FAZ 27.01.2026
16:54 Uhr

Farbe: Lila Laune für das Brot


Kurkuma war gestern. Wer etwas auf sich hält als Bäcker, produziert jetzt schwarze Burger-Buns und Brötchen mit Süßkartoffeleffekt. Ein Trend, der geschmacklich nicht viel bringt.

Farbe: Lila Laune für das Brot

Auf Kindergeburtstagen ist er immer noch sehr beliebt: der Regenbogenkuchen. Schicht um Schicht wird der mit quietschbunter Speisefarbe gefärbte Teig in eine Backform gegeben, später kommt ebenso quietschbunter Zuckerguss auf das Werk. Wenn die Zungen der Kinderschar tüchtig eingefärbt sind, ist der Erfolg besiegelt. Spätestens mit Erreichen des zwölften Lebensjahres allerdings wird das regenbogenschillernde Gebäck so uncool wie pastellfarbene Einhornfiguren. Das geht nun seit Kindergenerationen so. Neu allerdings ist, dass die Liebe zur Farbe im Gebäck mit Macht zurück- kommt – für Erwachsene. Im Namen der Gesundheit, der physischen ein bisschen, der psychischen erst recht. Kaum hat man sich an das etwas aufdringliche Gelb gewöhnt, mit dem das Kurkumabrötchen Einzug in das Sortiment der Kettenbäcker genommen hat, um dort sein segensreiches Wirken als angeblich antioxidatives Kleingebäck zu entfalten, von dem man allerdings gehörige Mengen verzehren müsste, um diesen Effekt zu erzielen, leuchten die Brotauslagen der Bäckereien in allen Farben. Und die Discounter hecheln, wie immer, in Riesenschritten hinterher. Das tiefschwarze Burger-Brötchen, „Bun“ genannt, jedenfalls hat sich rasend schnell ausgebreitet. Was es bewirken soll außer einem Aha-Effekt bei denjenigen, die es noch nicht auf dem Teller hatten, ist allerdings unklar. Der Teig ist mit dunklem Kakao, Sepiatinte oder Kohle gefärbt, zumindest Letztere könnte sogar noch medizinische Wirkung entfalten. Rosa Brötchen und blauer Toast Der Süßkartoffel werden zwar keine so großen Auswirkungen auf den Stoffwechsel angedichtet, dafür aber enorme auf die Seele. Das „Lila Launebrot“ ist mit violetter Süßkartoffelbreimasse angereichert, was dem ganzen Laib eine zartlila Note verleiht und dem Leib dazu verhelfen soll, gut gelaunt den Fährnissen des Alltags zu trotzen. In Zartrosa bis Pink dank Roter Bete gibt es gleich eine ganze Reihe von Gebäckstücken, etwa die rosa „Mohnblume“, hinter der sich zwar nur ein merkwürdig verformtes Mohnbrötchen verbirgt, das Blumenform hatte annehmen sollen, aber egal. Es schmeckt, wie man es seit Jahr und Tag vom Mohnbrötchen kennt – nur eben in Rosa, was erstaunliche Farbharmonien mit wahlweise Johannisbeergelee, Leberwurst oder Kochschinken erzeugen kann. Diese wiederum könnten durchaus kurzfristig zu einer Verbesserung der Allgemeinbefindlichkeit führen, gilt Rosa doch im Allgemeinen als stimmungsaufhellend. Und dann ist da noch das knallblaue Toastbrot, das dank Schmetterlingserbsenextrakt ungefähr so leuchtet wie ein unbekanntes Flugobjekt. Was es kann, bleibt ein Rätsel. Weder verspricht ein besonders lustiger Name gute Stimmung, noch werden der Erbse besondere Kräfte zugeschrieben. Obwohl auch sie, natürlich, Antioxidantien enthält. Im Gegensatz zu Bienen aber fliegen Menschen eher nicht auf blaue Lebensmittel. Blau ist eher ein Warnsignal. In diesem Fall vielleicht davor, von einem Brot mehr zu erwarten, als dass es eben ist, was es ist. Ein Brot.