FAZ 09.02.2026
11:11 Uhr

Epstein-Affäre: Starmer in Gefahr


Im Zuge der Epstein-Affäre entlässt der britische Premierminister seinen Stabschef. Doch nun schwindet sein Rückhalt in den eigenen Reihen. Rücktrittsforderungen werden laut.

Epstein-Affäre: Starmer in Gefahr

Der britische Premierminister Keir Starmer sieht sich nach dem Rücktritt seines Stabschefs Morgan McSweeney nun selbst Forderungen aus der eigenen Partei ausgesetzt, seinen Platz zu räumen. Eine Handvoll Mitglieder seiner Regierungsfraktion forderten ihn dazu öffentlich auf. Brian Leishman, der den schottischen Wahlkreis Grangemouth in Westminster repräsentiert und zu den schärfsten innerparteilichen Kritikern Starmers zählt, rief den Premier dazu auf, „sich seiner Lage bewusst zu werden“ und sich zu fragen, ob er nicht „zum Nutzen des Landes und der Labour Partei“ sein Amt aufgeben müsse. McSweeney hatte in einer Erklärung zu seinem Rücktritt die Verantwortung dafür übernommen, dem Premierminister vor einem Jahr empfohlen zu haben, den einstigen Lord Peter Mandelson mit der Funktion des britischen Botschafters in Washington zu betrauen. Starmer entließ Mandelson im vergangenen September wieder, nachdem dessen anhaltend enge Verbindung zu dem amerikanischen Finanzier und sexuellen Missbrauchstäter Jeffrey Epstein öffentlich geworden war. Neue Schriftstücke nähren nun die Vermutung, Mandelson könnte Epstein einst auch britische Regierungsinterna verraten haben. Rücktrittsforderungen auch aus den Gewerkschaften Starmer appellierte am Montagmorgen auf einer Sitzung seiner Regierungsfraktion an die Abgeordneten, die Nerven zu behalten und nicht im innerparteilichen Streit zu versinken. Führende Fraktionsmitglieder wie die Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Unterhaus, Emily Thornberry, unterstützten ihn. Sie sagte, der Rücktritt des Stabschefs biete nun die Chance eines Neubeginns. Unterdessen gibt es auch erste Stimmen aus den mit Labour eng verbundenen Gewerkschaften, die einen Wechsel an der Regierungsspitze verlangen. Der Chef der Gewerkschaft der Feuerwehrleute, Steve Wright,  forderte Starmer zum Rücktritt auf. Die Parteichefs der oppositionellen Konservativen und Liberaldemokraten, Kemi Badenoch und Ed Davey, hießen McSweeneys Rücktritt gut, befanden aber, das befreie Starmer nicht davon, selbst Verantwortung für die Berufung Mandelsons zu übernehmen. Kommunikation soll öffentlich gemacht werden Der Premierminister sagte, die Partei und er selbst schuldeten McSweeney Dankbarkeit. Der Stabschef war seit dem Moment an Starmers Seite, an dem dieser vor knapp sechs Jahren den Vorsitz der Labour Partei übernommen hatte; er gilt als einer der strategischen Köpfe, die Labours Wahlsieg im Juli 2024 vorbereiteten, indem sie die Partei disziplinierten. McSweeney gab in seinem Rücktrittsschreiben an, es sei „in den vergangenen Jahren viel über mich gesagt und geschrieben worden“, seine Motivation sei jedoch stets gewesen, eine Regierung zu unterstützen, die „das Leben der einfachen Menschen an die erste Stelle stellt und die uns in eine bessere Zukunft für unser großartiges Land führt“. McSweeney fuhr fort, er habe „immer daran geglaubt, dass es Augenblicke gebe, wo Du Deine Verantwortung akzeptieren und zur Seite treten musst, um der großen Sache willen“. McSweeneys Vorgesetzter Starmer muss jetzt hoffen, dass ihm dieses Prinzip nicht selbst vorgehalten wird. Die Londoner Polizei hat Ermittlungen gegen Mandelson wegen „Fehlverhaltens in einem öffentlichen Amt“ eingeleitet. Die Regierung hat im Parlament versprochen, alle Schriftstücke zu veröffentlichen, die mit der Berufung Mandelsons zum Botschafter in Verbindung stehen; zudem solle die Kommunikation zwischen Regierungsmitgliedern und Mandelson während seiner Zeit als Botschafter öffentlich gemacht werden. Starmer muss hoffen, dass in diesem umfangreichen Schriftverkehr keine Umstände stecken, die zu weiteren Rücktrittsforderungen gegen ihn führen.