Irgendwann erwischt es alle. Eines Tages im Leben eines Heranwachsenden in Frankfurt gerät jeder in den Sog, kriegt jedes Kind eine fette Dosis ab. Ob als Geburtstagskind und Gastgeber oder als zu einer besonders hochtourigen Sause geladener Gast. „Es“ – das ist Tolliwood. Ein riesiger, quietschbunter Indoorspielplatz in, wie üblich bei dieser Gattung Kids-Entertainment, Industriegebietlage. Beliebt bei den Kindern, berüchtigt bei den Eltern. Wer Tolliwood bucht, bekommt Tolliwood. Soll heißen: reizüberflutete, schweißverklebte, nach drei Stunden ihrer Energie vollends beraubte Kinder. Denn das Toben durch die Halle und durch die mit allerhand Auf- und Abgängen und Rutschen versehenen Etagen der Aufbauten kostet viel Kraft. Zumal in einem Dauergeräuschpegel von gefühlt zwei Grundschulpausenhöfen gleichzeitig. An Wochenenden in Herbst und Winter (Tipp: Vormittags ist es „etwas“ ruhiger) finden dort ganz offensichtlich Dutzende Geburtstagsfeste parallel statt. Was Tolliwood endgültig zum Tollhaus werden lässt. Toben im Tolliwood Während sich die Aufsichtspersonen bald mit dem Kontrollverlust abfinden, kehren die in der Halle verstreuten Kinder nur aus drei Gründen zum reservierten Geburtstagstisch zurück. Erstens um kurz den Durst zu stillen; zweitens um kurzatmig Kuchen und/oder Junkfood zu vertilgen; drittens um kurz Trost nach einer unfreiwilligen Karambolage zu suchen. Allerdings nur, um sich gleich darauf wieder auf Socken ins Getümmel zu stürzen und sich der Raserei hinzugeben. Von der Empore wirkt das Treiben wie ein zu purem Leben erwecktes Wimmelbild. Was tun an den Geburtstagsfesten der in der kalten Jahreszeit geborenen Kinder? Wenn die Witterung eine Feier draußen unsicher oder unmöglich macht. Vor dieser Frage stehen viele Eltern und ihre Kleinen zwischen Oktober und März. Klar ist, dass die Ansprüche der Geburtstagskinder und auch der Gäste über die Generationen gestiegen sind. Die Furcht der Eltern, ein Geburtstagsfest zu organisieren, das die Gäste langweilt und das Geburtstagskind enttäuscht, ist allgegenwärtig. Ebenso die Gefahr, den Festtag zu überladen im Streben, ihn unvergesslich werden zu lassen. Daheim wie einst nach dem Kuchenessen ein bisschen Topfschlagen, Blindekuh, Eierlaufen und Wattepusten anbieten, gefolgt von heißen Würstchen zum Abendessen – ein Format, das fast ausgestorben scheint. Kindergeburtstage sind Events geworden, die die Eltern nicht selten eine Menge Geld kosten. Das Frankfurter Tolliwood ist bei Weitem nicht der einzige Ort für ausgiebiges Massentoben im Großraum Frankfurt. Bei der Spielburg in Dietzenbach geht es immerhin einen Tick geruhsamer zu. Ebenso im Tollhaus in Bad Vilbel – und doch bleibt der Name Programm. Kreative Workshops oder Trampolinhalle Auch sonst muss der Trubel beim Feiern mit Kindern nicht immer auf die Spitze getrieben werden. Die folgende Beschreibung einiger bekannter und weniger bekannter Festorte beansprucht keine Vollständigkeit. In Frankfurt und Umgebung gibt es eine schier unzählige Zahl von Möglichkeiten, Angeboten und Anbietern, manche regelrecht spezialisiert darauf, Kindergeburtstage auszurichten. Von der Mottoparty (Prinzessinnen, Pferde, Piraten, etc.) über Sport und Action bis hin zu kreativen Workshops, beispielsweise in Museen. Ein eigener Tisch oder sogar Raum, an dem man seine Mitbringsel lagern kann, ist überall obligatorisch. Fast eine Garantie für spaßiges Beisammensein liefern die diversen Trampolinhallen. Dort wird weit mehr als Rumgehüpfe geboten, vielmehr wird die Geburtstagsgesellschaft mit Kletterpartien und auf Hindernisparcours in Bewegung gehalten. Zu nennen sind unter anderem die großen Anbieter Superfly mit Standorten in Frankfurt und Wiesbaden (ähneln, aber gleichen sich nicht) sowie Jump’n Fly in Mörfelden-Walldorf und Aschaffenburg. Rätsel lösen im Escape-Room Kreativität und Teamwork sind gefragt in den vielen Escape-Rooms. Die Kindergruppe wird quasi in einem mit allerlei Krempel vollgestellten Raum (oder auch mehreren) eingeschlossen. Mit den Hinweisen, die man bekommt, Knobelgeschick und logischem Denken lassen sich die Rätsel lösen. Eine prima Gemeinschaftsaufgabe mit Anspruch. Bis sich am Ende die letzte beziehungsweise entscheidende Tür öffnet. Wer die Tür zur Küche Kunterbunt in Frankfurt aufmacht, ist auf dem Weg zu einem Festmahl eigener Kreation. Gruppen von Kindern im Alter von zehn Jahren an machen sich, mit selbst bemalten Kochmützen, spielend und angeleitet an die Zubereitung beispielsweise eines Lieblingsgerichts des Geburtstagskinds. Natürlich wird am Ende gemeinsam getafelt. Es gibt auch Angebote mit Kochpartys für Teenager. Sehr zugewandt und um die Kinder bemüht ist das Personal des Coloria-Keramikstudios in Frankfurt. Beim gemeinsamen Bemalen von Schalen, Tassen und anderem Geschirr entstehen echte Kunstwerke zum Mit-nach-Hause-Nehmen. Rennen fahren auf der Gokart-Bahn Oder darf es etwas mit Adrenalinschub sein? Und mit einer saftigen Rechnung? Der Besuch einer Gokart-Bahn steht bei Jugendlichen hoch im Kurs: ein echtes Rennen auf einer (Indoor-)Rennstrecke, Reifen an Reifen um die Kurven und Kehren düsen, die Kumpels überholen und noch lange von den eigenen Großtaten mit Bleifuß im Boliden berichten. Auf den Bahnen in Frankfurt-Preungesheim, Groß-Zimmern und Mainz geht es bergauf und bergab auf mehreren Ebenen in der Halle. In der Regel dürfen Kinder von 14 Jahren an einsteigen in die Renner, es werden aber auch Zeitfenster für Jüngere bei gedrosseltem Tempo angeboten. Bei Eco Kart Frankfurt und in der Karthalle Mainz gleiten die elektrobetriebenen Renner sogar leise dahin. Und ein echtes Siegerpodest für den Tagesschnellsten gibt es auch. Es gilt, langfristig im Voraus zu buchen. Kegeln und Bowling Eine ruhigere Kugel lässt sich frei von Tageslicht auf den guten alten Kegelbahnen schieben. Zwar sind die verbliebenen Stätten für Souterrain-Sport von der Ausstattung her gefeit gegen Reizüberflutung. Emotional hochtourige Wettstreits zwischen den Kids können erfahrungsgemäß dennoch entstehen. So oder so wichtig, um den Nachmittag in buchstäblich gute Bahnen zu lenken: Ein paar Kegelspiele für die jungen Akteure sollten sich Eltern vorher angelesen haben. Empfehlenswert in Frankfurt sind die Kegelbahnen der Turnabteilung der Eintracht im Frankfurter Nordend und im Restaurant Blaue Adria im Stadtteil Schwanheim. Beide bieten eine gute Küche (deutsch-indisch beziehungsweise kroatisch), die bei Weitem nicht nur Chicken-Nuggets aufbackt. Wer die Jagd auf zehn statt neun Kegel präferiert, wird ebenfalls fündig: Die nächste Bowlingbahn ist nicht weit. Eine gute Adresse sind die neu eröffneten 25 Bahnen bei Friday’s Bowling in Frankfurt. Erfreulich schon, dass dort nicht der Geruch der von Fuß zu Fuß wechselnden Leihschuhe in der Luft liegt. Und die riesige Videoleinwand beeindruckt auch digital erfahrene Jugendliche. Lasertag im Dunkeln In Licht und Schatten bewegen sich die Spieler beim Lasertag. Jeder trägt in der dunklen Landschaft mit reichlich Aufbauten zum Ducken, Lauern, Vorpreschen und Taktieren eine Leuchtweste und eine Waffe. Getroffen zu werden, tut nicht weh, man kann nur einige Sekunden lang nicht mehr schießen. Alle Anbieter bieten Kindergeburtstagspakete. Es gibt Formate, in denen man in Teams agiert oder als Einzelkämpfer unterwegs ist. Man sieht stets nass geschwitzte, strahlende Teilnehmer, die zwischen Kuchenessen oder einer Chicken-Nuggets-Session zur nächsten Runde Krieg der Sterne ausrücken. Auf ins Gefecht. Sehr beliebt bei Geburtstagsfeierwilligen vor allem im Taunus ist der Sportpark Kelkheim. Indoor ist der spektakuläre Ninja Parcours das Herzstück. Es gibt einen für Kinder von acht Jahren an und einen für Jüngere. Manche Übungen können nur echte Sportskanonen bewältigen – ein großer Spaß (bei dem die Haut an den Händen schon mal dünn werden kann) ist es aber definitiv. Für eine besonders aktive Winterparty im Sportpark lässt sich der Ninja Parcours noch kombinieren mit beispielsweise Tischtennis oder Hallenfußball. Soccerhallen mit Bubble-Option Für den klassischen Fußballgeburtstag gibt es die vielen Soccerhallen in Rhein-Main. Das Ballern auf echte Tore in einem von Banden und Netzen eingefassten Kunstrasenspielfeld steht bei vielen hoch im Kurs. Bei Indoor Soccer Langen kann man versuchen, mit Thomas Epp einen waschechten ehemaligen Eintracht-Profi als Coach zur Party dazuzubuchen. In manchen Hallen kann man die (teure) Option Bubble Soccer hinzufügen, bei der die Spieler von Hüfte bis Kopf in riesigen Plastikbällen stecken, die schmerzfreie Rempler und Stürze ermöglichen. Es entstehen enorm lustige Szenen beim buchstäblichen Rumkugeln auf dem Feld. Es gilt jedoch zu bedenken, dass es jüngere Kinder unter dem Gewicht der „Bubbles“ erfahrungsgemäß nicht lange aushalten. Fußball in allen digitalen Facetten bietet übrigens Soccerbeat im Frankfurter Einkaufszentrum My Zeil. Turnhalle mieten Ein gelungenes Fest verspricht das Mieten einer ganzen Turnhalle. Das ist möglich, wenn die Hallen nicht im städtischen, sondern in Vereinsbesitz sind. Beispielsweise bei den rührigen Ehrenamtlichen des TuS Schwanheim in Frankfurt, die gegen Gebühr ihre große Parkettfläche zur Verfügung stellen. Der Geräteraum ist prall und vielfältig gefüllt, Tischtennisplatten und Badmintonnetze in sehr gutem Zustand können aufgebaut werden. Erlebnisse sportlicher Natur bieten auch die Kletterhallen in der Region. Etwas mehr Action (zumal für alle Kinder gleichzeitig) bietet das Bouldern, das Klettern in Absprunghöhe. Etwas statischer, weil gesichert – aber dafür viel höher hinaus –, geht es beim Seilklettern zu. Die Eissporthalle Frankfurt hat ebenfalls Angebote für Kindergeburtstage. Es besteht die Möglichkeit, eine Trainerin hinzubuchen, die die Kinder im Nu zu stabileren Eisläufern macht und diverse Spiele auf der spiegelnden Fläche in petto hat. Hallenbad mit Rutsche Wer sich „traut“, mit einer Geburtstagsgesellschaft ins Hallenbad zu gehen, findet bei den meisten Bädern ebenfalls Angebote inklusive eines eigenen Bereichs oder Tisches für die Feier. Empfehlenswert ist beispielsweise die Rhein-Main-Therme in Hofheim – die beiden langen Rutschen sind ein Hit. Wer sich reinklickt, findet bei den größeren Museen in der Region tolle, kreative Programme, um dort einen Geburtstag zu veranstalten. Ausgerichtet auf die jeweilige Altersgruppe und mit hohem Mitmach- und Selbstmach-Anteil etwa bei Rallyes durch das Haus. Von gelungenen Geburtstagen wird aus dem Senckenbergmuseum und dem Kommunikationsmuseum in Frankfurt berichtet. Das gilt auch für den Palmengarten und den Frankfurter Zoo, wo auch schlechtes Wetter leicht zu überbrücken ist. Quasi das Kontrastprogramm zu Tolliwood mit seinem Dauerfeuer für Lungen und Ohren.
