FAZ 06.02.2026
20:09 Uhr

Epstein und Woody Allen: Er brachte ihn sogar ins Weiße Haus


Ihre Verbindung war weit enger als bislang angenommen: Woody Allen und Jeffrey Epstein trafen sich zu gemeinsamen Abendessen, reisten miteinander – und tauschten sich über Missbrauchsvorwürfe aus.

Epstein und Woody Allen: Er brachte ihn sogar ins Weiße Haus

Die Verbindung des amerikanischen Oscarpreisträgers Woody Allen zu dem Sexualstraftäter Jeffrey Epstein soll weit enger gewesen sein als bislang angenommen. Wie die vor einigen Tagen durch das Justizministerium in Washington veröffentlichten Ermittlungsakten zu Epstein belegen, traf der Regisseur den im Sommer 2019 verstorbenen New Yorker jahrelang zu gemeinsamen Abendessen, lud ihn zu Dreharbeiten ein und reiste mit ihm. „Ei­ne große Bandbreite von interessanten Leuten bei jedem Dinner“, lobte Allen die Einladungen bei Epstein im Jahr 2016. Die Gerichte, schrieb der Filmemacher, seien nicht nur üppig und wohlschmeckend. Sie würden häufig auch von jungen Frauen serviert, die ihn an weib­liche Vampire auf Draculas Schloss erinnerten. Nach Gerüchten über eine Verbindung zu Epstein hatte Allen im vergangenen Herbst Besuche bei Feiern des Finanzmanagers eingestanden. Epstein sei ihm und seiner Ehefrau Soon-Yi Previn Ende 2010 in New York vorgestellt worden. Es folgte eine Einladung in Epsteins Haus, bei der Allen auch Andrew Mountbatten Windsor traf, damals noch Prinz. „An den Abendessen nahmen immer interessante Menschen teil: Nobelpreisträger, Universitätsprofessoren, Wissenschaftler“, sagte Allen der britischen „Times“. „Wir haben Jeffery aber nie mit minderjährigen Mädchen gesehen. Er hatte immer Freundinnen, aber sie waren nicht minderjährig.“ Als Allen und Previn Epstein zum ersten Mal trafen, war er bereits als Sexualstraftäter bekannt. Nach Ermittlungen zu mehr als 40 mutmaßlichen, meist minderjährigen Opfern hatte sich der Finanzmanager 2008 mit der Staatsanwaltschaft in Florida auf unerwartet milde 18 Mo­nate Haft geeinigt – im Gegenzug für das Geständnis, eine 13 Jahre alte Prostituierte missbraucht zu haben. „Viele hässliche Vorwürfe“ Wie die jetzt freigegebenen sogenannten Epstein-Akten zeigen, tauschten sich Allen und Epstein auch über die gegen sie erhobenen Missbrauchsvorwürfe aus. Allens frühere Lebensgefährtin Mia Farrow hatte ihn Anfang der Neunzigerjahre ­öffentlich beschuldigt, ihre damals sieben Jahre alte Adoptivtochter Dylan begrapscht zu haben. Der Neunzigjährige widersprach und tat die Vorwürfe als ­Ra­cheakt ab. Farrow habe den Übergriff auf Dylan erfunden, um sich für Allens Romanze mit ihrer Adoptivtochter Soon-Yi, bis heute seine Ehefrau, zu revanchieren. „Man wird von vielen hässlichen Vorwürfen eingeholt, aber im Unterschied zu mir, der es nur mit einer verwirrten Mutter zu tun hat, muss sich Cosby gegen 50 Frauen und Anzeigen wehren“, verglich sich Allen in E-Mails an Epstein mit Bill Cosby. Auch der Sexualstraftäter selbst tat die Vergewaltigungsvorwürfe gegen den Entertainer im Jahr 2016 als überzogen ab. „Das Volk will eine Hexe verbrennen, und es sind nicht mehr so viele übrig“, schrieb Epstein. Epsteins Verbindungen zu Allen schlossen auch dessen Familie ein. In den „Epstein Files“ findet sich Korrespondenz des New Yorkers mit der 55 Jahre alten Previn zum Skandal um den früheren demokratischen Abgeordneten Anthony Weiner, der wegen Sextings mit einer Minderjährigen verurteilt wurde. Die ­Ak­ten belegen auch Previns Versuche, ihrer Tochter Bechet das Studium am ­renom­mierten Bard College zu ermöglichen. Epstein soll auf ihren Wunsch 2017 mit ei­nem Anruf bei Leon Botstein, dem Präsidenten der privaten Hochschule, und einer Spende geholfen haben. Auch bei einem Besuch an der Pennsylvania Avenue in Washington zeigte sich der Milliardär großzügig. Nach Ep­steins und Allens gemeinsamer Reise nach Paris, wo die beiden im Frühjahr 2012 angeblich außerhalb der Öffnungszeiten das Musée d’Orsay besuchten, öffnete der Sexualstraftäter Allen und dessen Ehefrau durch seine Bekannte Kathy Ruemmler, Rechtsberaterin des früheren Präsidenten Barack Obama, Ende 2015 die Türen des Weißen Hauses. Epstein selbst blieb eine private Tour aber verwehrt. „Ich glaube, du bist politisch zu ­belastet“, schrieb die Juristin damals an „Jeffrey“.