FAZ 27.01.2026
13:26 Uhr

Ergebnisse vorgestellt: Studie: Mehrere hundert Missbrauchsopfer bei evangelischen Pfadfindern


Mehr als 300 junge Menschen wurden seit 1973 bei den Pfadfindern in Deutschland Opfer sexueller Gewalt, ergab eine Aufarbeitungsstudie. Manche waren erst 13 Jahre alt.

Ergebnisse vorgestellt: Studie: Mehrere hundert Missbrauchsopfer bei evangelischen Pfadfindern

Im größten evangelischen Pfadfinderverband Deutschlands hat es einer Studie zufolge seit den siebziger Jahren mehrere hundert Missbrauchsfälle gegeben. Seit 1973 sei „mindestens 344 Personen im Verantwortungsbereich des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) sexualisierte Gewalt widerfahren“, hieß es am Dienstag bei der Vorstellung einer sozialwissenschaftlichen Studie, die das Institut für Praxisforschung und Projektberatung München (IPP) gemeinsam mit dem Dissens-Institut für Bildung und Forschung e.V. erarbeitet hatte. Betroffen waren demnach zu 60 Prozent Mädchen, zu knapp 40 Prozent Jungen und zu unter einem Prozent diverse Personen, so die Autoren der sozialwissenschaftlichen Studie. Zwei Drittel der Betroffenen waren bei Tatbeginn zwischen 13 und 17 Jahre alt. Untersucht wurden das Ausmaß sexualisierter Gewalt sowie der institutionelle Umgang des Verbands damit. Grundlage der Studie waren den Angaben zufolge 79 qualitative Interviews mit ehemaligen und aktuellen Mitgliedern des Verbands sowie Aktenmaterial im Umfang von rund 1300 Seiten zu 100 Verdachts- und Gewaltfällen. Viele Taten auf Lagern und Fahrten Mindestens 161 Personen hätten sexualisierte Gewalt verübt oder seien dessen beschuldigt worden, überwiegend Männer. Nahezu die Hälfte der Taten sei nach dem Jahr 2000 begangen worden, mehr als die Hälfte in Pfadfinderlagern oder auf Freizeitfahrten. In mehr als einem Drittel der Fälle kam es laut der Studie zu Vergewaltigungen. Betroffene berichteten während der Vorstellung der Studie von schweren Folgen. Die Betroffene Miriam Glas sagte: „Im Bericht habe ich gelesen, dass typische Verhaltensmuster bei Betroffenen Schuldumkehr und Selbstvorwürfe sind. So habe ich das auch erlebt.“ Sie ermutigte andere Betroffene, sich zu melden. Die Präventionsbeauftragte des VCP, Louisa Kreuzheck, erklärte, der Abschlussbericht zeige deutlich, dass Menschen im VCP sexualisierte Gewalt erfahren haben. „Dieser Verantwortung stellen wir uns“, sagte Peter Keil vom VCP-Bundesvorstand.