Die Sportjournalisten Hajo Seppelt und Jörg Mebus haben ein Hausverbot für die heutige Pressekonferenz der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) im Berliner Müggelturm erhalten. Das geht aus einem Schreiben hervor, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Ein „Sportschau“-Bericht hatte zu Beginn der Olympischen Winterspiele über angebliche Unregelmäßigkeiten bei der DESG und ein belastetes Verhältnis zwischen einigen Athleten und der Verbandsspitze berichtet. An diesem Bericht waren maßgeblich Seppelt und Mebus beteiligt. „Klarer Eingriff in die Pressefreiheit“ ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky reagierte mit Empörung auf den Ausschluss. „Die Nicht-Zulassung ausgewählter Berichterstatter zu einer offiziellen Pressekonferenz verstößt eklatant gegen Grundsätze einer freien und unabhängigen Berichterstattung und ist aus unserer Sicht grundsätzlich nicht akzeptabel.“ Es sei ein für einen deutschen Sportfachverband beispielloser Fall, sagte Balkausky. „Es ist ein einmaliger Vorgang, der bei uns auch Fragen zu der Haltung des Bundes und anderer Institutionen hinterlässt, die die DESG finanzieren.“ Der Vorgang werfe „wesentliche rechtliche Fragen auf, die wir prüfen werden“, so Balkausky weiter. Der Deutsche Olympische Sportbund als Dachorganisation kritisierte das Hausverbot durch die DESG. „Wir erwarten von unseren rechtlich eigenständig und autonom handelnden Mitgliedsorganisationen, dass sie die Pressefreiheit in gleicher Weise respektieren, wie wir das tun“, hieß es in einer Stellungnahme. Die Pressefreiheit sei ein „essenzielles Gut unserer Demokratie, das der DOSB selbstverständlich respektiert und wertschätzt“. Große: „Jeder kann mit mir sprechen, außer Jörg Mebus und Hajo Seppelt“ Große unterdessen verteidigte das Hausverbot an diesem Donnerstag und sprach von einer „Schmutzkampagne“ gegen seinen Verband. „Das, was passiert ist, ist die größte Schande. Jeder kann mit mir sprechen, außer Jörg Mebus und Hajo Seppelt“, sagte Große. „Die ARD und Hajo Seppelt haben uns die Olympischen Spiele gecrasht und das lassen wir nicht zu. Das geht so nicht.“ Auch der Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS) protestierte gegen den Ausschluss von Seppelt und Mebus. „Die Nicht-Zulassung der Kollegen werten wir als klaren Eingriff in die Pressefreiheit“, schrieb der Verband in einem an die DESG gerichteten Schreiben. „Ihre Gemeinschaft wird mit öffentlichen Geldern gefördert, an die daraus erwachsende Verantwortung möchten wir hier eindringlich erinnern.“ Dem Versuch, kritischen Sportjournalismus zu reglementieren, trete man „vehement entgegen“, schrieb der VDS weiter. „Zudem sind die von Ihnen aufgeführten Bedingungen zur Teilnahme an dieser Pressekonferenz inakzeptabel.“ Denn „Filmaufnahmen, Videoaufzeichnungen, Tonaufnahmen, Live-Streams sowie sonstige elektronische Mitschnitte sind nicht gestattet, heißt es von ihrer Seite“. Auf der Pressekonferenz wollte die DESG um den umstrittenen Präsidenten Matthias Große Stellung zu dem Bericht beziehen. Der Berliner Müggelturm gehört Große. Der Lebensgefährte der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein steht seit 2020 an der Spitze der DESG.
