In einer seiner unzähligen Mails an den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein verglich sich Daniel Siad mit einem Fischer. „Manchmal fange ich sofort, manchmal gibt es keinen Fisch“, spielte der Modelscout im Sommer 2014 auf ein fehlgeschlagenes Treffen in Paris an, für das er angeblich sieben Mädchen und junge Frauen rekrutiert hatte. „Ich hatte zwei Mädchen aus Schweden, eine Slowakin, zwei Französinnen, die Russin, mit der du schon gesprochen hattest, und eine wunderschöne Chinesin mit dem Namen Star“, schrieb Siad damals. Epstein versprach, für die Reisekosten der „girls“ aufzukommen. Und Siad kündigte mindestens 16 Mädchen und junge Frauen an, die „im nächsten Jahr bereit“ seien. „Es gibt da draußen Millionen Mädchen“, schrieb der Franzose mit algerischen Wurzeln und schwedischem Pass. „Das lange Mädchen ist wirklich süß“ Wie die Epstein-Akten zeigen, die das Justizministerium in Washington vor vier Wochen freigab, scharte der verstorbene Sexualstraftäter nicht nur Royals, Politiker und Wissenschaftler um sich. Er hielt auch Verbindung zu Modelscouts wie Jean-Luc Brunel und Siad, um Opfer zu finden. Laut den Akten arbeitete Siad mindestens zehn Jahre lang für Epstein. Der heute Neunundsechzigjährige fuhr in osteuropäische Dörfer, nach Paris, Barcelona und Russland, suchte nach Mädchen und stellte sie Epstein per Video oder Foto vor. „Das lange Mädchen ist wirklich süß“, pries Siad eine der jungen Frauen an, die er mit einem Modelvertrag lockte. Nach erfolgter Vermittlung, oft in New York, überwies der im Jahr 2008 wegen sexuellen Missbrauchs verurteilte Sexualstraftäter vierstellige Summen. „Ich hoffe, dass du bald wieder etwas Neues findest“, ermunterte er Siad 2017, zwei Jahre vor seinem Tod in einer Gefängniszelle in Manhattan. Während Brunel, der nach einer Anklage wegen Vergewaltigung von Minderjährigen vor vier Jahren ebenfalls tot in einer Zelle gefunden wurde, als möglicher Mittäter Epsteins bekannt war, wurde Siad erst durch die jetzt veröffentlichten Akten mit dem Sexualstraftäter in Verbindung gebracht. Auf einem Foto soll ein früheres Model aus Schweden ihn zudem als den Mann erkannt haben, der sie im Sommer 1990 in Südfrankreich vergewaltigt hatte. Nach einer Strafanzeige der Sechsundfünfzigjährigen in Paris leitete die französische Staatsanwaltschaft vergangene Woche Ermittlungen ein. In den Vereinigten Staaten bleiben Anklagen dagegen wohl aus. Schon vor der Freigabe weiterer drei Millionen Seiten der Akten schlossen Justizministerium und Bundespolizei juristische Schritte aus: „Es wurden keine weiteren Personen identifiziert, gegen die Anschuldigungen wegen illegaler Verfehlungen erhoben werden können. Die systematische Untersuchung hat auch keine belastende ,Kundenliste‘ zutage gefördert.“
