Eine vermeintlich gute Nachricht vor den Feiertagen kommt von den Neurologen: Menschen, die viel fettreiche Käse wie Brie, Gouda oder Cheddar essen, haben ein geringeres Risiko, an Demenz zu erkranken. Das haben Wissenschaftler von der Universität Lund beobachtet und jetzt in „Neurology“ veröffentlicht. Sie hatten die Ernährungsgewohnheiten von über 27.000 Menschen in Schweden erfasst und 25 Jahre lang deren Hirngesundheit beobachtet. Beim Beginn der Untersuchungen waren die Studienteilnehmer im Durchschnitt 58 Jahre alt. Sie führten eine Woche lang Buch über ihre Ernährungsgewohnheiten und beantworteten die Fragen der Forscher, wie oft sie bestimmte Lebensmittel im Laufe der vergangenen Jahre zu sich genommen hatten. Zudem berichteten sie den Forschern, wie sie ihr Essen zubereiten. Von den Studienteilnehmern, die täglich mindestens 50 Gramm Käse, also etwa zwei große Scheiben, mit einem Fettgehalt über 20 Prozent aßen, hatten zehn Prozent bis zum Ende des Beobachtungszeitraums eine Demenzerkrankung entwickelt. Von denjenigen, die weniger als 15 Gramm zu sich nahmen, waren es dreizehn Prozent. Ähnliches galt für Menschen, bei denen viel Sahne oder Crème fraîche auf den Tisch kam. Milch, Butter, fettreduzierte Milchprodukte sowie Joghurt, Buttermilch oder Kefir hingegen hatten in dieser Studie keinen Effekt auf die Hirngesundheit. Die Autoren der Beobachtungsstudie vermuten, dass diese Unterschiede nicht unbedingt etwas mit dem Fettgehalt zu tun haben, sondern möglicherweise mit anderen Substanzen im Milchfett, beispielsweise mit bestimmten Vitaminen. Ursächliche Zusammenhänge haben die schwedischen Forscher nicht untersucht. Mehr oder weniger gesättigte Fettsäuren? Jahrzehntelang empfahlen Ärzte und Ernährungswissenschaftler, Lebensmittel mit einem hohen Anteil gesättigter Fettsäuren lieber zu meiden – somit also auch die fettreichen Käsesorten. Ist dies nun alles überholt? Bei Milchprodukten ist die Lage komplizierter, kommentiert die Epidemiologin Tian-Shin Yeh von der Harvard Medical School ebenfalls in „Neurology“. Zum einen seien die Ernährungsgewohnheiten und genetischen Voraussetzungen regional sehr unterschiedlich, etwa zwischen Asien und Europa; Forscher in Japan konnten nämlich keinen Zusammenhang zwischen dem Konsum von Käse und Demenz finden. Die Studienergebnisse sind also kaum global übertragbar. Zum anderen wurde nicht untersucht, ob die Milchprodukte andere Lebensmittel ersetzen, etwa Fleisch oder Süßigkeiten. Die größte Einschränkung ist allerdings: Die Autoren haben nur die Ernährung der Studienteilnehmer am Anfang des Beobachtungszeitraums erfasst. Dadurch ist die Aussagekraft der Studie gering. Denn es ist wahrscheinlich, dass sich Gewohnheiten und Lebensumstände mit der Zeit ändern. Aufhören zu rauchen, körperliche Aktivitäten, ausgewogene Ernährung und geringerer Alkoholkonsum seien nachweislich wichtiger, um das Demenzrisiko zu senken, als der Fokus auf eine einzelne Gruppe von Lebensmitteln, erklärte Richard Oakley von der Alzheimer Society im Vereinigten Königreich gegenüber dem britischen Science Media Center. Es bleibt zudem die grundsätzliche Erkenntnis: Ernährung, die Herz und Blutgefäße schützt, wirkt auch gegen Demenzerkrankungen im Alter.
