Der Frankfurter Stadtteil Höchst soll weiblicher werden – so sieht es ein Antrag vor, den die Fraktionen der CDU und der SPD gemeinsam für die nächste Sitzung des zuständigen Ortsbeirats eingebracht haben. Die Stadtteilpolitiker sind der Ansicht, dass bisher nicht ausreichend an Frauen erinnert wird, die einen entscheidenden Beitrag zur Geschichte des lange selbständigen Höchst geleistet haben. „Durch den Vorschlag, einen Ort zur Würdigung dieser Frauen zu schaffen, können wir das historische Bewusstsein und das Verständnis für ihre Rolle in der Gesellschaft stärken“, heißt es im Antrag. Der Anstoß zu der Initiative stammt von Frank Mayer, dem Vorsitzenden des Höchster Geschichtsvereins, der bei seinen Stadtführungen immer auch an bedeutende Frauen aus Höchst erinnert, vor allem aber auch den Gesamteindruck in deutschen Innenstädten im Blick hat. „Unsere Städte sind generell geprägt von viel zu vielen männlichen Denkmälern, Frauen tauchen nicht auf“, sagt er. Dies gelte insbesondere, wenn man von anonymen Darstellungen von Frauen wie in Person der Justitia beispielsweise am Frankfurter Gerechtigkeitsbrunnen oder dem Motiv der trauernden Mutter im Zusammenhang mit Opfergedenken absehe. Eine prominente Ausnahme stellt beispielsweise Sophie Scholl dar, die mit ihrem Bruder Hans gewürdigt wird. Weitere öfter gewürdigte Frauen im öffentlichen Raum sind beispielsweise die Komponistin Clara Schumann oder die Künstlerin Käthe Kollwitz, von der neben ihren Selbstbildnissen auch weitere Plastiken in Denkmalgestalt existieren. Vollständige Erhebungen zu dem Thema gibt es nicht. Aber die Münchner Initiative Denkfemale, die sich für mehr Würdigungen von Frauen zumindest durch digitale Erinnerungskultur einsetzt, geht davon aus, dass bundesweit deutlich weniger als fünf Prozent von Denkmälern Frauen gewidmet sind. Während die männliche Dominanz in der Erinnerungskultur aus früheren Jahrhunderten noch leicht nachvollziehbar ist, gilt die Unterrepräsentation im Gedenken an Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus als weniger ersichtlich. Bismarck durch eine Frau ersetzen? Mayer hat zuletzt die Diskussion um das Bismarck-Denkmal in seinem Stadtteil inspiriert, in deren Verlauf es auch den Vorschlag gegeben habe, auf dem derzeit leeren Sockel eine Frau zu würdigen. Die Bismarck-Statue an der Rudolf-Schäfer-Anlage war 2024 von Unbekannten vom Sockel gestoßen worden, als Protest gegen die Bismarcksche Kolonialpolitik. „Das Ersetzen von Bismarck fände ich geschichtsvergessen“, sagt Mayer. „Ich würde es bevorzugen, wenn man Bismarck wieder auf seinen Sockel hebt und dafür beispielsweise ein Denkmal der Höchsterin Meta Quarck-Hammerschlag in der Nähe platziert und die beiden Denkmäler gewissermaßen in einen Dialog treten könnten.“ Die 1864 in Höchst geborene und im Dalberger Haus nahe dem möglichen Denkmalort aufgewachsene Quarck-Hammerschlag war Sozialpolitikerin und Frauenrechtlerin sowie Mitbegründerin der Frankfurter Arbeiterwohlfahrt. Sie setzte sich für Rechte von Prostituierten ein und war als ehrenamtliche Stadträtin für die SPD die erste Frau im Magistrat der Stadt Frankfurt. Eine zweite Frau, die eine baldige Würdigung verdiente, wäre nach Ansicht Mayers die Mundartdichterin Frieda Düsterbehn-Reuting, die im Greiffenclauschen Haus aufwuchs und ihr Leben lang eine bekennende Höchsterin war. Die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung hat 2024 für die Förderung eines Forschungsprojekts „Mehr (digitale) Denkmäler für Frauen in Frankfurt“ 60.000 Euro bewilligt. Dieses soll Vorschläge erarbeiten, wie Frauen im städtischen Raum oder zumindest im virtuellen städtischen Raum gewürdigt werden könnten. Die Ergebnisse liegen noch nicht vor.
