Es ist dieselbe Frage, die sich in jedem Jahr aufs Neue stellt: Wer sind die Personen, über die am Tag nach Silvester das halbe Land spricht? Die in Berlin, Köln oder Frankfurt in die Innenstädte fahren und dort „die Sau rauslassen“. Anders kann man das, was sie dort treiben, wohl nicht nennen. Die Raketen aus der Hand heraus zünden, auch mal gern in Richtung Menschenmenge. Die Spaß daran haben, große Böller durch die Luft zu werfen, und dabei billigend in Kauf nehmen, dass sie dabei jemanden verletzen. Die Rettungskräfte attackieren oder, wie es in diesem Jahr in Frankfurt geschehen ist, gleich einen ganzen Krankenwagen kapern. Auch wenn Silvesterfeiern in den Großstädten schon immer etwas rauer gewesen sind, so muss man festhalten: Das ist alles nicht mehr normal. Und statt jedes Jahr wieder dieselbe Debatte zu führen, wünscht man sich endlich eine weiterführende Diskussion. Dass ein bundesweites Böllerverbot kommen wird, ist nicht abzusehen. Aber man kann sich die Personen anschauen, die mit Pyro-Delikten auffällig geworden sind. Ist es das bekannte „Junge Männer“-Phänomen mit einem erheblichen Anteil an Zuwanderern? Wenn ja, warum spricht niemand darüber? In anderen Kriminalitätsfeldern wird auch täterorientiert vorgegangen, da werden auch Lagebilder entworfen nach der soziokulturellen Zugehörigkeit – in dem Wissen, dass sich nur aus einer validen Faktenlage heraus Lösungen erarbeiten lassen, die dann auch nachhaltig sind. Vielleicht wird sich zumindest für Frankfurt ein Weg finden lassen, Eskalationen in der Innenstadt beim nächsten Jahreswechsel noch weiter einzudämmen. Die Böllerverbotszone am Eisernen Steg hat sich bewährt. Es wird Zeit, dass die Alte Brücke einbezogen wird. Sie ist schon zum zweiten Mal zum Hotspot jener Feiernden geworden, die meinen, Regeln würden für sie nicht gelten. Es bleibt nun, die Ermittlungen gegen die 73 allein in Frankfurt festgenommenen Personen abzuwarten. Dass die Polizei überhaupt so vieler Störer hat habhaft werden können, ist ein gutes Signal: Es zeigt, dass der öffentliche Raum nicht denen überlassen wird, die ihn für ihre Zwecke missbrauchen.
