FAZ 20.02.2026
14:14 Uhr

Eishockey-Königin Knight: Erst der Heiratsantrag, dann der Olympiasieg


Hilary Knight führt die Eishockey-Frauen der USA gegen Erzrivale Kanada zum dritten Olympiasieg – mit einem flammenden Appell vor der Verlängerung. Aufregender ist für sie jedoch ihr Heiratsantrag.

Eishockey-Königin Knight: Erst der Heiratsantrag, dann der Olympiasieg

In der schnellsten Mannschaftssportart der Welt dauert ausgerechnet die Siegerehrung traditionell am längsten. Helfer mussten auch in Mailand zunächst auf dem Eis Teppiche verlegen, damit die Fotografen und Kameraleute den Moment für die Ewigkeit festhalten und die Medaillenboten sicheren Fußes den Athletinnen den Lohn für ihre Mühe aushändigen konnten. Es dauerte mehr als dreißig Minuten. Der Stadionsprecher bat das Publikum wiederholt um Geduld: Die Zeremonie werde „bald“ beginnen. Die Kanadierinnen, die sich als Verliererinnen an den Rand des Geschehens zurückgezogen hatten, starrten mit leerem Blick vor sich hin; vereinzelt nahmen sie einander zum Trost in den Arm. Unfreiwillig lange mussten sie mitansehen, wie die Amerikanerinnen ihren Triumph zelebrierten. Von den Rängen bekamen die Gewinnerinnen von ihren Fans unter den 11.171 Zuschauern immer wieder Stars-and-Stripes-Flaggen über die Plexiglasbande geworfen – perfekte Requisiten, um eine patriotische Jubelshow abzuziehen. Das Team von Trainer John Wroblewski entriss seinem Erzrivalen im ewigen Finalduell auf dramatische Art den Sieg und krönte sich zum dritten Mal zum Champion unter den fünf Ringen. Megan Keller gelang nach 4:07 Minuten in der Overtime das Golden Goal zum 2:1 (0:0, 0:1, 1:0, 1:0). Die USA nahmen damit im dreißigsten Finale der beiden führenden Nationen im Frauen-Eishockey Revanche für das verlorene Endspiel vor vier Jahren in Peking (2:3). Dass es so weit kommen konnte, hatten die Amerikanerinnen Hilary Knight zu verdanken. Als die Uhr auf dem Videowürfel unter der Hallendecke dem Ende des dritten Drittels entgegenlief, rückte sie in den Slot: 124 Sekunden vor Schluss hielt sie den Schläger in den Schuss von Laila Edwards und gab dem Puck die entscheidende Richtungsänderung. Es war kein Kunststück für die Highlight-Clips der Veranstaltung, aber ein Treffer voller Entschlossenheit und mit maximaler Bedeutung. Abbey Murphy, ihre Sturm-Kollegin, fand dafür einen kurzen Satz, der große Bewunderung und Erstaunen gleichermaßen ausdrückte: „Legenden tun legendäre Dinge.“ Ring aus Silber, Medaille aus Gold Mit ihrem Bravourstück wuchs Knights olympische Bilanz auf 15 Tore und 33 Punkte – beides Rekorde in den Statistikbüchern von USA Hockey. Später wurde auch Keller zur Schlüsselfigur. Die Verteidigerin entschied die Verlängerung im Drei-gegen-Drei, als sie im Alleingang die Scheibe unter den Schonern von Kanadas Torfrau Ann-Renée Desbiens hindurchschob – und sprach danach fast noch mehr über Knights Klasse: „Sie ist die Anführerin und der Herzschlag unserer Gruppe.“ Caroline Harvey hob die Ruhe der 36-Jährigen hervor, die in der Profiliga bei den Boston Blades unter Vertrag steht, und betonte, dass man sich „in jeder Situation auf sie verlassen“ könne. Als sie sich nach der regulären Spielzeit versammelt hatten, war es Knight, die in einem flammenden Appell ihren Auftrag an die Truppe formulierte: „Wer wird die Heldin sein?“, fragte sie, „wir brauchen eine Heldin und die Heldin ist in diesem Raum.“ Sie selbst lächelte, als sie zu später Stunde in den Katakomben der Halle darauf angesprochen wurde. „Wir werden das Spiel gewinnen“, sei zu jedem Moment ihr Gedanke gewesen, „es war einfach so simpel.“ Ihre Unaufgeregtheit trug sie durch die bewegten Tage in Mailand, die für sie weit über Sport hinausgingen. „Ich hatte persönlich eine Wahnsinnswoche. Es war eine unglaubliche Reise“, sagte Knight. Am Tag vor dem Finale machte sie ihrer Freundin, der Eisschnellläuferin Brittany Bowe, die über 1000 Meter und in der Mannschaftsverfolgung jeweils Vierte wurde, den Heiratsantrag. Kennengelernt hatten sich die beiden 2018 in Pyeongchang, vier Jahre darauf, nach den Corona-Winterspielen in Peking, wurden sie ein Paar. Nun habe der gemeinsame Olympia-Trip den perfekten Rahmen für die Zukunftsplanung, „weil sich hier ein Kreis schloss“, wie es Knight schilderte. „Ich glaube, ich war wegen des Antrags nervöser als wegen des Goldmedaillenspiels. Meine Beine fühlten sich an wie Wackelpudding.“ Als sie danach am Mittwoch zum Training in die Kabine gekommen war, klang lautstark „Marry You“ aus den Boxen – die Kolleginnen hatten die Neuigkeit in den sozialen Medien längst gesehen. Knight bestätigte in der Nacht zu Freitag, als die ersehnte Auszeichnung um ihren Hals baumelte, dass das ihr letzter Auftritt im Nationaltrikot war. Fünf Olympia-Turniere liegen hinter ihr. In Mailand habe sich alles zu einem stimmigen Ende zusammengefügt: Der Ring, den sie und Bowe als Zeichen ihrer Verbindung fortan tragen, ist aus Silber, die Medaille aus Gold. Glänzenderes hätte die Zeit in Italien nicht bringen können.