FAZ 27.01.2026
18:58 Uhr

Europatour: Frederiksen wirbt um Rückhalt in der Grönland-Krise


Bei einem Besuch in Berlin macht die dänische Ministerpräsidentin klar, wo ihre roten Linien sind. Die Krise um Grönland sei noch nicht vorbei, sagt sie.

Europatour: Frederiksen wirbt um Rückhalt in der Grönland-Krise

Die dänische Ministerpräsidentin ist sehr deutlich. Als Mette Frederiksen am Dienstag in den Nordischen Botschaften in Berlin gefragt wird, ob nach dem Gespräch zwischen NATO-Generalsekretär Mark Rutte und dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump sowie der Einigung auf ein „Rahmenwerk“ die Krise um Grönland vorbei ist, sagte sie: „Nein, natürlich nicht.“ Auf die Frage, was nach den Gesprächen in Davos anders sei als davor, ergänzte sie, man habe jetzt einen „mehr traditionellen Weg“, dem man folgen könne, um eine diplomatische Lösung zu finden – und zudem eine klare Unterstützung der NATO, künftig in der Arktik präsenter zu sein. Wie es auf diesem stärker traditionellen Weg in den Verhandlungen mit Washington weitergehen soll, stand im Zentrum eines weiteren Termins der Ministerpräsidentin in Berlin: eines Gesprächs mit Bundeskanzler Friedrich Merz. Dass die Grönland-Krise nicht vorbei ist, liegt schon daran, dass unklar ist, was in Davos konkret in Aussicht gestellt wurde – und was sich jetzt tatsächlich zwischen Washington, Grönland und Dänemark vereinbaren lässt. Im Kern geht es um die Frage, ob die Vereinigten Staaten künftig eigene Militärbasen auf Grönland – auch mit Blick auf den Aufbau der Golden-Dome-Raketenabwehr – wirklich besitzen dürfen, ähnlich dem Zypern-Modell mit britischen Streitkräften. Ebenso offen ist, wie sichergestellt werden kann, dass die Amerikaner auch künftig nicht zum Abzug gezwungen wären, etwa für den Fall, dass Grönland unabhängig wird. Auch zu diesem Punkt äußert sich Frederiksen deutlich: „Alles, was Souveränität betrifft, ist unsere rote Linie und kann nicht diskutiert werden“, sagt sie bei der Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin. Zwischen der NATO und den USA gebe es keine Diskussionen über Souveränität oder das Zypern-Modell. Frederiksen und Nielsen touren durch Europa Frederiksen lobt den europäischen Zusammenhalt in der Grönland-Krise. Damit dieser auch auf dem weiteren Weg bestehen bleibt, ist sie mit dem grönländischen Ministerpräsidenten Jens-Frederik Nielsen auf einer kleinen Europatour. Nach einem Besuch beim Nordsee-Gipfel in Hamburg und der Station in Berlin werden die beiden am Mittwoch in Frankreich erwartet. In Paris ist ein Arbeitsessen mit Präsident Emmanuel Macron geplant. Dort soll über die Sicherheit in der Arktis und die Entwicklung Grönlands gesprochen werden. Mit dem Kanzler hat Frederiksen in den vergangenen Wochen immer wieder gesprochen. Schon als die Grönland-Krise sich auf seiner Indien-Reise zuspitzte, telefonierten beide ebenso wie kurz nach den Zolldrohungen Trumps. Sie teilten die Linie, dass man die amerikanischen Sicherheitsbedenken adressieren müsse – auch, um womöglich noch ganz andere Interessen Trumps offenzulegen. In Hamburg waren die beiden zusammengekommen, und auch dort war über die arktische Sicherheit gesprochen worden. Merz sagte später an der Seite Frederiksens, in der NATO arbeiteten Amerikaner und Europäer seit 75 Jahren zusammen – „unter vollem Respekt der territorialen Souveränität und Integrität der beteiligten Länder“. Nach dem Gespräch in Berlin teilte ein Regierungssprecher mit, der Kanzler habe deutlich gemacht, dass auch Deutschland im Rahmen der NATO mehr tun werde. Der Kanzler habe Solidarität zugesichert. Frederiksen weiß aber auch, dass die Europäer in der Grönland-Krise nicht nur erleichtert sind. Mit Blick auf den Ukraine-Krieg könnten manche womöglich denken, Kopenhagen solle nun möglichst schnell zu einer Grönland-Einigung kommen. Allerdings hätten die Amerikaner die beiden Themen nicht miteinander verbunden, wie man auch in Berlin bestätigt. Auf die Frage der F.A.Z., ob sie sich der uneingeschränkten Solidarität Berlins in den Grönland-Gesprächen sicher sei oder Druck verspüre, sich im Sinne der Zukunft der NATO zu bewegen, antwortete sie abermals deutlich: „Haben die Deutschen denn eine andere Wahl?“, sagte sie. „Ich denke nicht.“ Es gebe keinen anderen Weg als den, auf den man sich jetzt verständigt habe. Viele in Europa wüssten genau, was auf dem Spiel stehe – die EU sei sehr deutlich gewesen. Es gebe Bereiche, sagte Frederiksen mit Blick auf die Souveränität, in denen man ganz einfach keine Kompromisse machen könne.