Mit einem Kredit in Höhe von 4,7 Millionen Euro wollte der frühere Trump-Chefberater Steve Bannon dem französischen Rassemblement National (RN) im Jahr 2019 zu einem erfolgreichen Europawahlkampf verhelfen. Das geht aus den vom amerikanischen Justizministerium veröffentlichten Dokumenten zur Epstein-Affäre hervor, in denen der Name Le Pen 88 Mal auftaucht. Im Juli 2018 fand demnach ein Treffen von Marine Le Pens damaligem Lebensgefährten, dem stellvertretenden Parteivorsitzenden Louis Aliot, und Bannon in einem Londoner Luxushotel statt. Der amerikanische Journalist Michael Wolff schrieb am 12. Juli 2018 in einer vom Justizministerium veröffentlichten E-Mail an Jeffrey Epstein, er habe Bannon getroffen, der ihm von der Unterredung mit Aliot berichtete und diesen fälschlicherweise als Ehemann Le Pens bezeichnete. Es sei „um die Refinanzierung des Front National gegangen, da ein Großteil ihrer Mittel offenbar aus Russland stammt“. „Damit beschäftigt, Geld für Le Pen und Salvini zu sammeln“ Aliot und seine Berater wirkten laut Bannon „wie totale Idioten, die im Reich von Megalomania leben“, schrieb Wolff. In seiner Mail an Epstein hieß es weiter: Bannon sei – umgeben von seinen wie Schläger aussehenden Leibwächtern und seinen verrückten Blogger-Beratern – gerade deshalb so erfolgreich, weil die Welt des Populismus so unprofessionell, ja sogar grotesk sei. Bannon war im März 2018 als Stargast beim Gründungsparteitag des RN in Lille aufgetreten. 2014 hatte die damals noch Front National genannte rechtsextreme Partei zwei Kredite in Höhe von insgesamt elf Millionen Euro von Banken erhalten, die dem Kreml nahestanden. Die Frage der Finanzierung des RN taucht wiederholt in den veröffentlichten E-Mails Epsteins auf. Im März 2019 schrieb Bannon ihm, er sei „damit beschäftigt, Geld für Le Pen und Salvini zu sammeln“. Im April schrieb Bannon an Epstein: „Ich habe gerade meine Leute beim Front National angerufen – ich glaube, ich habe bei ihrer Finanzierung ins Schwarze getroffen!!!“ Epstein wollte die „Gelbwesten“ treffen Das dürfte auf die „patriotische Anleihe“ abheben, mit der die Partei Le Pens im April 2019 mehr als vier Millionen Euro über private Spenden für den Wahlkampf sammelte. „Le Pen wird mit einer Ankündigung warten, da die Medien bereits wegen der Höhe der gesammelten Gelder in Aufruhr sind“, schrieb Bannon an Epstein. Kurz vor dem Europawahltermin 2019 schrieb Epstein über „ein Treffen mit den Gelbwesten“, das er „ungeduldig erwartet“. „Ich muss sie dazu bringen, dass sie sich dem RN anschließen“, antwortete Bannon. Direkt nach dem Wahltag schrieb Bannon an Epstein: „D-Day“. Der RN wurde mit 23,3 Prozent der Stimmen zur stärksten Kraft. „Le Pen kontrolliert fortan die Lage“, so Bannon. Epstein besaß seit 2002 eine 800 Quadratmeter große Wohnung an der vornehmen Avenue Foch. Der RN-Abgeordnete Jean-Philippe Tanguy versuchte am Dienstag, die Kontakte zu Epstein und Bannon herunterzuspielen. „Wir werden in einer Art Presseschau erwähnt“, sagte Tanguy. Seine Partei hatte im Jahr 2019 3,3 Millionen Euro im Rahmen der staatlichen Wahlkampfkostenerstattung für den Europawahlkampf erhalten.
