Herr Alter, Sie sind pensionierter Feuerwehrbeamter und Sachverständiger für vorbeugenden Brandschutz. Sie arbeiten in dem familieneigenen Brandschutzservice Ignis Protect GmbH. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft vom Freitag wurde der Brand durch Sprühfontänen auf Champagnerflaschen ausgelöst. Die Kantonsregierung des Wallis schrieb in einer Mitteilung von einem „Flashover“ in der Bar. Was ist das? Ein Flashover ist eine Rauchgasdurchzündung. Das bedeutet, die Rauchgase sind so hochtemperiert, dass das darin gebundene Kohlenmonoxid dann schlagartig durchzündet, wenn Sauerstoff dazukommt. Der komplette Rauch fängt schlagartig an zu brennen. Und wenn er extrem temperiert war, brennt auch die komplette Inneneinrichtung. In den vergangenen Jahren kam es weltweit mehrfach zu verheerenden Bränden in Clubs und Lokalen mit zahlreichen Todesopfern wie jetzt in der Schweiz. Könnte es auch in Deutschland zu einem solchen Brand kommen? In meiner beruflichen Laufbahn habe ich sogar schon einen Flashover mitgemacht – das ist aber auch für die Feuerwehr sehr selten. Grundsätzlich kann sich ein Brand in einem Gebäude heute höher temperieren, weil zwei- oder dreifach verglaste Fenster bei Feuer länger halten als die früher üblichen, einfach verglasten Fenster. Heute haben wir dafür eine Brandfrüherkennung. In der Theorie kann ein solcher Brand aber überall passieren. Häufig geraten die Decke oder die Inneneinrichtung in Brand: Welche Brandschutzvorrichtungen sollen das verhindern? Die Hitze steigt nach oben und sammelt sich unter der Decke. Deshalb entzündet sich die Deckenverkleidung schneller. Die geltenden Vorschriften haben sich hierzulande immer weiterentwickelt. In Deutschland würde eine Veranstaltung mit der entsprechenden Teilnehmerzahl unter die Versammlungsstättenverordnung fallen. Sie regelt etwa, wie breit und wie lang die Rettungswege sind – ob es Wandhydranten, Löschanlagen oder eine Brandmeldeanlage geben muss und welche Materialien eingesetzt werden müssen. Welche Brandschutzvorrichtungen helfen in Clubs und Diskotheken? Es hilft die Brandfrüherkennung mit frühzeitiger Alarmierung. Das kann man sich in der Disco so vorstellen, dass bei Auslösung eines Rauchmelders einer Brandfrüherkennungseinrichtung gleichzeitig ein akustischer Alarm ertönt. Durch die Anbindung der Musikanlage wird diese runtergefahren, damit man das Alarmsignal auch hört. Wichtig ist, dass die Betreiber solcher Lokalitäten auf die Rettungswege achten. Sie dürfen nicht zugestellt sein. Zudem müssen die Notausgänge immer aufgeschlossen sein oder einen Panikverschlag haben: Das heißt, die Tür funktioniert im abgeschlossenen Zustand immer noch als Fluchtweg, weil der Türdrücker dann diese Schließung aufhebt. Welche Sicherheitsmaßnahmen sind bei Champagnerfontänen, also Wunderkerzen auf den Flaschen, entscheidend? Wunderkerzen an sich sind nicht sonderlich gefährlich, wenn man richtig mit ihnen umgeht. Der Nutzer muss schauen, was sich im näheren Umfeld der Wunderkerzen oder des Tischfeuerwerks befindet. Brennbares Material muss aus dem Gefahrenradius entfernt werden. Wunderkerzen und Tischfeuerwerke müssen stets beaufsichtigt werden.
