FAZ 18.11.2025
13:44 Uhr

Eurobike in der Krise: Überdenken


Die Eurobike in Frankfurt hatte sich zur Leitmesse der Fahrradbranche gemausert. Nun gibt es Knatsch hinter den Kulissen, ein Kettenriss droht.

Eurobike in der Krise: Überdenken

Ungeachtet des Trends zu Hausmessen und des Fernbleibens einzelner Branchengrößen schien die Eurobike-Welt in Frankfurt bis zuletzt halbwegs in Ordnung zu sein. Mit optimistischen Verlautbarungen über Aussteller- und Besucherzahlen sowie großzügiger Flächennutzung machte die internationale Leitmesse der Fahrradbranche von sich reden. Doch hinter den Kulissen brodelte es offenbar bis zum Eklat. Jüngst verkündeten die Verbände ZIV und Zukunft Fahrrad ihren Ausstieg für 2026. Von der Entscheidung überrumpelt zeigt sich die gesamte Branche, allen voran aber der Eurobike-Veranstalter selbst. Dem Bruch vorausgegangen waren Gespräche über die zukünftige Ausrichtung der Veranstaltung auf Basis eines von den Verbandsmitgliedern erarbeiteten Zehn-Punkte-Plans, in dem inhaltliche und strukturelle Anpassungen gefordert wurden. Konkret geht es unter anderem um eine gleichwertige Gewichtung der Themen Alltagsmobilität, Freizeit und Sport sowie von Bio- und E-Bikes. Für Zoff sorgte auch eine von den Eurobike-Machern angekündigte und mittlerweile ad acta gelegte Messe für Elektroleichtfahrzeuge und Mikromobilität. Gleichzeitig fordern die Verbände eine Fokussierung auf relevante Akteure und qualitativ hochwertige Produkte, ein Seitenhieb auf die zunehmende Präsenz von nicht in der EU ansässigen Firmen, deren Produkte teilweise kaum gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Qualität vor Quantität also. Doch wie lässt sich eine Gesundschrumpfung mit dem gleichzeitig erhobenen Anspruch ei­ner Weltleitmesse vereinen? Zusammen bringen es beide Verbände auf rund 230 Mitgliedsunternehmen, deren Namen sich wie das Who’s who der Fahrradbranche lesen. Ein kollektives Fernbleiben dürfte die Eurobike empfindlich treffen. Ob es nun zum Kettenriss oder gar zum Rahmenbruch kommen wird, bleibt abzuwarten.