FAZ 28.12.2025
14:46 Uhr

Eisbachwelle ohne Rampe: „Eingriff in den urbanen Freiraum“


Gerade erst eingebaut und schon wieder weg: Die Stadt München hat die heimlich installierte Rampe entfernen lassen, die die Eisbachwelle für Surfer wiederhergestellt hat.

Eisbachwelle ohne Rampe: „Eingriff in den urbanen Freiraum“

Mit Unterstützung der Polizei hat die Stadt München am Sonntagmorgen die Rampe wieder abgebaut, die unbekannte Surfer offenbar in der Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag im Eisbach versenkt hatten. Auf Videos, die Surfer auf Instagram gepostet haben, sieht man Feuerwehrleute, die von einem Kran auf der Brücke über dem Eisbach herabgelassen werden, um Seile abzumontieren: Mit diesen Seilen war die Holzrampe im Wasser befestigt. Auf dem Reel eines Surfers, der die Arbeiten der Feuerwehr mit Reggaemusik unterlegt hat, steht:   „We are ready for Olympia“ – versehen mit Lachsmiley und dem Hang-Loose-Emoji. Zudem fragt der Surfer: „Does Munich include this for the olympic application form? Just asking“ Die rhetorische Frage, ob diese Demontage der Rampe und damit der Welle zu der von München mit Feuereifer betriebenen Bewerbung für Olympia passt, markiert einen weiteren Höhepunkt in dem Konflikt zwischen Stadtverwaltung und Surfercommunity. Scharf kritisiert wird die Entfernung der nicht genehmigten und heimlich eingebauten Holzkonstruktion von dem Surf Club München e.V. , der gleich die Freiheit der Bürger in Gefahr sieht. Die Stadt, so heißt es in einer Stellungnahme, greife so „massiv in einen seit Jahrzehnten gelebten, international bekannten urbanen Freiraum“ ein. Die Eisbachwelle wird fast schon zum mythischen Symbol erhoben: Sie sei „kein beliebiges Bauwerk, sondern der Geburtsort des Riversurfens“ – ein Ort von gelebter Stadtkultur, von Sport, Begegnung und Freiheit mitten in München. Kritisiert wird, dass die Verwaltung handele, während „die Politik“ schweige. Die Surfer berufen sich auf nichts weniger als die „Liberalitas Bavariae“ und beklagen, wie denn die Stadtpolitik es zulassen könne,  dass „Verwaltungsvorgaben definieren, wie Bürgerinnen und Bürger ihre eigene Stadt nutzen dürfen?“ Die Eisbachwelle stehe doch sinnbildlich für ein München, „das sich durch Offenheit, Kreativität und selbstorganisierte Nutzung öffentlicher Räume auszeichnet“. Die politischen Verantwortlichen im Stadtrat müssten jetzt eine „politische Entscheidung“ treffen, gefordert wird ein „echter Dialog“. Die Frage ist demnach, „wer entscheidet, wie München lebt“. Angriff auf die Liberalitas Bavariae? Die von der Stadt entfernte Rampe hatte das Wasser wieder zu einer einigermaßen surfbaren Welle geformt: Einige Surfer zog es sofort wieder zu ihrer geliebten Welle, um dort ein paar Runden zu surfen – auch wenn die Bedingungen immer noch nicht ideal waren. Die Welle schäumte trotz Rampe nach wie vor eher als weiße Walze und zeigte nur in der Mitte den glatten, grünen Wellenbogen, der die Eisbachwelle sonst auszeichnet. Laut Allgemeinverfügung des Referats für Klima- und Umweltschutz ist der Einbau von Gegenständen in den Eisbach verboten. Verstöße können mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro geahndet werden. Der Einbau von „lenkenden und steuernden Gegenständen“ ist nach Angaben der Stadt in jedem Fall genehmigungspflichtig. Doch genau diese Genehmigung blockiere die Stadt, so die Kritik der Surfer. Denn der nicht autorisierte Einbau der Rampe war offenbar die Reaktion auf eine lange Hängepartie: Die Surfercommunity, vertreten durch die Interessengemeinschaft Surfen in München (IGSM) sowie den Surf Club München, hatte zuvor zusammen mit einem Experten für Strömungsmechanik einen Antrag gestellt, um versuchsweise eine Rampe für drei Monate in den Eisbach einzubauen. Zudem sollten Kiesablagerungen auf dem Bachgrund dazu führen, dass sich wieder eine surfbare Welle bildet. Denn diese war nach der routinemäßigen Bachauskehr im Oktober verschwunden – seitdem schäumt das Wasser des Eisbachs nur als weiße Wasserwalze. Doch die Stadtverwaltung hat nach Ansicht der Surfer den Antrag für die Rampe und somit die Wiederherstellung der Welle mit „unerfüllbaren Forderungen“ an die Sicherheit blockiert.  So bleibt zu hoffen, dass der versöhnlichere Ton, den im Gegensatz zum Surf Club München die IGSM anschlägt, sich durchsetzt. Die IGSM hatte in ihrer Kritik weniger Freiheitskampf und mehr Pragmatismus zum Ausdruck gebracht – und zudem die Hoffnung geäußert, dass bei der Stadt doch noch ein „Umdenken“ erfolge. Nur so können vermutlich die Wogen zwischen Stadt und Surfern geglättet werden.