der SPD über ihre Absicht informiert. Das Duo, das erst seit 2024 an der SPD-Spitze stand, zieht damit die Konsequenzen aus mangelndem Rückhalt in der Partei. Böcker-Giannini hatte am Samstag in ihrem Kreisverband Reinickendorf keinen Listenplatz für die Wahl zum Abgeordnetenhaus 2026 bekommen. Bei einer Wahlversammlung des Verbands unterlag sie in der Abstimmung über Platz drei der Bezirksliste klar einer Gegenkandidatin. Hikel, der Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln ist, war vor zwei Wochen bei einer Wahlversammlung der dortigen SPD nur mit 68,5 Prozent der Stimmen abermals für den Posten nominiert worden – viele SPD-Linke sehen seinen Einsatz gegen linken An­tisemitismus und Clankriminalität kritisch. Hikel hatte daraufhin angekündigt, dass er bei der Wahl im September 2026 nicht mehr für das Amt zur Verfügung stehen werde. Zehn Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus und den Bezirksparlamenten am 20. September 2026 steht die Berliner SPD, die seit 2023 als Juniorpartner der CDU regiert, damit vor einem politischen Scherbenhaufen. Wie es weitergehen soll, ist unklar. Nach Informationen der „B.Z.“ soll Spitzenkandidat Steffen Krach, der im Moment noch Regionspräsident der Region Hannover ist, neuer Parteichef werden. Er könnte auf einem Parteitag im März auf den Posten gewählt werden, auf dem die Berliner SPD ihr Wahlprogramm beschließen will. Die Amtszeit von Böcker-Giannini und Hikel an der SPD-Spitze läuft eigentlich bis Juni. In letzten Wahlumfragen rangierte die Berliner SPD mit 13 bis 16 Prozent hinter CDU und Linkspartei, teils auch hinter den Grünen und der AfD.