FAZ 28.01.2026
15:51 Uhr

Fake-News-Vorwurf: Fico will Trump doch nicht „gefährlich“ finden


Der slowakische Regierungschef soll sich nach einem Treffen mit Trump „erschüttert“ über dessen „psychischen Zustand“ gezeigt haben. Fico dementiert den Bericht.

Fake-News-Vorwurf: Fico will Trump doch nicht „gefährlich“ finden

Mit dem Wiederwahl des tschechischen Ministerpräsidenten Andrej Babiš im Herbst sah es so aus, als ob es innerhalb der Europäischen Union abermals heftigeren Gegenwind in vielen Punkten geben würde. Denn gemeinsam mit dem in Ungarn regierenden Viktor Orbán und dem Slowaken Robert Fico hatte Babiš bereits in seiner ersten Amtszeit klare Gegenpositionen zur Brüsseler Mehrheitsmeinung vertreten, allen voran in der Flüchtlingspolitik. Orbán, der um seine Wiederwahl im April bangen muss, schießt sich immer heftiger auf die EU ein und stellt Brüssel als den eigentlichen Kriegstreiber in der Ukraine dar. Babiš und Fico hingegen haben sich auf EU- und NATO-Ebene bislang stets gesprächsbereit und kompromiss­fähig gezeigt. Im Gegensatz zu Babiš meidet der slowakische Ministerpräsident Fico aber nicht die Nähe zum Kreml. Wie Ungarn bezieht die Slowakei weiter Öl und Gas aus Russland, im vergangenen Jahr reiste Fico sogar nach Moskau, um mit Russlands Präsidenten Wladimir Putin der Parade zum Sieg im Großen Vaterländischen Krieg beizuwohnen. Doch über verbale Angriffe innerhalb der EU ging er bislang kaum hinaus. Fico pflegt gute Beziehungen zu Trump Fico legte auch immer Wert auf seine guten Beziehungen zur MAGA-Bewegung Donald Trumps in den Vereinigten Staaten. Vor einem Jahr hatte er in Washington auf der CPAC-Konferenz konservativer Po­litiker und Aktivisten die Friedens­bemühungen des US-Präsidenten für die Ukraine gelobt. Am 17. Januar wurde Fico von Trump in dessen Privatdomizil in Mar-a-Lago empfangen, wo unter anderem die Betei­ligung der amerikanischen Firma Westinghouse am Bau eines neuen Blocks im slowakischen Kernkraftwerks Jaslovské Bohunice beschlossen wurde. Auf einem gemeinsamen Bild ist Trump mit hochgestreckten Daumen zu sehen, während Fico ernst in die Kamera blickt. Anschließend feierte der Slowake die Einladung in einem Video als Zeichen von „hohem Respekt und Vertrauen“ seitens des US-Präsidenten. Am Mittwoch sah sich Fico allerdings gezwungen, einen Bericht des Nachrichtenportals Politico zu dementieren und als „Lüge“ zu bezeichnen. Die Website hatte unter Berufung auf fünf EU-Diplomaten berichtet, dass Fico auf dem informellen EU-Gipfel zur Grönlandkrise am 22. Januar sich im vertraulichen Kreis „erschüttert“ über sein Treffen mit Trump gezeigt habe. Zwei Diplomaten zufolge sei Fico besorgt über dessen „psychischen Zustand“ gewesen und habe das Wort „gefährlich“ gebraucht. Weißes Haus spricht von „Fake News“ Dem Bericht zufolge fanden die Aussagen in einer informellen Runde mit mehreren EU-Regierungschefs und hohen EU-Diplomaten statt. Keine der Quellen von Politico war allerdings selbst bei den Gesprächen anwesend. Dem Portal zufolge seien sie jeweils kurz darauf von den Ohrenzeugen über Ficos Aussagen informiert worden. Fico selbst antwortete dem Bericht zufolge nicht auf Fragen von Politico. Eine Sprecherin des Weißen Hauses nannte ihn „absolut totale Fake News von anonymen europäischen Diplomaten“. Das Treffen in Mar-a-Lago sei positiv und produktiv gewesen. Erst am Mittwoch schoss Fico dann mit einer offiziellen Stellungnahme hinterher, in der er Politico vorwarf, ihm schaden zu wollen, da er die Souveränität seines Landes verteidigen wolle. Er habe auf dem EU-Gipfel mit keinem Staats- oder Regierungschef, nicht einmal informell, über seinen Besuch in Mar-a-Lago gesprochen, heißt es darin. Stattdessen sprach Fico davon, dass es „hartnäckige Versuche“ gegeben habe, seine Reise zu Trump zu verhindern, wie schon im letzten Jahr mit seinem Moskau-Besuch, als ihm EU-Staaten sogar Überflugrechte verweigert hätten. Um seine Unabhängigkeit – auch gegenüber Trump – hervorzuheben, verwies Fico stattdessen auf seine deutliche Kritik an der amerikanischen Militäroperation zur Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro kurz vor seinem USA-Besuch. Er habe aufrichtig erwartet, dass die Einladung nach seiner „scharfen Stellungnahme zu Venezuela“ zurückgenommen werde. Dass das nicht passiert sei, rechne er Trump hoch an. Nun solle diese konstruktive Zusammenarbeit offenbar gestört werden, mutmaßte Fico. Damit spielte er indirekt darauf an, dass er in Brüssel viele Feinde habe. Denn er habe sich dafür eingesetzt, die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas wegen ihrer zu ukrainefreund­lichen Haltung zu ersetzen.