FAZ 19.01.2026
08:34 Uhr

Ersatz im Notfall: Eine Powerbank ist sinnvoller als ein Notstromgenerator


Technik für Notstrom ist nach dem Großausfall in Berlin gefragter denn je. Warum Photovoltaikbesitzer im Vorteil sind und worauf Privathaushalte besonders achten sollten.

Ersatz im Notfall: Eine Powerbank ist sinnvoller als ein Notstromgenerator

Spätestens seit der Corona-Pandemie wissen die meisten, wie wichtig es ist, ein paar essenzielle Vorräte wie Wasser, Batterien und Kerzen im Haus zu haben. Der Blackout in Berlin, bei dem Tausende Menschen tagelang ohne Licht und Heizung in ihren Wohnungen ausharren mussten, hat das Bewusstsein für eine Notfallbevorratung wieder geweckt, aber auch den Wunsch nach Stromersatztechnik. Zwar geht die durchschnittliche Stromausfalldauer je Bundesbürger nach den Daten der Bundesnetzagentur seit 2006 kontinuierlich zurück und erreichte 2024 mit 11,7 Minuten den geringsten Wert nach 2014 (10,7 Minuten). Doch im Ernstfall wie in Berlin interessieren solche Durchschnittswerte nicht. Viele fragen sich jetzt, ob und wie sie technisch mit Akkus und Notstromgeneratoren vorsorgen können. Die Suchanfragen für Generatoren gingen zuletzt im Internet durch die Decke, Baumärkte meldeten leere Regale. „Es ist nicht trivial, einen Generator vorzuhalten“ Grundsätzlich haben Hausbesitzer mehr Möglichkeiten als Mieter, doch sollten auch sie die Autarkielösungen bei Stromausfall nicht überschätzen. Das gilt vor allem für Notstromaggregate. Das sind mobile oder stationäre Generatoren, die mithilfe von Benzin, Diesel oder Gas Strom erzeugen. Je nach Leistungsklasse lassen sich damit einzelne Geräte versorgen, aber auch ganze Räume oder ein ganzes Haus. Kleinere benzinbetriebene Generatoren etwa für den stundenweisen Einsatz für die Campingküche oder für kurzfristige Stromausfälle kosten laut ADAC zwischen 300 und 1500 Euro. Die Preise für größere dieselbetriebene Generatoren, die auch für den Dauerbetrieb im Haus geeignet sind, beziffert der Automobilclub mit Preisen zwischen 800 und 5000 Euro. Allerdings raten Fachleute wie Manuel Atug, Gründer und Sprecher der Arbeitsgruppe Kritische Infrastrukturen aus Hanau, von der Anschaffung solcher Geräte ab: zu teuer, zu groß, zu laut – und zu aufwendig in der Wartung. Es sei nicht trivial, einen Generator vorzuhalten, sagt Atug, der sich mit rund 40 anderen Fachleuten ehrenamtlich für die Verbesserung der IT-Sicherheit und für die Erhöhung der Versorgungssicherheit in Deutschland engagiert. „Diesel für den Generator muss eingelagert werden, der kann kippen, dann ist er unbrauchbar.“ Außerdem müsse ein Generator gewartet und gepflegt werden. Voraussetzung sei ein sicherer Hausanschluss. Peter Thoma, Obermeister der Frankfurter Innung Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik, pflichtet mit Hinweis auf die hohen Brandschutzauflagen bei: „Generatoren für Privathäuser und Mehrfamilienhäuser machen überhaupt keinen Sinn.“ Ohnehin müssen sich Hausbesitzer darüber im Klaren sein, dass sich mit mittelgroßen Generatoren, etwa mit einer Leistung von vier bis acht Kilowatt, allenfalls einzelne Geräte wie Kühlschrank und Herd betreiben lassen. Soll auch die Zentralheizung umgerüstet werden, die Strom für Komponenten wie Brenner, Regelung und Heizungspumpe braucht, damit sie anspringt, wird es noch einmal komplizierter – und teurer. „Ein Notstromaggregat für die Wohnung funktioniert nur dann zuverlässig, wenn es gut geplant und fachgerecht in die Hausanlage integriert wurde“, sagt Atug. Nur dann könne man diese Lösung als Vorsorgeabsicherung in Betracht ziehen. Die meisten Solaranlagen können Strom speichern Bleibt beim Wunsch auf eine Stromersatzversorgung der Blick auf die Solarzellen auf dem Dach. Mit einem Batteriespeicher lässt sich der Solarstrom auch als Notstrom nutzen. Allerdings muss man diese Funktion ausdrücklich beauftragen, informiert der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Und die Anlage braucht einen speziellen Wechselrichter, der sogenannten Gleichstrom, wie er von Solarmodulen und Batterien erzeugt wird, in nutzbaren Wechselstrom verwandelt, so wie er im öffentlichen Stromnetz verwendet wird. Das ist laut Stiftung Warentest jedoch nicht mit allen Fabrikaten möglich. Man spricht in diesem Fall auch von einer Insellösung, weil die Batterie autark und unabhängig vom öffentlichen Netz das Haus mit Strom versorgt und den Speicher nachlädt, wenn die Sonne scheint. Vor die Wahl gestellt, würde Krisenfachmann Atug, der von Haus aus Ingenieur ist, den Batteriespeicher mit Notstromfunktion favorisieren. „Sie ist zwar teurer, aber im Bedarfsfall besser und einfacher zu nutzen als ein Generator.“ Laut Stiftung Warentest wurden im Jahr 2023 bereits 70 Prozent der privaten Solaranlagen mit einem Speicher installiert. Dieser sei etwa so groß wie zwei bis fünf gestapelte Bierkästen, je nach Speicherkapazität mache das 60 bis 150 Zentimeter in der Höhe, heißt es. Bei einem Vierpersonenhaushalt hält die Stiftung Warentest eine Speicherkapazität von fünf Kilowattstunden (kWh) für ausreichend. In der Regel bestehen die Akkus aus Lithium-Ionen. Die Preise sind zuletzt stark gesunken, und wirtschaftlich lohnt es sich, den Strom vom Dach damit zu nutzen und nicht ins Netz einzuspeisen. Auch bestehende Anlagen können laut Stiftung Warentest mit einer Speicherbatterie nachgerüstet werden. Die Kosten dafür sollte man aber vorab mit einem Elektriker abklären. Für Balkonkraftwerke lohnt sich ein Speicher in der Regel nicht, weil die Module zu wenig Strom liefern. Ohnehin empfehlen Verbraucherschützer einen nüchternen Blick auf Batteriespeicher. „Die Erwartungen sind meist höher als die tatsächlichen technischen Möglichkeiten der Anlage.“ „Saus und Braus“ ist nicht im Notfall „Saus und Braus“ ist also nicht im Notfall, das stellte auch Krisenexperte Atug klar und empfiehlt eine Prioritätenliste: Was muss in jedem Fall mit Strom versorgt werden, und was sind die Kann-Kandidaten? Auf die Liste der Geräte für die technische Minimalversorgung gehöre in jedem Fall eine Powerbank, sagt er. Die liefert nicht nur im Blackout den Saft für Handys, Tablets und Notebooks, sondern auch unterwegs im regulären Alltag, wenn man auf einer längeren Zugreise kein Ladekabel dabeihat und der Akku leer läuft. Die Stiftung Warentest hat gerade online einen Test zu Powerbanks veröffentlicht. Danach gibt es gute Geräte schon für unter 40 Euro. Abseits der technischen Lösungen sollte jeder, der für den Notfall vorsorgen will, die Checkliste des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe einmal durcharbeiten. Wasser und haltbare Lebensmittel für ein paar Tage, eine Taschenlampe mit Ersatzbatterien, ein Radio, Kerzen und ein Feuerzeug, Hygieneartikel wie Tampons und Binden – das sind banale Kleinigkeiten, die nicht viel kosten und nicht viel Platz einnehmen und mit denen man schon viel erreicht. Übertreiben sollte man es dabei aber nicht. Am Ende des Tages gilt es auch, darauf zu vertrauen, dass es immer Freunde und Nachbarn gibt, die helfen, sei es mit Toilettenpapier, oder, was in Berlin jetzt wichtiger war: einer heißen Suppe und einer warmen Decke.