Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) sieht sich zu finanziellen Einschnitten gezwungen und will daher die Zuwendungsvereinbarung für den Evangelischen Presseverband in Bayern zum Jahresende kündigen. Unter dem Dach des Presseverbands hat die Landeskirche das bayerische „Sonntagsblatt“ als Organ der ehemals weitverbreiteten Kirchengebietspresse, den bayerischen Zweig der kirchlichen Nachrichtenagentur Evangelischer Pressedienst (epd) sowie ihre Rundfunk- und Fernsehagenturen gebündelt, die private Medien mit Beiträgen zu religiösen Themen versorgen. Hintergrund der Entscheidung ist der Spardruck, der mittlerweile auch auf überdurchschnittlich wohlhabenden Kirchen wie der bayerischen mit ihren etwa zwei Millionen Mitgliedern lastet. Eine Sprecherin der Landeskirche beziffert das Einsparvolumen auf 40 Prozent bis 2035. Der Presseverband kritisiert die Kündigung und wirft der Landeskirche vor, die Zukunft von rund 50 Mitarbeitern aufs Spiel zu setzen. Die Folgen könnten über Bayern hinausreichen Die Landeskirche hatte ihre Kommunikation inklusive des Presseverbands erst 2024 neu sortiert und in einem „Campus Kommunikation“ zusammengeführt. Dies ging mit einer zunehmenden Nähe zwischen kirchlicher PR und redaktioneller Arbeit einher, auf deren Trennung man in der evangelischen Publizistik lange Zeit hohen Wert legte. Nach der Zusammenlegung soll es intern zwischen den verschiedenen Sichtweisen als auch über die erbrachten Leistungen zu „Hakeleien“ gekommen sein. Die Härte des Konflikts lässt sich auch daran ablesen, dass die Landeskirche mit den Kürzungsplänen an die Öffentlichkeit ging, ohne zuvor ein Einvernehmen mit dem Presseverband hergestellt zu haben. Der Vorgang wird in der gesamten kirchlichen Publizistik aufmerksam verfolgt, weil seine Folgen über Bayern hinausreichen könnten. So versucht die Kirchengebietspresse schon seit geraumer Zeit, der Erosion ihrer Leserschaft durch stärkere Kooperation entgegenzutreten, aus der aber nun mit Bayern ein bedeutender Teil herausfallen dürfte. Noch stärker stellt sich dieses Problem für den epd dar, der aus einer Zentralredaktion in Frankfurt besteht, die von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) finanziert wird, sowie aus regionalen Diensten, die von den jeweiligen Landeskirchen bezahlt werden. Die bayerische Landeskirche hebt hervor, dass sie am epd als unabhängiger Nachrichtenagentur festhalte, lässt aber offen, in welchem Umfang. Die Landeskirche hatte ihren Entschluss zur Kündigung nach Informationen der F.A.Z. auch allenfalls rudimentär innerhalb der EKD abgestimmt.
