FAZ 20.02.2026
13:53 Uhr

Fehlender Abschluss: Immer mehr junge Ausländer arbeiten ohne Ausbildung


In Hessen steigt die Zahl junger Erwerbstätiger ohne Ausbildungs- oder Studienabschluss. Oft sind es Ausländer, die in ihrer Heimat sogar einen Beruf erlernt haben.

Fehlender Abschluss: Immer mehr junge Ausländer arbeiten ohne Ausbildung

Die jüngsten Zahlen zur Beschäftigung in Hessen haben für die Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit einen Schönheitsfehler. Zwar steigt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, doch in der Gruppe der jungen Leute im Alter von 15 bis 35 Jahren waren darunter in Hessen im Juni 2024 rund 147.000 junge Menschen ohne einen formalen Berufsabschluss. Das entspricht 19 Prozent aller regulär Beschäftigten in dieser Altersgruppe.  Im Vergleich zu 2014 ist das ein Anstieg um 84,5 Prozent (rund 67.400 Personen). Der Anstieg bei den Jungen entfällt im Vergleich zwischen 2014 und 2024 zu fast zwei Dritteln (64 Prozent oder rund 42.900 Personen) auf Männer und davon wiederum etwa zur Hälfte (rund 21.600 Personen) auf Ausländer. Damit ist die Zahl junger ausländischer Männer ohne Berufsabschluss am stärksten gestiegen. 2024 war sie mehr als zweieinhalbmal so hoch wie noch 2014. Zwar ist die Zahl junger deutscher Männer ohne Berufsabschluss über den gesamten Zeitraum deutlich größer, ihr Anteil ist aber von 72 Prozent 2014 auf 61,4 Prozent 2024 gesunken. Im Vergleich dazu fällt der Anstieg bei den Frauen mit rund 24.600 von 2014 bis 2024 deutlich geringer aus; der Anteil der ausländischen Frauen am Gesamtzuwachs der Frauen beträgt nur 28,5 Prozent (rund 7.000 Personen). „Wege finden, um Ausbildungen anzuerkennen“ Oft liegt die hohe Quote auch daran, dass Abschlüsse aus dem Ausland nicht anerkannt werden. Darum appelliert Frank Martin, Chef der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, an die Verantwortlichen in der Politik, weitere Wege zu finden, um informell erworbene Kompetenzen oder im Ausland abgeschlossene Ausbildungen in Deutschland anzuerkennen. Vor allem junge Menschen mit einem niedrigen Schulabschluss und ausländischer Staatsbürgerschaft sind besonders gefährdet, dauerhaft ohne Ausbildung zu bleiben. Das bereitet den Arbeitsagenturen und Jobcentern Sorgen, denn nach ihrer Erfahrung sind Erwerbsbiographien in solchen Fällen häufig instabil und von vielen Wechseln geprägt. Das Motiv dafür, dass junge Leute gleich anfangen zu arbeiten, statt eine Ausbildung zu machen, wird darin gesehen, dass die Löhne für Lehrlinge im Vergleich zu vielen Jobs für Ungelernte niedriger sind. Vielen sei nicht klar, dass dieser Vorteil nicht von Dauer sei und sie mit einer Ausbildung oder einem Studienabschluss langfristig mehr erzielen könnten, bessere Aufstiegschancen und mehr Sicherheit hätten. Der Chef der Arbeitsagenturen, Martin, rät jungen Leuten, sich zu informieren: „Es gibt von den Arbeitsagenturen kostenlose Beratung und geförderte Maßnahmen, Möglichkeiten, Arbeiten und Ausbildung miteinander zu kombinieren, ob neben dem Job, in Teilzeit, oder auch wenn man schon älter ist.“ Arbeit ohne Ausbildung limitiere nicht nur die Entwicklung jedes Einzelnen, sondern verschärfe auch den Fachkräftemangel.