Keine Frage: Die Erzieher in Frankfurt haben einen Gehaltszuschlag verdient. Ihre Arbeit ist pädagogisch wertvoll, und sie ermöglicht anderen, auch arbeiten zu gehen. Je nach Altersgruppe und Personalschlüssel setzt in Hessen ein Erzieher, der fremde Kinder betreut, bis zu acht Arbeitskräfte frei. Eltern können ihrem Beruf nachgehen, wenn sie wissen, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind. Mit dem geplanten Gehaltszuschlag von 200 Euro will die Stadt Frankfurt die Erzieher aber nicht nur für ihre wichtige Arbeit honorieren. Sie verspricht sich dadurch auch, im Fachkräftemangel die Nase vorn zu haben. Frankfurt soll als Arbeits- und Wohnort für Erzieher attraktiver werden. Wenn sie hier arbeiten, sollen sie sich das Leben in der Großstadt auch leisten können. Ob das tatsächlich eintritt, soll in fünf Jahren evaluiert werden. Wird man den Erziehern den Bonus dann womöglich wieder wegnehmen? Es gibt bereits Hinweise darauf, dass sich die Lage in den Krippen in einigen Stadtteilen durch den Geburtenrückgang entspannt hat. Bald wird dieser Effekt auch in den Kindergärten und Horten ankommen. Mit dem Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder gibt es jedoch auch neue Herausforderungen. Noch herrscht Fachkräftemangel Noch herrscht ein Erziehermangel in Frankfurt, und Zulagen sind ein probates Mittel, um darauf zu reagieren. Den Sozialverbänden, die den Bonus für eine einzelne Berufsgruppe für ungerecht halten, darf man zurufen: Man muss auch gönnen können. Es ist wahr, dass andere soziale Berufe ebenfalls eine materielle Wertschätzung verdient hätten. Aber es ist völlig illusorisch, dass eine Metropolzulage für alle eingeführt wird. Wenn der Oberbürgermeister sagt, dass er seine Zustimmung zum Haushalt davon abhängig macht, dass der Erzieherzuschlag eingeführt wird, greift er rhetorisch zur Brechstange. Er mag sich ja an sein Wahlversprechen gebunden fühlen. Aber den Haushalt beschließen immer noch die Stadtverordneten. Der Magistrat hat dem Entwurf schon zugestimmt, auch mit Josefs Stimme. Jetzt haben die Stadtverordneten das Wort. Es stellt sich auch die Frage, ob es politisch klug ist, die anderen Parteien derart unter Druck zu setzen. Warum Josef die erfolgreiche Einführung der Zulage aufs Spiel setzt und einen Konflikt bei einem Thema provoziert, das in der Sache richtig und auch konsensfähig ist, bleibt sein Geheimnis.
