FAZ 05.02.2026
16:45 Uhr

Epstein und Mandelson: Starmers Entschuldigung reicht seiner Partei nicht


Der britische Premierminister rechnet mit seinem früheren Mitstreiter Peter Mandelson ab. Trotzdem gibt es in der Labour-Partei weiter Kritik an Starmers Umgang mit den Epstein-Akten.

Epstein und Mandelson: Starmers Entschuldigung reicht seiner Partei nicht

Die innige Verbindung, die der britische Labour-Politiker Peter Mandelson zu dem amerikanischen Finanzier und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auch nach dessen Verurteilung pflegte, hat den britischen Premierminister Keir Starmer zu scharfen Worten veranlasst. Während eines Auftritts im Unterhaus nannte Starmer den früheren Minister einen „Lügner“ und „Betrüger“. Mandelson habe die Regierung wiederholt über das Ausmaß seiner Beziehungen zu Epstein getäuscht. Mandelson hat den jüngsten Enthüllungen zufolge sogar britische Regierungsinterna an Epstein verraten. Die ungezügelte Empörung, mit der Starmer seinen früheren Mitstreiter bedachte, diente auch dem Zweck, sich selbst in die Reihe der über Mandelson Wütenden einzugliedern. Es sollte ein Signal an die Labour-Abgeordneten sein, die hinter den Regierungsbänken im Unterhaus sitzen. Dieses Bemühen, sich in eine Solidarität der Betrogenen einzufügen, fruchtet aber nicht mehr. Epstein-Freund Mandelson galt als „Fürst der Dunkelheit“ Dass Starmer vor einem Jahr den altgedienten Labour-Politiker für das Amt des britischen Botschafters in Washington nominierte, stieß schon damals nicht auf allgemeinen Zuspruch in der Regierungsfraktion. Schließlich hatte Mandelson schon zwei Rücktritte als Minister in den Kabinetten Tony Blairs hinter sich. Danach erhob ihn Gordon Brown erst in den Adelsstand, um ihn dann als Mitglied des Oberhauses zum Wirtschaftsminister machen zu können. Vielen in der Labour-Partei war der Lord aus politischen oder persönlichen Umständen längst zum Feind geworden. Sei es wegen seiner eher wirtschaftsliberalen Haltung oder aufgrund seiner rücksichtslosen Methoden, was ihm Spitznamen wie „Fürst der Dunkelheit“ einbrachte. Die Entlassung Mandelsons als Botschafter in Washington hatte der Premierminister schon im vergangenen September verfügt. Zuvor war in einer ersten Welle von Papieren, die das amerikanische Justizministerium über die Ermittlungen gegen Epstein veröffentlichte, offenbar geworden, wie betont herzlich das Verhältnis der beiden auch nach Epsteins Verurteilung im Jahr 2008 blieb. Starmer macht ein Angebot Die nun enthüllten Papiere weisen darauf hin, dass Mandelson zu einem früheren Zeitpunkt auch eine fünfstellige Dollarsumme von Epstein erhielt und dass er später – als Kabinettsmitglied in der Regierung Gordon Browns – Insider-Informationen an Epstein weiterleitete. Die dadurch hervorgerufene Empörung zielt auch auf den Premierminister. Starmer gestand am Mittwoch ein, er habe gewusst, dass Mandelson und Epstein 2009 noch in Verbindung gestanden seien. Allerdings habe Mandelson in der Sicherheitsüberprüfung vor seiner Ernennung fälschlicherweise behauptet, der Kontakt sei kaum der Rede wert gewesen. Starmer bot an, die Dokumente aus der Sicherheitsüberprüfung – also auch die damaligen Angaben Mandelsons – zu veröffentlichen. Dies aber unter dem Vorbehalt, dass Details zurückgehalten würden, die geheim bleiben müssten oder außenpolitisch heikel seien. Wer entscheidet über Ausnahmen von Veröffentlichung? Diese Einschränkung stieß im Unterhaus nicht bloß bei der konservativen Opposition auf Gegenwehr. Angeführt von Starmers früherer Stellvertreterin Angela Rayner, formierte sich auch in seiner Fraktion Misstrauen und Widerstand. Viele Labour-Abgeordnete äußerten öffentlich Bedenken, das Kabinettsministerium des Premierministers könne Einzelheiten vertuschen, wenn es selbst die Entscheidung treffe, was veröffentlicht werde und was nicht. Schließlich sah die Labour-Regierungsbank sich gezwungen, auf die Oppositionsforderung einzugehen, den Geheimdienstausschuss des Parlaments entscheiden zu lassen, welche Dokumente von der Veröffentlichung ausgenommen sein sollen. Der Premierminister sah sich am Donnerstag veranlasst, seinerseits vor den Abgeordneten und vor seinem ganzen Land um Entschuldigung zu bitten. Sie galt nicht dem Faktum, dass er vor einem Jahr Mandelson zum Botschafter berief, sondern dem Umstand, „dass ich seine Lügen geglaubt habe“. Starmers Hoffnung bleibt, dass die Dokumente belegen können, wie umfassend Mandelsons Täuschung ihm gegenüber war. Doch muss er selbst auf diese Entlastung nun weiter warten. Die Ermittler von Scotland Yard haben nämlich wissen lassen, vorerst dürfe nichts öffentlich werden, was die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Mandelson erschweren könne.