Der Vorstandsvorsitzende der Deutsche Börse AG, Stephan Leithner, hat Spekulationen über einen weiteren Anlauf zu einer europäischen Großfusion unter Börsen eine Absage erteilt: „Wir als Eisbrecher, das ist kein Modell. Wir haben genug Erfahrungen gemacht.“ An Spekulationen, ob der Pariser Euronext -Chef Stéphane Boujnah ihn womöglich anrufen könnte und was er dann sagen würde, wollte Leithner sich nicht beteiligen. Bundeskanzler Friedrich Merz hatte in einer Regierungserklärung im Herbst die Schaffung einer European Stock Exchange als zentraler europäischer Börse angeregt. Leithner nahm die Bilanzpressekonferenz am Donnerstag in Frankfurt zum Anlass, an vielen Stellen darauf zu verweisen, wie sich die Börse binnen 25 Jahren seit ihrem eigenen Börsengang von einem Frankfurter Börsenbetreiber zu einem europäischen Finanzmarktinfrastrukturbetreiber mit internationaler Präsenz fortentwickelt habe. „Ohne IPO wären wir weiterhin ein Amt geblieben, wie es andere Börsenbetreiber noch lange waren.“ Die Geschäftszahlen der Börse, die Leithner mit Finanzvorstand Jens Schulte erläuterte, zeigen ein verlässliches Wachstum der Börse und eine immer breitere Aufstellung. Jedes Jahr zwei Milliarden Euro Zufluss Die Nettoerlöse erhöhten sich um drei Prozent auf gut sechs Milliarden Euro, der Jahresüberschuss ebenso auf mehr als zwei Milliarden Euro. Gegenwind gab es, weil die sinkenden Leitzinsen in Europa und den USA das Zinsergebnis um etwa 200 Millionen Euro schmälerten. Aber auch das vergleichsweise ruhige Börsenjahr – bei aller Aufregung um Donald Trump – verminderte den Absicherungsbedarf der Anleger am Aktienmarkt. Starke Wachstumstreiber der Börse waren indes ihr Geschäft der Energiebörse EEX, die nicht nur in Europa Marktführer ist, sondern auch in den USA, Japan und nun auch in Brasilien sehr gute Geschäfte macht. Im vor zwei Jahren hinzugekauften Softwarebereich konnten insbesondere im vierten Quartal große Kunden aus den USA gewonnen werden. Ein weiterer folge in Kürze, wie Finanzvorstand Schulte in Aussicht stellte. Auch die Geschäfte mit Staatsanleihen, digitalen Wertpapieren, aber auch der klassische Wertpapierhandel entwickelten sich im Geschäftsjahr 2025 sehr gut. Die Dividende soll wie zuletzt üblich um weitere 20 Cent auf 4,20 Euro je Aktie steigen. Zusammen mit den angekündigten Käufen eigener Aktien für 500 Millionen Euro fließen somit rekordhohe knapp 1,3 Milliarden Euro des Überschusses von zwei Milliarden Euro an die Aktionäre zurück. 1,1 Milliarden Euro für ISS Stoxx Das übrige Geld soll nun im Februar und März in die Komplettübernahme der Daten- und Indexgesellschaft ISS Stoxx fließen. Hierzu teilte die Börse in der Nacht auf Donnerstag mit, sich mit dem Finanzinvestor General Atlantic auf die Übernahme dessen Anteils von 20 Prozent für 1,1 Milliarden Euro geeinigt zu haben. Ein parallel geprüfter Börsengang des Geschäftsbereichs wurde wegen der aktuellen Marktbewertungen in diesem Segment verworfen. Der Aktienkurs des Indexanbieters MSCI hat in den vergangenen Tagen seine Talfahrt beschleunigt, von 620 Dollar vergangene Woche auf 510 Dollar am Donnerstag. Leithner hob die strategische Bedeutung des Geschäfts mit Daten und Indizes hervor, und die Vorteile, die eine Vollintegration von ISS Stoxx habe, für die Erträge, aber auch für die wegfallenden Kosten der Führung einer eigenen börsennotierten Gesellschaft mit allen Berichtspflichten. Eigene Aktien der Börse und Barmittel sollen zudem für den 5,3 Milliarden Euro teuren (Rekord-)Kauf des spanisch-britischen Fondsdienstleisters Allfunds verwendet werden. Hier rechnet die Börse noch mit etwa einem Jahr Prüfzeit durch europäische Behörden. Leithner sprach davon, ein passgenaueres Stück könne es für eine wirklich europäische Fortentwicklung in einem Bereich wie Fonds, in dem Europa eine globale Vorreiterrolle habe, nicht geben. Es unterstreiche die Ambitionen der Börse, das paneuropäische Ökosystem im Finanzbereich kraftvoll nach vorn zu entwickeln. Die Transaktion reihe sich ein in die Partnerschaften im Bereich digitaler Wertpapiere, die Zusammenarbeit mit der Europäischen Zentralbank beim digitalen Euro, die starke Stellung im europäischen ETF-Markt und der Rolle der Börse in der Abwicklung und Verwahrung, bei der sie über 60 Länder hinweg Dienstleistungen anbiete und Kapitalmarktintegration lebe, auch als „Home of the Euro-Yield-Curve“ als zentrale Clearingstelle europäischer Staatsanleihen. Für die Jahre bis 2028 plant die Börse ein organisches Wachstum von acht Prozent im Jahr und dank Kostendisziplin ein stärkeres Gewinnwachstum, für 2026 um 15 Prozent.
