FAZ 09.02.2026
18:12 Uhr

Epstein-Affäre: Immer mehr Labour-Politiker verlangen Starmers Rücktritt


Im Zuge der Epstein-Affäre entlässt der britische Premierminister seinen Stabschef. Doch nun schwindet sein Rückhalt in den eigenen Reihen.

Epstein-Affäre: Immer mehr Labour-Politiker verlangen Starmers Rücktritt

Der britische Premierminister Keir Starmer sieht sich nach dem Rücktritt seines Stabschefs Morgan McSweeney nun selbst Forderungen aus der eigenen Partei ausgesetzt, seinen Platz zu räumen. Neben einigen Abgeordneten verlangte am Montag auch der schottische Labour-Chef Anas Sawar, der im Mai Regionalwahlen bestehen muss, Starmer müsse gehen. Alle wichtigen Ressortschefs aus Starmers Kabinett gaben daraufhin Solidaritätserklärungen für den Premierminister ab. McSweeneys Entscheidung, seine zentrale Rolle in der Downing Street 10 aufzugeben, war von der Absicht motiviert, die Verantwortung für die Berufung Peter Mandelsons zum britischen Botschafter in Washington auf sich – und von Starmer weg – zu lenken. Mandelson, eine graue Eminenz der Labour-Partei, hielt anhaltend enge Kontakte zu dem Finanzier und Sexualstraftäter Jeffrey Epstein, die länger dauerten und intensiver waren, als er glauben machen wollte. Sowohl Starmer als auch McSweeney wussten zum Zeitpunkt seiner Berufung, dass Mandelson zu Epstein auch nach dessen Verurteilung im Jahr 2008 weiter in Kontakt stand. Minister erklären Unterstützung für Starmer Am Montagmorgen nahm ein wei­terer Mitarbeiter aus dem Stab Starmers seinen Abschied. Kommunikationschef Tim Allan, der diese Rolle erst seit September innehatte, teilte mit, er gehe, um dem Premierminister die Möglichkeit zu geben, „ein neues Team aufzubauen“. Und während ein Regierungssprecher sich am Montag um die Darstellung bemühte, Starmer arbeite zuversichtlich und gut gelaunt an einer besseren Zukunft für Großbritannien, mehrten sich die Stimmen aus der Labour-Regierungsfraktion, die seine Zukunft am seidenen Faden hängen sehen. Brian Leishman, der den schottischen Wahlkreis Grangemouth in Westminster repräsentiert und zu den schärfsten innerparteilichen Kritikern Starmers zählt, forderte ihn auf, „sich seiner Lage bewusst zu werden“ und sich zu fragen, ob er nicht „zum Nutzen des Landes und der Labour-Partei“ sein Amt aufgeben müsse. Und die aus ­Wales stammende Abgeordnete Ruth Jones urteilte, Starmer sei „verwundet“. Ob es eine töd­liche Verwundung sei, müssten die Ergebnisse einer Nachwahl zum Unterhaus in zweieinhalb Wochen und der Regionalwahlen Anfang Mai zeigen. Außenministerin Yvette Cooper, Innenministerin Shabana Mahmood und der stellvertretende Premierminister David Lammy stützten hingegen den Premierminister. Sie gaben an, Starmer habe bei seinem deutlichen Wahlsieg im Sommer 2024 ein Mandat für fünf Jahre erhalten, sie wollten mit ihm weiter an Reformen für Großbritannien arbeiten. Auch der als möglicher Nachfolger gehandelte Gesundheitsminister Wes Streeting sprach sich für Starmer aus. Für Montagabend war eine Aussprache Starmers mit den Abgeordneten seiner Regierungsfraktion terminiert. Am Morgen hatte er in einer Ansprache an die Mitarbeiter seines Amtssitzes in der Downing Street beteuert, er wolle „dem Land weiter dienen“. Ein Sprecher sagte, Starmer habe sich „positiv, kompetent und entschlossen“ gezeigt. Die Bedeutung des zurückgetretenen Stabschefs Der Premierminister sagte zum Rücktritt seines Stabschefs, die Partei und er selbst schuldeten ihm Dankbarkeit. McSweeney war seit dem Moment an Starmers Seite, an dem dieser vor knapp sechs Jahren den Vorsitz der Labour-Partei übernommen hatte; er gilt als einer der strategischen Köpfe, die Labours Wahlsieg im Juli 2024 vorbereiteten, indem sie die Partei disziplinierten. McSweeney gab in einer Erklärung an, es sei „in den vergangenen Jahren viel über mich gesagt und geschrieben worden“, seine Motivation sei aber stets gewesen, eine Regierung zu un­terstützen, die „das Leben der ein­fachen Menschen an die erste Stelle stellt und die uns in eine bessere Zukunft für unser großartiges Land führt“. Er fuhr fort, er habe „immer daran geglaubt, dass es Augenblicke gebe, wo du deine Verantwortung akzeptieren und zur Seite treten musst um der großen Sache willen“. McSweeneys Vorgesetzter Starmer muss jetzt hoffen, dass ihm dieses Prinzip nicht selbst vorgehalten wird. Die Londoner Polizei hat Ermittlungen gegen Mandelson wegen „Fehl­verhaltens in einem öffentlichen Amt“ eingeleitet. Die Regierung hat im Parlament versprochen, alle Schriftstücke zu veröffentlichen, die mit der Be­rufung Mandelsons zum Botschafter in Verbindung stehen; zudem solle die Kommunikation zwischen Re­gierungsmitgliedern und Mandelson wäh­rend seiner Zeit als Botschafter öffentlich gemacht werden. Starmer muss darauf vertrauen, dass in diesem umfangreichen Schriftverkehr keine Umstände stecken, die zu weiteren Rücktrittsforderungen gegen ihn führen.