FAZ 08.01.2026
06:01 Uhr

F.A.Z. Frühdenker: Welche Konsequenzen folgen nach dem Blackout in Berlin?


Die US-Pläne zur Steuerung des Ölverkaufs aus Venezuela schreiten voran. Nach dem Berliner Blackout beginnt die Aufarbeitung. Und: Das Winterwetter bremst die Bahn aus. Der F.A.Z. Frühdenker.

F.A.Z. Frühdenker: Welche Konsequenzen folgen nach dem Blackout in Berlin?

1. Trump will Ölverkauf aus Venezuela steuern Die US-Regierung will „auf unbestimmte Zeit“ den Verkauf des venezolanischen Öls kontrollieren. Dafür lockert sie Sanktionen. Ölverkauf: „Wir werden das aus Venezuela stammende Rohöl vermarkten, zunächst das gelagerte Öl, und dann werden wir auf unbestimmte Zeit die Produktion aus Venezuela auf dem Markt verkaufen“, kündigte US-Energieministers Chris Wright am Mittwoch an. US-Präsident Donald Trump hatte bereits angekündigt, Venezuela werde zwischen 30 und 50 Millionen Barrel an sanktioniertem Öl an die USA liefern. Trump schrieb zudem am Mittwoch auf seiner Plattform „Truth Social“: Venezuela werde mit den Einnahmen „aus unserem neuen Ölgeschäft AUSSCHLIESSLICH in den USA hergestellte Produkte kaufen“, unter anderem landwirtschaftliche Produkte, medizinische Ausstattung sowie Ausrüstung für die Modernisierung der venezolanischen Energiewirtschaft. Es handele sich um eine „weise Entscheidung“. Sanktionen: Um den Transport und Verkauf von Rohöl und Ölprodukten des Landes auf den Weltmärkten zu ermöglichen, lockern die USA gezielt Sanktionen gegen Venezuela. Hierfür stimme man sich mit den weltweit führenden Rohstoffhändlern und wichtigen Banken ab, hieß es aus dem US-Energieministerium. Alle Erlöse sollen zunächst auf Konten unter US-Kontrolle bei international anerkannten Banken fließen. Die USA gaben am Mittwoch die Beschlagnahmung von zwei Öltankern bekannt, die mit Venezuela in Verbindung stehen sollen. Die Bella 1, die unter russischer Flagge gefahren sein soll, sei wegen Verstößen gegen US-Sanktionen im Nordatlantik beschlagnahmt worden. Manager-Treffen: Zudem bestätigte das Weiße Haus, dass es am Freitag ein Treffen mit US-Öl-Managern geben soll. Dabei solle es um Möglichkeiten für Investitionen in Venezuela gehen, teilt das Weiße Haus mit. US-Präsident Donald Trump will, dass US-Ölkonzerne nach dem Sturz von Staatschef Nicolas Maduro in das südamerikanische Land zurückkehren. Mehr zum Thema 2. USA kündigen Gespräch mit Dänen über Grönland an Der US-Präsident will schon lange nach Grönland greifen, das offiziell zum Königreich Dänemark gehört. Nach neuen Drohungen soll es nun ein Treffen geben. Warnung: Nachdem neue Drohungen aus dem Weißen Haus Grönland zu neuen Sorgen veranlasst hat, signalisieren die USA Gesprächsbereitschaft: US-Außenminister Marco Rubio kündigte am Mittwochabend ein Treffen mit Vertretern Dänemarks an, um über Grönland zu sprechen. Auf eine Frage, ob damit ein militärisches Vorgehen vom Tisch sei, wollte er sich vor Journalisten nicht äußern. Wo und wann genau das Treffen stattfinden soll, ist noch nicht bekannt. Dänemark und Grönland hatten um ein Gespräch mit dem US-Außenminister gebeten. Die Regierung Grönlands nimmt nach eigenen Angaben an den Gesprächen teil. Militäreinsatz: Den Grund zur neuen Sorge hatte Trumps Sprecherin Karoline Leavitt geliefert. Der Präsident habe deutlich gemacht, dass der „Erwerb“ Grönlands Vorrang für die nationale Sicherheit der Vereinigten Staaten habe, sagte Leavitt am Dienstag. Man diskutiere deshalb über eine „Reihe von Optionen“. Der Einsatz des Militärs sei „selbstverständlich“ eine Möglichkeit. Trump begründet seine Besitzansprüche unter anderem damit, dass entlang der grönländischen Küste viele russische und chinesische Schiffe unterwegs seien. Dänische Sicherheitsfachleute sehen diese verstärkten Aktivitäten hingegen nicht. Verteidigungsfähigkeit: Dänemark ist nach Einschätzung dänischer Sicherheitsfachleute nicht in der Lage, die Insel, die fünfmal so groß ist wie Deutschland, zu verteidigen. Deutschland, Frankreich, Italien, Polen, Spanien, Großbritannien und Dänemark sowie die nordischen Länder hatten sich am Dienstag mit Grönland solidarisiert. Mehr zum Thema 3. Berliner Blackout: Aufarbeitung beginnt Die Berliner im Blackout-Gebiet atmen auf, sie haben endlich wieder Strom. Die Schulen bleiben allerdings noch bis Montag geschlossen. An der Krisenbewältigung gibt es Kritik. Unterrichtung: Warum war das Stromnetz in Berlin so verwundbar, wie kann kritische Infrastruktur besser geschützt werden und was ist bisher zum Brandanschlag bekannt? Noch vor Beginn der ersten Sitzungswoche beschäftigen sich Obleute der Fraktionen im Innenausschuss sowie weitere Ausschussmitglieder mit dem Anschlag auf das Stromnetz, der Teile Berlins bei eisigen Temperaturen tagelang lahmlegte. Die Abgeordneten lassen sich vom Bundesinnenministerium über den Stand der Dinge unterrichten, wie es aus der Grünen-Fraktion hieß. Kritik: Als Konsequenz aus dem längsten Stromausfall in der Nachkriegsgeschichte in der Hauptstadt hat der Berliner Senat angekündigt, künftig neuralgische Punkte stärker per Video überwachen zu lassen. Das Rote Kreuz, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und weitere Akteure forderten eine bessere Vorbereitung auf Krisenfälle. Deutliche Kritik kommt auch von Manuel Atug, Fachmann für kritische Infrastruktur. Er bemängelt gegenüber der F.A.Z., dass aus vergangenen Vorfällen nichts gelernt worden sei. „Unsere kritische Infrastruktur ist nicht resilient, aber wir sind resilient beim Nichtverbessern des Bevölkerungsschutzes.“ Kritik gibt es auch am Berliner Regierenden Bürgermeister Kai Wegner: Wie er am Mittwoch erklärte, war er am Samstag zu Beginn des Stromausfalls zwichenzeitlich Tennis spielen. Ermittlungen: Die Bundesanwaltschaft hat mittlerweile die Ermittlungen übernommen. Die sogenannten „Vulkangruppen“, die sich zu dem Anschlag in einem als authentisch eingestuften Schreiben bekannten, sind den Ermittlern seit längerem bekannt. Aus ihrer Sicht besteht der Verdacht auf verfassungsfeindliche Sabotage, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe. Mehr zum Thema 4. So kommt Bahnchefin Palla nach 100 Tagen im Amt an Evelyn Palla leitet seit Oktober die Bahn. Aus der Branche gibt es lobende Worte. Stabilisierung: Es gibt weiterhin viel zu tun bei der Bahn: Das letzte Quartal des vergangenen Jahres war im Fernverkehr das unpünktlichste des ganzen Jahres. Palla bekräftigt: „2026 wird das Jahr des Umbaus.“ Bevor das überalterte, überlastete Netz nach jahrelanger Arbeit saniert sei, gehe es nun erst einmal darum, die Pünktlichkeit zu stabilisieren und die Talsohle zu erreichen. Sofortprogramme für mehr Sauberkeit und Sicherheit in Zügen und an Bahnhöfen sowie für bessere Kundeninformationen sollen kurzfristig Besserung bringen. Wie diese im Detail aussehen sollen, ist noch offen. Entschlossenheit: Palla kommt mit ihrem Kurs in der Branche gut an. Sie habe gezeigt, „dass sie keine Zeit verliert bei der Neuaufstellung des Konzerns“, teilte der Geschäftsführer des Interessenverbands Allianz pro Schiene, Dirk Flege, mit. Mit der Stärkung der Qualität und der Verlagerung von Kompetenzen in die Fläche habe Palla richtige Schwerpunkte gesetzt, lobt Cosima Ingenschay, stellvertrende Vorsitzende der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG). Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagte: „Sie ist die ersten Schritte meiner Agenda für zufriedene Kunden auf der Schiene entschlossen angegangen.“ Tarifverhandlungen: Bei der Bahn stehen von heute an die ersten Tarifgespräche ohne den früheren GDL-Chef Claus Weselsky an. Der neue Verhandlungsführer ist Mario Reiß. Ob er ebenso kämpferisch auftreten wird wie sein Vorgänger? Die GDL fordert unter anderem bis zu 8 Prozent mehr Geld. Warnstreiks sind bis einschließlich Februar nicht möglich. Mehr zum Thema 5. Merz reist zur CSU-Klausur in Seeon Der erste große öffentliche Auftritt im Inland in diesem Jahr führt den Kanzler heute ins Kloster Seeon. Erster Besuch: Zum Abschluss der dreitägigen Klausurtagung der CSU-Bundestagsabgeordneten wird Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) an den Beratungen teilnehmen. Für Merz ist es der erste Besuch in Seeon nach seiner Wahl zum Regierungschef. Bereits vor Beginn der Klausurtagung waren verschiedene Beschlussvorlagen bekannt geworden, etwa die Forderung nach einer Abschiebung der meisten syrischen Flüchtlinge. „Kritische Lage“: Im neuen Jahr steht für die Unionsparteien weiter die Wirtschaft ganz oben auf der Prioritätenliste. Alle bisherigen Entscheidungen hätten die Wettbewerbsfähigkeit nicht ausreichend verbessert, schrieb Merz Anfang Januar an die Koalitionsfraktionen. Die Lage sei „in einigen Bereichen sehr kritisch“. Knackpunkt Steuerreform: Zwischen Union und SPD bahnt sich derweil neuer Streit an: Um die Wirtschaft anzukurbeln, wollen CDU und CSU eine Senkung von Unternehmensteuern vorziehen. Die SPD plant höhere Abgaben auf große Erbschaften. Die CSU will hingegen Freibeträge bei der Erbschaftsteuer deutlich anheben und die Steuer regionalisieren, heißt es im Positionspapier, das heute beschlossen werden soll. Mehr zum Thema Politik: Putins Tauschphantasien Feuilleton: Angst vor der Apokalypse – Wir kommen nicht davon Finanzen: Wie Sie Ihr Geld in diesem Jahr anlegen sollten Gesellschaft: Fünf Lichtblicke für die erste Zeit mit Kind Wie viel verdienen die Deutschen? Testen Sie Ihr Wissen in unserem News-Quiz! Podcast für Deutschland: Ex-US-General Hodges: „Europa könnte Truppen nach Grönland schicken“ 6. „Ein echter Wetterkrimi“ – Bahn warnt vor Einschränkungen In der Nacht zum Freitag zieht das Sturmtief Elli auf direktem Weg nach Mitteleuropa und bringt Schnee und Glatteis. Bei der Deutschen Bahn gibt es bereits ab heute deutlich Einschränkungen. Neuschnee: „Sturmtief Elli übernimmt die Regie in einem echten Wetterkrimi“, kündigt Adrian Leyser Sturm vom Deutschen Wetterdienst an. Im Streifen von der Nordsee bis in den Osten hinein könnten am Freitag verbreitet um die zehn oder regional bis zu zwanzig Zentimeter Neuschnee zusammenkommen. Im Süden und Westen warnt der DWD vor gefrierendem Regen und Glatteis. Zugbindung aufgehoben: Die Deutsche Bahn drosselt bereits ab heute vorsorglich die Geschwindigkeit von Fernzügen auf einigen Schnellfahrstrecken. Zwischen Wolfsburg und Berlin, Hannover und Würzburg sowie Frankfurt und Köln müssen Fahrgäste mit Verspätungen rechnen. Wer sich bereits ein Ticket für Donnerstag, Freitag oder Samstag gekauft hat, kann dies laut Bahn auch an einem späteren Tag verwenden. Die Zugbindung sei aufgehoben. Tipp für Radfahrer: Wer sich auch auf glatten Straßen aufs Rad wagt, dem rät der ADFC, etwas Luft aus den Reifen zu lassen. Bei Glätte sorge geringerer Luftdruck im Reifen für mehr Haftung. Wenn Radwege nicht geräumt seien, sei es häufig sicherer, auf die Fahrbahn auszuweichen. Generell gelte: lieber etwas langsamer fahren. 7. So aufwendig wird Schloss Bellevue saniert Diese Woche ist Frank-Walter Steinmeier 70 geworden. Schon wirft das nächste große Ereignis seine Schatten voraus: Der Bundespräsident muss im Frühjahr mit seinem Büro umziehen. Mängelliste: Schloss Bellevue und das Bundespräsidialamt müssen grundlegend saniert werden. Die Liste der Mängel ist lang: So ist etwa das Dach undicht, die Fenster sind nicht einbruchs- und schusssicher, alle technischen Anlagen wie etwa Lüftung, Sanitär, Beleuchtung, Informations- und Medientechnik und Trinkwasserversorgung, sollen erneuert werden. Im Bundespräsidialamt muss vor allem beim Brandschutz nachgebessert werden. Ausweichquartier: lm März sollen der Bundespräsident und seine 220 Mitarbeiter aus ihren Büros in dem 1785 errichteten Bau ausziehen. Das Ausweichquartier in der Nähe von Kanzleramt steht bereits. Kosten: 205 Millionen Euro. Später sollen dort Bundesbehörden einziehen. Wie lange die Sanierung des Schlosses dauern wird, ist offen: „Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) ermittelt derzeit den Zeit- und Kostenrahmen der Baumaßnahmen“, heißt es auf der Seite des Bundespräsidenten. Umzug: 900 Umzugskartons soll das beauftragte Umzugsunternehmen bereitstellen. Unter anderem müssen 400 laufende Meter Akten in Hängeregistern und 50 laufende Meter Akten in Stehordnern transportiert werden, wie aus der Ausschreibung hervorgeht. Die Liste des Geschirrs umfasst zum Beispiel 643 Kuchenteller, 409 Speiseteller und 311 Brotteller. Hinzu kommen Orden, Ehrenzeichen, Möbel und der gesamte Weinkeller. Die Nacht in Kürze Bei einem Einsatz der US-Einwanderungsbehörde ICE in Minneapolis fallen Schüsse, eine Frau wird getötet. Die Regierung spricht von Selbstverteidigung - der örtliche Bürgermeister sieht das anders. Die US-Regierung findet, dass sich die Vereinigten Staaten über Gebühr in internationalen Organisationen engagieren. Trump ordnet einen Rückzug aus zahlreichen Organisationen an. Der FC Barcelona schlägt Athletic Bilbao deutlich und zieht in Saudi-Arabien ins Supercopa-Finale ein. Auch ohne Stars wie Robert Lewandowski und Lamine Yamal dominieren die Katalanen das Spiel.