Illustration: Felipe Gonzalez Schneller Schlau Erst Lebkuchen, dann Fitnessstudio Von CAROLINE BECKER, Grafiken: CAROLINE BECKER, Datenrecherche: MATTHIAS JANSON (Statista) 29. Dezember 2025 · „Mehr Sport treiben“ ist einer der beliebtesten Neujahrsvorsätze. Wo und wie sich die Deutschen wirklich fit halten. Eben noch stapelten sich Lebkuchen, Kekse und Schokoweihnachtsmänner in den Regalen der Supermärkte, knallen bald schon die Sektkorken. Kaum hat dann das neue Jahr begonnen, googeln viele Deutschen fleißig die Begriffe „Fitnessstudio“ oder „Yoga“ und schließen mitunter gleich Mitgliedschaften in Studios ab. Auch in den Regalen der Discounter und Sportgeschäfte liegen oft schon die nötigen Outfits und Gadgets für die Umsetzung der obligatorischen Neujahrsvorsätze bereit. Je nach Umfrage nahmen sich zwischen 40 und 60 Prozent der Deutschen für das Jahr 2025 vor, mehr Sport zu treiben. Damit ist „Sport“ beziehungsweise „Fitness“ einer der beliebtesten Neujahrsvorsätze. Und was wird gewöhnlich daraus? Laut der Allensbacher Markt- und Werbeträgeranalyse gingen 2025 etwa 8,7 Millionen Menschen in Deutschland regelmäßig ins Fitnessstudio, 12,5 Millionen ab und zu. Damit blieb die Zahl der Fitnessstudiobesucher im Vergleich zu den vergangenen Jahren relativ konstant. 55 Prozent der Fitnessstudionutzer sind männlich, 45 Prozent weiblich. Der Großteil der Fitnessstudionutzer ist zudem unter 40 Jahre alt. Menschen über siebzig sind nur selten im Fitnessstudio anzutreffen. Das könnte unter anderem daran liegen, dass beim Krafttraining gilt: je älter, desto seltener. Laut einer Umfrage aus dem Mai 2025 üben drei Viertel der Befragten ab 55 Jahren gar kein Krafttraining aus. Dabei ist Krafttraining gerade für ältere Menschen sinnvoll, da es vor altersbedingtem Muskelschwund (Sarkopenie) schützt und typische Altersbeschwerden etwa im Rücken vorbeugen kann. Durchschnittlich zahlten Fitnessstudiomitglieder in Deutschland 2024 knapp 47 Euro pro Monat. Seit 2020 sind die Gebühren für Fitnessstudios um circa 12 Prozent gestiegen. Der Umsatz der Fitnessbranche erreichte 2024 wieder Vor-Corona-Niveau. Während die Gesamtzahl der Fitnessstudios seit 2019 gesunken ist, ist die Zahl der Kettenanlagen gestiegen. Ketten seien wirtschaftlich resilienter und profitierten von Skaleneffekten, also Kostenvorteilen bei steigender Größe, so ein Sprecher der RSG Group, zu der unter anderem die Marke McFit gehört. Darüber hinaus böten Ketten mehr Flexibilität, da Mitglieder europaweit in Studios der Marke trainieren könnten. Das scheint zu überzeugen: Im Vergleich zu 2019 hatten Fitnessstudio-Ketten 2024 knapp eine Million mehr Mitglieder. Die größte Europas ist mit um die 4,2 Millionen Mitgliedern Basic Fit. Danach folgen Pure Gym und die RSG Group. In Deutschland hatte die RSG Group (McFit) zum Ende des Jahres 2024 geschätzt rund 1,4 Millionen Mitglieder und lag damit deutlich vor FitX und Clever Fit. Gleichzeitig hatte Clever Fit jedoch mit um die 450 Standorten die meisten Fitnessanlagen in Deutschland. Zwölf Jahre zuvor hatte die Kette gerade ihr hundertstes Studio eröffnet. Seitdem expandierte das Unternehmen stark – neben Österreich und der Schweiz seit einigen Jahren auch nach Osteuropa und Italien. „Die wichtigsten Faktoren bei der Entscheidung für ein Fitnessstudio sind die Verfügbarkeit und die Lage“, sagt Pierre Geisensetter, Marketingverantwortlicher von Clever Fit. „Lässt sich das Training unkompliziert in meinen Alltag integrieren? Das ist die Frage, die sich potentielle Neumitglieder stellen. Hier können Kettenbetriebe klar punkten.“ Aber nicht jeder trainiert gerne im Fitnessstudio, kann oder will sich die Mitgliedsbeiträge leisten. Um die 50 Millionen Personen in Deutschland haben 2025 kein Fitnessstudio von innen gesehen. Muss man auch nicht zwingend, schließlich gibt es unter anderem viele kostenlose Workout- oder Yogatutorials auf den diversen Videoplattformen. Die Liste der reichweitenstärksten Fitness-Influencern auf Youtube und Instagram wird in Deutschland von Frauen wie Pamela Reif (insgesamt 19,1 Millionen Follower) und Mady Morrison (insgesamt 5 Millionen Follower) mit angeführt. Beide veröffentlichen auf Youtube Workout-Videos zum Mitmachen, die millionenfach angesehen werden. Gerade Frauen trainieren laut einer Befragung am liebsten zu Hause. Gleich danach kam unter den Befragten der Ort „Draußen“. Bei Männern war es umgekehrt. Die befragten Männer trainierten in absteigender Reihenfolge am liebsten draußen, zu Hause und im Fitnessstudio. Besonders verlockend für viele beim Sport daheim: Flexibilität, weniger Zeitaufwand und keiner schaut einem zu. Auch ein geringes Ansteckungsrisiko und der Faktor Kosten wurden in einer Online-Umfrage der Krankenkasse Pronova BKK positiv hervorgehoben. Neben dem Kauf einer Siebträgermaschine und Sauerteigstarter im Schrank sind der Besitz eines Rennrads und die Teilnahme an einem Marathon laut vieler Memes und Videos in den Sozialen Medien eindeutige Anzeichen für eine sogenannte Quarterlife-Crisis. Und tatsächlich sind Joggen und Rennradfahren insbesondere unter den 20- bis 40-Jährigen sehr beliebt. Unter den zwanzig bis Ende Zwanzigjährigen fuhren 2025 rund 1,1 Millionen Personen häufig oder ab und zu Rennrad. In der selben Altersgruppe gingen zudem 4,5 Millionen Personen häufig oder ab und zu Joggen, Wald- oder Geländelaufen. Inwieweit das kausal mit dem statistisch schwer zu erfassenden Auftreten einer Quarterlife-Crisis zusammenhängt, ist jedoch unklar. Der Markt für Fitness- und Aktivitätstracker wächst in jedem Fall zeitgleich zum Jogging- und Marathonboom. Fast jeder Zehnte in Deutschland nutzt Schätzungen zufolge einen Fitness- oder Aktivitätstracker. 2020 waren es noch halb so viele. Die beliebteste Marke ist Fitbit mit einem Marktanteil von 33 Prozent (Stand März 2024), weit vor Garmin und Polar. Inwieweit Tracker beim Einhalten von Neujahrsvorsätzen helfen, hängt von der Person ab. Manche empfinden das Tracking als Stress, anderen helfen die vergleichbaren Daten und der Wettbewerb dabei, ihren inneren Schweinehund zu überwinden. Gleiches gilt wohl für die neu abgeschlossenen Fitnessstudiomitgliedschaften zum Jahresbeginn: Für die einen sind sie der richtige Antrieb, andere investieren das Geld vielleicht doch besser in einen Sparplan. Schneller Schlau Ist die Zeit der günstigen Lebensmittel vorbei? Schneller Schlau Wie Friedrich Merz Staatsanleihen mehr Aufmerksamkeit beschert Schneller schlau Nachrichten und Hintergründe, grafisch erklärt. Alle Beiträge
