FAZ 20.12.2025
17:50 Uhr

Eintracht zu Harmlos: „Unsere Spiele sind zäh gerade“


Eintracht Frankfurt verpasst es, mit einem Sieg in Hamburg auf die Europapokal-Ränge zu klettern. Toppmöllers Elf fehlen wieder einmal Inspiration und Spielfreude. Zahlt die Mannschaft Tribut für die Auftritte in der Königsklasse?

Eintracht zu Harmlos: „Unsere Spiele sind zäh gerade“

Neun Minuten Nachspielzeit entwickelten sich zu unbehaglichen Momenten für die Eintracht – und das sagte viel über ihren Auftritt vor 57.000 Menschen im vollbesetzten Volksparkstadion. Denn der Hamburger SV merkte, dass dem hessischen Champions-League-Teilnehmer mehr wegzunehmen sein würde. Es stand 1:1, und der HSV spielte auf Sieg. Frankfurt wirkte überrascht. Zuhause sind die Hamburger stabil und mutig genug, auch gegen ein Team aus dem Europapokal mehr zu wollen als ein ehrenwertes Remis. Der glückliche Treffer misslang dem Aufsteiger dann aber, weil Bakery Jarra bei seiner Volleyabnahme in der achten Extra-Minute aus spitzem Winkel in der verbotenen Zone stand. „Ich habe ein umkämpftes, spannendes Spiel mit einem gerechten Ausgang gesehen“, sagte Trainer Dino Toppmöller, „dabei hatten wir keine gute Halbzeit von uns gesehen, dann aber eine viel bessere zweite.“ Die Eintracht sammelte durch das Unentschieden in Hamburg den 25. Punkt und bleibt in „Schlagdistanz“ zur Spitze, wie Sportvorstand Markus Krösche später auf die ersten 15 Partien der Saison 2025/26 bezogen sagte: „Unsere Spiele sind zäh gerade. Das liegt an der Belastung in der Champions League, die deutlich größer ist als in der European League. Wir zahlen in diesem Halbjahr als junge Mannschaft an vielen Stellen Lehrgeld.“ Gerade die hohen Niederlagen in der Königsklasse hätten dem Team danach im Alltag aufs Gemüt geschlagen. In Hamburg fehlten Trainer Topmöllers Elf wieder einmal Inspiration und Spielfreude. Sicher, mit vielen absenten Profis – einige sind für den Afrika-Pokal abgestellt, andere verschnupft oder verletzt – hatte der Coach gerade vorn wenige Möglichkeiten. So rückte Ansgar Knauf in die Mitte, flankiert von Jean-Mattéo Bahoya und Ritsu Doan. Den Treffer zum Ausgleich schoss dann aber Mittelfeldspieler Hugo Larsson; nach einem Fehler des HSV-Verteidigers William Mikelbrencis traf er formvollendet ins Hamburger Gehäuse. Präpariert hatten diesen Treffer Nnamdi Collins und Nathaniel Brown (27. Minute). Überraschend kam dieses Tor, denn der HSV hatte nach seiner 1:0-Führung durch Sambi Lokonga acht Minuten zuvor ordentlich gespielt. Die Hamburger Führung ging auf die Kappe von Collins: Er spielte Lokonga den Ball im Strafraum in die Füße. Beinahe wäre den Norddeutschen direkt nach dem Ausgleich das 2:1 gelungen, als Ryan Philippe nur die Latte traf – Michael Zetterer schaute verschreckt hoch zum Querbalken. Wenig später kratzte Brown den Heber von Mikelbrencis aus der gefährlichen Zone. „Wir hätten in dieser Phase mehr aus unserem Ballbesitz machen müssen“, monierte der 45 Jahre alte Krösche, „das wird im nächsten Jahr ein wichtiger Entwicklungsschritt sein. Natürlich haben wir den Anspruch, besser zu spielen.“ Mit Højlund wird es zielstrebiger Das beinhaltet auch das Agieren gegen den Ball und die defensive Abstimmung. Ein- ums andere Mal konnten die Hamburger recht ungehindert durchs Frankfurter Mittelfeld traben. Dass nicht mehr draus wurde, lag an ihrer fehlenden Torgefahr. Auch der HSV verzichtet ja derzeit auf einige Angreifer. Besser Fußball spielten die Frankfurter ab Mitte der zweiten Halbzeit. Plötzlich lief der Ball auch mal, es entstand Gefahr, und niemand konnte so recht erklären, warum Mo Dahouds Schuss in der 77. Minute nicht im Hamburger Netz landete. Mit vereinten Kräften klärten die laut und leidenschaftlich unterstützten HSV-Profis diese brenzlige Szene durch Bakery Jatta. „In dieser Phase hatte ich das Gefühl, wir können hier mehr mitnehmen. Aufgrund der zweiten Halbzeit finde ich, dass wir hier zwei Punkte liegengelassen haben“, argumentierte Markus Krösche. Tatsächlich wurde es mit Oscar Højlund etwas zielstrebiger, er kam zur zweiten Halbzeit: „Er hat uns gute Energie gebracht“, lobte Toppmöller. Can Uzun setzte sich ab der 71. Minute hingegen offensiv kaum in Szene. Elias Baum hatte das Pech, nur 13 Minuten nach seiner Einwechslung verletzt wieder rauszumüssen. Glück hatte die Eintracht, dass Fabio Vieira hauchzart im Abseits stand, als er Ransford Königsdörffers Pass nach einem Konter gekonnt ins Netz schob (82. Minute). Auch Rasmus Kristensen musste nach einem harten Zusammenprall mit Miro Muheim verletzt vom Platz. Als dann – auch wegen rotem Feuerwerk von der prallvollen Eintracht-Fantribüne – neun Minuten Extra-Time begannen, musste an deren Ende – siehe oben – die Eintracht mit diesem zwölften Auswärtspunkt der Saison zufrieden sein. „Wir freuen uns jetzt alle auf die Pause, denn einige laufen auf der letzten Rille“, bilanzierte Toppmöller ein anstrengendes und erfolgreiches Jahr 2025.