FAZ 02.02.2026
18:33 Uhr

Epstein-Skandal: Kann Mette-Marit noch Königin werden?


Nach den neuen Epstein-Enthüllungen geht selbst Norwegens Ministerpräsident auf Distanz zur Kronprinzessin. Und Mette-Marits Sohn Høiby wurde kurz vor Beginn seines Prozesses abermals festgenommen.

Epstein-Skandal: Kann Mette-Marit noch Königin werden?

Der norwegische König Harald V. feiert bald seinen 89. Geburtstag. Er ist gesundheitlich angeschlagen, seit Langem übernimmt sein Sohn, Kronprinz Haakon, die meisten öffentlichen Auftritte. In Norwegen gilt es als ausgemacht, dass Haakon in nicht allzu ferner Zukunft einen guten König abgeben dürfte. Seine Frau, Kronprinzessin Mette-Marit, wird dann Königin. Aber kann sie das überhaupt noch, fragt man sich in Norwegen, nachdem ihr Austausch mit dem Sexualstraf­täter Jeffrey Epstein öffentlich wurde? Probleme hat das Königshaus seit Längerem. An diesem Dienstag beginnt in ­Oslo der Prozess gegen Mette-Marits unehelichen Sohn Marius Borg Høiby unter anderem wegen Vergewaltigungen. Høiby wurde am Sonntag, zwei Tage vor Prozessbeginn, wegen Körperverletzung, Messerbedrohung und Verstoß gegen ein Kontaktverbot festgenommen. Das bestätigte am Montag die Osloer Polizei laut norwegischen Medien. Er muss für mindestens vier Wochen in Untersuchungshaft, wie ein Richter am Nachmittag in Oslo entschied. Das berichtet die Nachrichtenagentur NTB. Auch Prinzessin Märtha Louise sorgt immer wieder für Aufsehen, etwa wegen ihrer Heirat mit einem „Schamanen“. Aber sie steht in der Thronfolge weit unten und gilt, wie die Zeitung „Aftenposten“ nun schrieb, als „verrückte Nebenhandlung in der Geschichte des Königshauses“. Høiby wiederum ist formal gar nicht Teil des­selben. Der Skandal um Mette-Marit aber trifft das Königshaus im Innersten. In viel engerem Kontakt als bislang angegeben Zwischen Regierung und Königshaus passt normalerweise kein Blatt, so eng wird die gemeinsame Linie abgestimmt. Doch selbst Ministerpräsident Jonas Gahr Støre ging auf Abstand zur Kronprinzessin. Er verstehe, dass nun viele auf das reagierten, was in den Epstein-Dokumenten zum Vorschein komme, sagte er am Sonntag. „Das tue ich auch.“ Schließlich seien Informationen bekannt geworden, die nicht mit dem übereinstimmten, was zuvor in der Öffentlichkeit bekannt gewesen sei. Bekannt ist, dass Mette-Marit in viel engerem Kontakt zu Epstein stand, als sie bisher angegeben hatte. Die Kronprinzessin traf ihn mehrmals, wohnte in seinem Haus in Florida, nannte ihn „charmant“, tauschte sich mit ihm über seine „Frauenjagd“ aus, auch über seine Vorliebe für Mädchen. Anders als angegeben wusste sie wohl auch über seine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs Bescheid. 2019 hatte sie angegeben, dass sie nie etwas mit ihm zu tun gehabt hätte, wenn sie sich der Schwere seiner Straftaten bewusst gewesen wäre. Zudem teilte das Königshaus damals mit, der Kontakt sei 2013 abgebrochen. In den Dokumenten zeigt sich aber, dass er noch 2014 andauerte. Dazu sagte nun Mette-Marits Sprecher: „Leider haben wir uns in der letzten Runde etwas falsch an den genauen Zeitpunkt erinnert.“ Ein schlechtes Urteilsvermögen Die Kronprinzessin habe selbst mit­geteilt, dass sie ein schlechtes Urteilsvermögen bewiesen habe, sagte Ministerpräsident Støre am Sonntag. Das sehe er „ebenfalls so“. Am Montag forderte er die Kronprinzessin wie auch die anderen Norweger auf, die in den Epstein-Dokumenten vorkommen, „sich zur Wahrheit über das Geschehene“ zu äußern. Die genannten Personen sollten „gute Antworten liefern“ und sagen, in welchem Umfang ihre Kontakte zu Epstein stattgefunden hätten. Der Ministerpräsident bezog sich damit auch auf Thorbjørn Jagland, dem er ebenfalls ein schlechtes Urteilsvermögen vorgeworfen hatte – was dieser umgehend eingestand. Jagland ist einer von Støres Vorgängern als Ministerpräsident, ein Parteifreund von der sozialdemokratischen Arbeiterpartei und einer der prägenden Politiker des Landes. Auch er stand im Austausch mit Epstein, plante offenbar sogar einen Ausflug auf dessen Karibikinsel, wo viele der Sexualstraftaten stattgefunden haben sollen, zu dem es dann aber offen­bar nicht kam. Epstein bat Jagland den Dokumenten zufolge, ihn mit Russlands Außenminister Sergej Lawrow in Verbindung zu bringen. Jagland teilte dazu mit, er distanziere sich entschieden von dem, was über Epsteins Privatleben bekannt geworden sei. Er hätte diesen Kontakt nie gehabt, wenn er gewusst hätte, was nun bekannt sei. Er habe mit sehr vielen Menschen im Kontakt gestanden, das sei Teil seiner diplomatischen Tätigkeit.