FAZ 11.02.2026
14:28 Uhr

Eklat beim Biathlon: Egoist im Mittelpunkt


Mit einem öffentlichen Geständnis will Bronzemedaillengewinner Sturla Holm Laegreid seine Verflossene zurückgewinnen und raubt so einem großen Moment die Würde. Einer Person muss man aber gratulieren.

Eklat beim Biathlon: Egoist im Mittelpunkt

Wenn der Druck abfällt, eine Medaille gewonnen oder das entscheidende Tor geschossen ist, reagiert jeder Sportler anders. Fußballer spüren oft den Drang sich auszuziehen, zumindest das Trikot vom Körper zu reißen. Andere schicken Grüße an Mama und Oma in die Kamera, wieder andere gedenken verstorbener Freunde und Verwandte. Der norwegische Biathlet Sturla Holm Laegreid hatte vor seinem Gewinn der Bronzemedaille im olympischen Einzelrennen den Plan gefasst, sich auf andere Art und Weise zu entblößen. Indem er den „größten Fehler“ seines Lebens offenbarte: Er habe vor drei Monaten seine Freundin, nun seine Ex, mit einer anderen Frau betrogen. Mitten im Interview mit dem norwegischen Fernsehsender NRK sagte er unter Tränen, dass er ihr das vor einer Woche gestanden habe. „Die schlimmste Woche meines Lebens“ sei das gewesen, weil sie doch die „Liebe seines Lebens“ sei und er nun hoffe, sie, seine „verlorene Goldmedaille“, mit diesem Auftritt zurückzugewinnen. Dieses Geständnis war in vielerlei Hinsicht fehl am Platz. Das Thema überlagerte den Olympiasieg von Laegreids Teamkollegen Johan-Olav Botn. Der 26-Jährige hat nicht nur eine, sondern viele schlimme Wochen hinter sich. Am Tag vor Weihnachten fand er seinen Freund und Teamkollegen Sivert Guttorm Bakken während eines Trainingslagers tot in dessen Bett. Woran Bakken gestorben ist, steht noch nicht fest, die Ergebnisse der rechtsmedizinischen Untersuchung sollen Anfang März veröffentlicht werden. Während Laegreid um seine Verflossene weinte, weinte Botn um seinen toten Freund und freute sich gleichzeitig darüber, dass er den Traum vom Olympiasieg, den er zusammen mit Bakken träumte, verwirklicht hat. Mit dem besten Einzelrennen seines Lebens in Antholz: 20 Schuss, 20 Treffer. Der Betrüger versucht sich in Schadensbegrenzung In der Pressekonferenz nach der Siegerehrung wurde er aber nicht nur gefragt, wie ihm das gelungen war und was ihm dieser Triumph bedeutet, sondern er musste sich auch die Frage gefallen lassen, was er von dem Zeitpunkt des Geständnisses halte. Ebenso der Silbermedaillengewinner Eric Perrot aus Frankreich. Beide moderierten das Thema schnell ab, erklärten, Laegreid könne sagen, was er wolle, sie würden schon ihre eigenen Schlagzeilen bei diesen Spielen produzieren. Der Betrüger selbst merkte schnell, dass nicht er die Hauptperson des Tages sein sollte und beeilte sich mit der Erklärung, er habe Botn nicht die Show stehlen wollen. Zu spät. Nicht nur norwegische Medien präsentierten den Seitensprung am Mittwoch prominenter als den Olympiasieg. Laegreid versuchte sich in Schadensbegrenzung, bat nicht nur Botn, sondern auch seine ehemalige Freundin um Entschuldigung. Die wiederum, das behauptet eine norwegische Zeitung, habe sich in einem Brief zu allem geäußert. Sie wolle anonym bleiben, der Seitensprung sei „schwer zu vergeben. Selbst nach einer Liebeserklärung vor der ganzen Welt“. Schnell wurde ihr die Opferrolle zugeschrieben, ihr Privatleben sei vor einem Millionenpublikum entblößt, sie gegen ihren Willen in die Öffentlichkeit gezogen worden. Das kann man so sehen. Man sollte ihr aber gratulieren. Zu der goldrichtigen Entscheidung, sich von einem bekennenden Betrüger und offenkundigen Selbstdarsteller getrennt zu haben.