FAZ 28.01.2026
17:21 Uhr

Ex-Senator in Frankreich: Er verabreichte seinem Opfer Drogen, um es zu vergewaltigen


Der Politiker Joël Guerriau muss vier Jahre in Haft, weil er eine Abgeordnete betäubte, um sie zu vergewaltigen. Die Frau zeigt sich nach dem Urteil erleichtert: „Man hat mir geglaubt.“

Ex-Senator in Frankreich: Er verabreichte seinem Opfer Drogen, um es zu vergewaltigen

Ein früherer französischer Senator ist vor dem Pariser Strafgericht schuldig befunden worden, einer befreundeten Abgeordneten heimlich Ecstasy in den Champagner geschüttet zu haben, um sie anschließend zu vergewaltigen. Der 68 Jahre alte Politiker Joël Guerriau von der Regierungspartei Modem wurde wegen des heimlichen Verabreichens von Betäubungsmitteln mit dem Ziel, ein Sexualdelikt zu begehen, zu vier Jahren Haft verurteilt. Die Abgeordnete Sandrine Josse äußerte sich am Mittwoch erleichtert über das Ur­teil: „Man hat mir geglaubt.“ Guerriau kündigte an, in Berufung zu gehen. Der Straftatbestand der sogenannten chemischen Unterwerfung wurde 2018 in Frankreich eingeführt. Die Höchststrafe dafür liegt bei fünf Jahren Haft und 75.000 Euro Geldstrafe. Als Senator stimmte Guerriau der Gesetzesänderung zu, woran ihn der Staatsanwalt im Prozess erinnerte. In Deutschland gibt es kein eigenes Gesetz zum Einsatz von K.-o.-Tropfen. Vorfälle dieser Art werden meist mit dem Straftatbestand der gefährlichen Körperverletzung geahndet. Der Frau gelang die Flucht Guerriau verteidigte sich und sagte, der Vorfall sei „ein Versehen“ gewesen. Das Strafgericht kam hingegen zu dem Schluss, dass der Akt vorbereitet und geplant gewesen sei. Guerriau hatte Josso im November 2023 in seine Wohnung eingeladen, um auf seine Wiederwahl anzustoßen. Josso berichtete, dass ihr Gastgeber sie mehrfach aufforderte, mit ihm zu trinken. Nach dem Glas Champagner sei ihr übel geworden. Sie floh aus der Wohnung und er­stattete Anzeige. In ihrem Blut wurde eine hohe Dosis Ecstasy nach­gewiesen. Guerriau begründete den Ecstasy-Kauf mit dem Tod seiner Katze, der ihn deprimiert habe. Guer­riau blieb nach Bekanntwerden der Affäre noch bis Oktober 2025 Senator.