Endlich wieder alles weiß. Bäume, Häuser, Autos, Straßen, Wege. Alles neu, alles frisch, alles unschuldig. So fühlt sich die Welt am Montagmorgen an, der sonst eher der Zeitpunkt der Woche ist, an dem das Enthusiasmus-Niveau bei vielen tief hängt. So aber kann die Arbeitswoche gerne losgehen. Wenn der Schnee sein Bestes gibt, kann der Arbeitnehmer es erst recht. Es sei denn, er muss mit dem Auto ins Büro. Oder mit Bus und Bahn, wo aus plötzlich um sich greifender Winterpanik nichts mehr geht. Aber sogar für die Erniedrigten und Beleidigten des zeitgenössischen Berufsverkehrs ist die Stimmung nicht gänzlich verloren: Etwas Helles hält sich. Da wirkt der Schnee wie die Sonne. Bis tagsüber aufgeräumt wird und es am Dienstag auch noch taut. Bis der Schneezauber zertreten und zerfahren ist. Hier und da ist schnell wieder der schwarze Asphalt zu sehen, dort die graue Pflasterung des Bürgersteigs, über allem das Grünbraun der schneelosen Äste. Unter ihnen liegt Matsch, gelblich auf dem Gehweg, braun auf der vielbefahrenen Straße. Wahrlich, es ist angelegt auf das Zertreten des Zarten, wie es in der „Frau ohne Schatten“ von Strauss und Hofmannsthal heißt. Die spielt zwar in milden Gefilden, irgendwo zwischen arabischen, persischen und Goethe-Märchenmotiven, hat aber auch einen harten und klaren Blick. Denn immer geht es schief mit dem Schönen und Heiteren. Eben, vor Tagesanbruch, haben ein paar einsame Tiere ihre Spuren durch die Schneedecke gezogen, hier ein Vogel, dort etwas mit Pfoten. Dann aber kommt der Mensch vorbei, der Alltag hebt an, Stadt und Region setzen sich in Bewegung, alles wird schmutzig. Masse und Matsch. Hoffentlich gibt es bald wieder Schnee.
