Falls Sie gedacht haben, Weihnachten sei endlich überstanden, kommt hier eine schlechte Nachricht: Weihnachten 2025 ist ungültig und muss wiederholt werden. Es geht nämlich schon damit los, dass wir dieses Fest und alle, die es davor gab, unter völlig falschen Voraussetzungen begangen haben. Oder wussten Sie, dass Jesus Pole war? Wir auch nicht, bis wir neulich vor dem Präsidentenpalast in Warschau vorbeiliefen, vor dem der neue Hausherr Karol Nawrocki einen Stall hat hinzimmern lassen, den wir so bisher auch noch nicht gesehen haben. An der Krippe stand ein hell erleuchteter Weihnachtsbaum, und an der Wand dahinter hing auf rotem Grund: der weiße Adler, das Nationalsymbol Polens. Babylärm stört beim Regieren Angesichts dieser Anordnung waren wir schwer überrascht, fühlten uns aber auch endlich mal gut informiert. Denn Nawrocki ist Historiker, und als solcher muss er es ja wissen. Die Geschichte ist also an dieser Stelle neu zu schreiben: Maria und Joseph fanden im Stall Strom und die Gnade einer nationalen Heimstatt. Unter solchen Umständen gebiert es sich doch gleich viel leichter! Wenn Sie jetzt nach einem prüfenden Blick in Meyers Konversationslexikon einwenden, dass es doch Polen vor zweitausend Jahren noch gar nicht gab, mag das nach vorläufigem Wissen stimmen, aber darauf kommt es nicht an. Entscheidend ist doch: Jesus war zumindest in der Pole Position! Dass der Präsident die ein Obdach suchende Familie jedoch auch 2025 Jahre später noch vor seinem leuchtenden Palast in der Kälte kampieren ließ, mag der räumlichen Enge und dem Babylärm geschuldet sein, der riesig beim Regieren stört. Nicht zu verwechseln ist das mit den Vereinigten Staaten, wo ein Riese lärmend wie ein Baby regiert. Die Welt in 24 Stunden erschaffen Als Donald Trump aus dem Fernsehen von der neu erklärten Herkunft Jesu erfuhr, machte er sofort Urheberrechte an der Bibel geltend. Darüber hinaus fluchte er, weil ein anderer den Auftrag bekommen hatte, die Welt zu erschaffen. Trump, daran besteht kein Zweifel, hätte dafür nicht sieben Tage geworklifebalanced, sondern die Sache in 24 Stunden erledigt. Allein schon dafür wären ihm ein Preis und die Preisung Gottes sicher gewesen. Stattdessen musste er sich neulich eine Friedensmedaille von Gianni Infantino umhängen lassen. Aber man nimmt ja, was man kriegen kann. Im Falle Grönlands hat das auch dieses Weihnachten nicht geklappt, obwohl Trump die Insel ganz oben auf seinen Wunschzettel schreiben ließ. Deshalb unterzeichnete er noch Heiligabend ein Dekret, wonach das Fest zu wiederholen ist. Alle Ersatzgeschenke wie die Umbenennung des Kennedy-Centers in Trump-Kennedy-Center sowie der „Trump-Klasse“ getaufte Bau der größten Schlachtschiffe der Welt und aller, die noch kommen werden, konnten den Präsidenten nicht milde stimmen. Auch nicht die in Aussicht gestellte Neubenennung von Washington D.C. in Trump City, des Landes in United States of Donald (USD) und des ganzen Universums in Donaldium. Die Bundesregierung macht es vor Doch ist es für uns Europäer mal wieder leicht, über den laut Trump härtesten Job der Welt und seinen Inhaber zu lästern, während wir ganz und gar nicht unschuldig am Scheitern des jüngsten Weihnachtsfestes sind. Der Handelsverband Deutschland attestierte uns Verbrauchern jetzt nämlich schlechte Konsumlaune, Kaufzurückhaltung und, schlimmer konnte es kaum kommen, auch noch eine Sparneigung, quasi eine Zollschranke im Kopf. So, und jetzt gehen Sie mal bitte in sich und fragen sich, ob und was Sie persönlich bis zum Festbeginn falsch gemacht haben. Offenkundig fast alles, wenn zwei Drittel der deutschen Händler klagen, dass sie auf ihrer Ware sitzen blieben. Wie bitte soll Deutschland wieder groß werden, wenn Sie zum Fest so kleinlich sind? Jede und jeder ist gefragt! An guten Beispielen mangelt es nicht, die Bundesregierung hat es doch vorgemacht. Einfach mal richtig Kredit ordern, allen erzählen, dass es für die Ausbildung der Kinder und die Modernisierung des Hauses ist – und dann ab in die Innenstadt oder ins Internet und mindestens je zehn Pérignon, Pferde, Porsche kaufen. Und dann den Rest einfach verprassen. So muss Weihnachten sein. In diesem Sinne: Frohes Fest, nun aber richtig!
