FAZ 05.01.2026
08:45 Uhr

Empörung in Kopenhagen: Dänemark weist US-Anspruch auf Grönland zurück


US-Präsident Trump macht abermals Ansprüche auf Grönland geltend – und verspottet Dänemark. Die nördlichen NATO-Partner wehren sich. Auch der deutsche Außenminister stellt sich an Dänemarks Seite.

Empörung in Kopenhagen: Dänemark weist US-Anspruch auf Grönland zurück

Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland haben einen abermals von US-Präsident Donald Trump geäußerten Gebietsanspruch auf Grönland deutlich zurückgewiesen. Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen erklärte, die Vereinigten Staaten hätten „überhaupt kein Recht“ einen Teil der dänischen Staatsgemeinschaft zu annektieren. Sie rief die USA dazu auf, „mit den Drohungen aufzuhören gegen einen historisch engen Verbündeten und gegen ein anderes Land und ein anderes Volk, das deutlich gesagt hat, dass es nicht zum Verkauf steht“. Trump ließ sich davon nicht beirren. Während eines Flugs nach Washington sagte er wenig später am Sonntagabend (Ortszeit) erneut vor Journalisten, „wir brauchen Grönland mit Blick auf die nationale Sicherheit“. Die Insel sei von großer strategischer Bedeutung, sei aktuell aber von russischen und chinesischen Schiffen umgeben. „Dänemark wird das nicht schaffen, das kann ich Ihnen sagen“, sagte Trump. Auch für die Europäische Union sei klar, dass die USA Grönland „haben“ sollten, behauptete Trump. „Wir werden uns in rund zwei Monaten um Grönland kümmern“, sagte Trump und fügte hinzu: „Lassen sie uns in 20 Tagen über Grönland sprechen“. Dann machte sich Trump noch ausdrücklich über den NATO-Partner Dänemark lustig: „Wissen Sie, was Dänemark jüngst gemacht hat? Um die Sicherheit in Grönland zu verstärken, haben sie noch einen Hundeschlitten hinzugefügt. Es ist wahr. Sie dachten, das war eine großartige Verstärkung.“ Trump hatte schon öfter damit gedroht, Grönland den USA einzuverleiben. Auch militärische Mittel schloss er nicht aus. Skandinavische Staaten stärken Dänemark den Rücken Die Regierungschefs von Schweden und Norwegen sowie Finnlands Präsident stellten sich öffentlich hinter Frederiksens Erklärung. Norwegens Ministerpräsident Jonas Gahr Store schrieb auf der Plattform X: „Grönland ist ein integraler Teil des Königreichs Dänemark. Norwegen steht in voller Solidarität an der Seite des Königreichs Dänemarks.“ Schwedens Ulf Kristersson teilte mit: „Nur Dänemark und Grönland haben das Recht, über Angelegenheiten, die Dänemark und Grönland betreffen, zu entscheiden.“ Er fügte hinzu: „Schweden steht voll und ganz hinter seinem Nachbarland.“ Finnlands Präsident Alexander Stubb, dem ein besonderer Draht zum US-Präsidenten nachgesagt wird, schrieb: „Niemand entscheidet für Grönland und Dänemark außer Grönland und Dänemark selbst.“ Auch Bundesaußenminister Johann Wadephul betonte vor seiner Reise nach Litauen am Montag, dass Grönland zu Dänemark gehöre. „Also das ist unbestritten in Europa und unser europäischer Zusammenhalt in dieser Frage ist auch völlig klar“, sagte er im Deutschlandfunk. Sicherlich müsse man die Sicherheitslage in der arktischen Region in der NATO besprechen. US-Präsident Donald Trump habe richtigerweise darauf hingewiesen, dass es ein verstärktes chinesisches und russisches Interesse an dieser Region gebe. „Das berührt unsere Sicherheitsinteressen.“ Über diese Fragen sei man bereit, mit den USA zu sprechen, sagt der Außenminister. „Aber das lässt natürlich Fragen der territorialen Integrität Grönlands und Dänemarks völlig unberührt“, betont Wadephul. Umstrittener Beitrag nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela Dänemark, seine skandinavischen Nachbarländer und die USA sind allesamt NATO-Bündnispartner. Die jüngsten diplomatischen Verstimmungen schienen nach dem US-Militäreinsatz in Venezuela zunächst von einem Social-Media-Beitrag ausgelöst worden zu sein. In einem Post auf X von Ex-Regierungsberaterin und Influencerin Katie Miller war eine Karte Grönlands in den Farben der US-Flagge zu sehen. Dazu schrieb sie in Großbuchstaben ein einziges Wort: „BALD“. Katie Miller hat über ihren Mann, Trumps Vize-Stabschef Stephen Miller, noch immer enge Beziehungen ins Weiße Haus. Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen hatte sich zuvor bemüht, die Wogen zu glätten. „Lassen Sie mich zunächst ganz ruhig und ganz klar sagen, dass es weder Grund zur Panik noch zur Beunruhigung gibt“, schrieb er auf Facebook. „Unser Land steht nicht zum Verkauf, und unsere Zukunft wird nicht durch Beiträge in sozialen Medien entschieden.“ Grönland ist ein autonom verwaltetes Gebiet in der Arktis, das zu Dänemark gehört.