FAZ 23.01.2026
15:35 Uhr

FRAKTUR: Trumps Angebot, das man nicht ablehnen kann


Europäische Politiker blicken skeptisch auf den „Friedensrat“. Sie sollten aber froh und dankbar sein, dass Trump sie in Davos nicht einkassierte wie Maduro.

FRAKTUR: Trumps Angebot, das man nicht ablehnen kann

War es nicht wirklich spektakulär, wie die Amerikaner im Handstreich Davos besetzten? Diesmal führte Trump die 300 Mann starke Kommandotruppe sogar höchstpersönlich an. Als die Hubschrauber im Tiefflug durchs Landwassertal preschten, musste man unwillkürlich an die Aktion in Venezuela denken. Und natürlich auch an den Ritt der Walküren, den Trump allerdings immer noch nicht zu seiner Erkennungsmelodie gemacht hat, was uns wirklich wundert. Er müsste ja nach der Landung nicht öffentlich davon sprechen, dass auch er den Geruch von Napalm am Morgen liebe, seit ihm der Friedensnobelpreis abermals verweigert wurde. Erst einmal würde es genügen, wenn er sich einen Cowboyhut aufsetzte und sagte, wie sehr er Strafzölle möge, zu jeder Tageszeit. Leider hatte Trump, weil die Air Force One ein Problem hatte (wahrscheinlich zu viel Gold an Bord), keine Zeit mehr für ein Gespräch mit unserem Kanzler. Das Abendessen mit den Geschäftsleuten war dem Immobilienfachmann natürlich wichtiger als die lästigen Diskussionen mit den anstrengenden europäischen Politikern, die so gar keinen Sinn für das Big Business haben. War aber vielleicht auch besser so, Trump bekommt ja leicht etwas in den falschen Hals. Wir meinen, die europäischen Staatsmänner sollten froh sein, dass Trump sie bei dieser günstigen Gelegenheit nicht alle einkassierte wie Maduro bei der jüngsten amerikanischen Spezialoperation in Caracas. Gründe dafür, dass er sie aus Gründen der nationalen Sicherheit nach Alligator Alcatraz bringen müsse, findet ein phantasiebegabter Mann wie Trump ja ganz leicht. Macron sah aus wie ein Mafioso Macron zum Beispiel sah mit seiner Brille ja schon aus wie ein Mafioso. Außerdem soll er doch schon einmal im Zug nach Kiew mit Koks erwischt worden sein. Wenn es um Drogendeals geht, kennt Trump keine Freunde mehr, nicht einmal die, die er sonst so gerne nachäfft. Und Macron hat er jetzt ja wirklich auf dem Kieker, wie die 200 Prozent Strafzölle auf den Schampus zeigen. Trump tut sich da leicht, er ist Abstinenzler. Ganz knapp der Einkassierung entgangen sein dürfte auch der kanadische Premierminister, dem Trump drohte, er solle beim nächsten Mal bloß aufpassen, was er sage. Wir verstehen gar nicht die Aufregung, die es danach gab. Das kommt eben davon, wenn man dem Paten nicht die Ehre erweist, die er verdient. Das hätten auch die anderen Staatsmänner bedenken sollen, die Trumps neuem exklusiven Club namens „Board of Peace“ nicht sofort beitraten, obwohl er ihnen ein Angebot gemacht hatte, das man nicht ablehnen kann. Orbán kennt sich da aus. Außerdem wird die Milliarde erst nach drei Jahren fällig. Putin geht nie in Pension Zwar ist noch nicht ganz klar, an wen dann die Knete überwiesen werden soll, doch wäre es nur recht und billig, wenn sie direkt an den Erfinder und Gründer des „Friedensrates“ ginge, der ja auch die Last des Vorsitzes auf sich genommen hat, sogar bis an sein Lebensende. Es wäre schließlich eine unglaubliche Verschwendung eines einzigartigen Talents, wenn Trump nach seiner Pensionierung als Präsident nur noch Streitereien auf dem Golfplatz von Mar-a-Lago schlichten dürfte. Putin hat es da besser, der wird nie pensioniert und kann daher bis zu seinem Tod in seiner Einflusssphäre mit seinen Friedenstruppen für Ruhe und Ordnung sorgen. Aber auch Trump hat ja noch drei Jahre bis zur Rente. In denen könnte er mindestens 24 Kriege beenden, wenn man seine bisherige persönliche Erfolgsquote hochrechnet. Und nun steht ihm mit dem „Friedensrat“ ja auch noch eine schlagkräftige Organisation zur Verfügung mit namhaften Mitstreitern. Das einzige Problem, das wir noch sehen, ist, dass es nicht mehr genügend Kriege gibt, die Trump beenden könnte. Damit ihm der Mangel daran nicht seine Erfolgsbilanz versaut, müsste er vielleicht noch schnell selbst ein paar anfangen. Das sollte aber kein Pro­blem sein, schließlich hat er ja schon das Verteidigungsministerium in Kriegsministerium umbenennen lassen. Und mit der Gründung eines „Board of War“ müsste er ja nicht bis zu seiner nächsten Luftlandeoperation in Davos warten.