FAZ 18.01.2026
20:16 Uhr

Eintracht sucht Trainer: Jaissle, Rose, Schmidt – wen holt Krösche?


Die Freistellung von Trainer Dino Toppmöller ist keine Überraschung. Wer folgt auf ihn bei Eintracht Frankfurt? Gehandelt werden ein alter Bekannter von Sportvorstand Markus Krösche – und ein ganz großer Name.

Eintracht sucht Trainer: Jaissle, Rose, Schmidt – wen holt Krösche?

Auch wenn der Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche nicht aus aktuellem Anlass nach einem Fußballtrainer fürs Tagesgeschäft sucht, trifft er sich ab und an mit  Fußballlehrern, wenn sich die Möglichkeit dafür ergibt und er sie noch nicht persönlich kennengelernt hat. Im Gespräch will sich Krösche einen Eindruck von ihnen verschaffen. Der 45-Jährige, der offen mit dem Thema umgeht, möchte für den Fall gewappnet sein, einen neuen Coach suchen zu müssen. Diese Situation ist nun in Frankfurt eingetreten. Am Sonntag stellte die Eintracht Trainer Dino Toppmöller frei, dessen Vertrag noch bis zum 1. Juli 2028 läuft. Von den zurückliegenden neun Pflichtspielen konnte Toppmöllers Team nur eins gewinnen. In den vergangenen drei Partien kassierte es jeweils drei Gegentreffer. 39 sind es in 18 Erstligaspielen. Nach dem glücklichen 3:3 am Freitag in Bremen hatte Krösche ein Bekenntnis zum 45 Jahre alten Toppmöller vermieden. „Unserem Anspruch bislang nur unzureichend gerecht geworden“ „Wir schätzen die fachliche Kompetenz von Dino Toppmöller, seine Professionalität, seine akribische Arbeitsweise und seinen menschlichen Umgang mit der Mannschaft sehr“, wird Krösche am Sonntag in einer Vereinsmitteilung zitiert. „Dennoch sind wir in der sportlichen Führung und gemeinschaftlich im Vorstand nach intensiver interner Bewertung zu der Überzeugung gelangt, dass wir aufgrund der rückläufigen Entwicklung in den letzten Wochen einen neuen sportlichen Impuls benötigen.“ Und weiter: „Unserem Anspruch, als Eintracht Frankfurt für einen dynamischen, aggressiven und kompakten Fußball zu stehen, sind wir in dieser Saison bislang nur unzureichend gerecht geworden.“ Den Samstag über hatten die Frankfurter intern Gespräche geführt. Der Hauptausschuss mit Präsident und Aufsichtsratschef Mathias Beck war involviert. Über eine Entscheidung wurde zunächst nichts bekannt. Klarheit herrschte einen Tag später. Als Nachfolger von Oliver Glasner hatte Toppmöller im Juli 2023 die Arbeit in Frankfurt aufgenommen. In 121 Pflichtspielen verbuchte er mit dem Team 1,51 Punkte pro Begegnung. In der zurückliegenden Spielzeit gelang der Eintracht erstmals über die Liga die Qualifikation für die Champions League. „Ich bin, unabhängig der derzeit unbefriedigenden Situation, die zweifelsohne da ist, stolz auf das, was wir gemeinsam in den vergangenen zweieinhalb Jahren erreicht haben“, wird Toppmöller in der Mitteilung des Klubs zitiert. „Ich hätte sehr gerne mit dieser Mannschaft weitergearbeitet und mich weiter den Herausforderungen, die da sind, gestellt. Aber ich akzeptiere die Entscheidung.“ Zunächst übernehmen Schmitt und Meier An diesem Mittwoch (18.45 Uhr im F.A.Z.-Liveticker/DAZN) in der wichtigen Champions-League-Begegnung in Baku gegen Qarabag Agdam übernehmen U21-Trainer Dennis Schmitt und U19-Trainer Alex Meier die Betreuung der Profimannschaft. Der Fußballlehrer Schmitt werde „die federführende Rolle innehaben“, teilte die Eintracht mit. Die Arbeit des Gespanns gäbe „uns die erforderliche Zeit, die Trainerposition dauerhaft zu besetzen“, sagte Krösche. Zu den aussichtsreichen Nachfolgekandidaten zählt Marco Rose. Er gewann 2023 mit RB Leipzig den DFB-Pokal, hinzu kam dann noch der DFL-Supercup. Im März 2025 trennten sich die Sachsen von dem heute 49-Jährigen. „Wir haben Marco viel zu verdanken. Wir haben einen Titel gewonnen. Er hat uns damals in einer fast aussichtslosen Situation noch über die Gruppenphase in der Champions League gebracht“, hatte der RB-Aufsichtsratsvorsitzende Oliver Mintzlaff gesagt. Rose startete im September 2022 seine Arbeit, als die Leipziger Zehnter in der Bundesliga waren. „Wenn du das Gespür hast, dass die Spieler nicht besser werden, dass wir keine klare Spielphilosophie auf den Platz bringen, dann musst du so eine Entscheidung treffen“, sagte Mintzlaff dann jedoch über das Ende der Zusammenarbeit mit Rose. Der Vertrag des ehemaligen Mainzer Erstligaprofis, zu dessen Trainerstationen auch Salzburg, Gladbach und Dortmund gehören, läuft noch bis zum 1. Juli 2026. Schon im Herbst des vergangenen Jahres hatte Rose gesagt, dass er „unbedingt zurück auf die Bank“ wolle und dass er in ganz viele Richtungen „sehr offen“ sei. „Es muss einfach passen“, sagte er. Roger Schmidt kennt Krösche von allen Trainerkandidaten wohl am besten. In Paderborn war Krösche Kapitän der Mannschaft, die Schmidt trainierte. Später, von Mitte 2015 an bis März 2017, fungierte er als dessen Assistent auf der Trainerbank in Leverkusen. Krösche hielt Schmidt in dieser Zeit für „absolut authentisch, er hat sich nie verstellt. Und das ist auch gut so, denn so wurde er zu dem Trainer, der er heute ist. Er ist ein sehr emotionaler Mensch, der extrem perfektionistisch und ehrgeizig ist. In jeglicher Hinsicht“, hatte Krösche damals gesagt. Auch ein großer Name gesellt sich zu den Gerüchten Nach seiner Tätigkeit im Rheinland wurde Schmidt in China mit Beijing Guoan und in den Niederlanden mit Eindhoven jeweils Pokalsieger. Mit Benfica Lissabon holte er zwischen 2022 und 2024 die Meisterschaft und den Supercup. Heute steht der 58-Jährige in Japan als Berater, als „Global Football Advisor“ der J.League, bis zum Juni dieses Jahres unter Vertrag. Der Name Matthias Jaissle fiel ebenfalls übers Wochenende, als es um mögliche Toppmöller-Erben bei der Eintracht ging. Er ist seit knapp zweieinhalb Jahren in Saudi-Arabien bei Al-Ahli tätig. Zuvor war der 37 Jahre alte gebürtige Schwabe bis 2023 Trainer von RB Salzburg. Mit Al-Ahli – dort hat er einen Vertrag bis Mitte 2027 – gewann der ehemalige Hoffenheimer Profi die asiatische Champions League. Zu den Gerüchten im Fall einer Trainerentlassung am Main gesellte sich am Wochenende ein großer Name dazu: Xabi Alonso. Real Madrid hatte den Spanier unlängst freigestellt. Mit Bayer Leverkusen war der 44 Jahre alte Alonso 2024 deutscher Meister geworden. Die Trennung von Toppmöller ist keine Überraschung. Spekulationen, es könne zu seiner Ablösung kommen, hatte Krösche in Bremen nicht widersprochen. Stattdessen formulierte er Vorhaltungen an Auftreten und Arbeitseinsatz des Teams unmissverständlich. Er sprach von wiederkehrenden Fehlern, von Leistungen, die nicht dem Anspruch des Klubs entsprächen, und davon, dass man in dieser Form nicht weitermachen könne: „Wir müssen die Themen angehen und sehen, dass wir solche Leistungen nie wieder zeigen.“ Die Negativentwicklung lässt sich beziffern. Kein Bundesligateam hat mehr Gegentreffer kassiert als die Eintracht, deren Tordifferenz bei 38:39 steht – eine Zwischenbilanz nach 18 Spieltagen, die eher auf einen Verein mit Abstiegsnöten denn internationalen Zielen schließen lässt. Inzwischen haben die Frankfurter 32 Profis unter Vertrag, das Aufgebot wurde in den vergangenen Wochen für rund 20 Millionen Euro mit einer Handvoll Neuzugängen weiter ergänzt und stellt mit einem Marktwert von fast 400 Millionen Euro den wertvollsten Kader der Klubhistorie dar. Doch auch der Jahresbeginn brachte keine Stabilisierung: Gegen Dortmund, Stuttgart und Werder gelangen je drei Tore, die nur für zwei Punkte reichten. Toppmöller nannte Punktausbeute und Anzahl der Gegentore ein „sehr leidiges Thema“. Und er fügte selbstkritisch an: „Natürlich bin ich da in allererster Linie in der Verantwortung.“  Seit Sonntag, 12.43 Uhr, hat ihn die Eintracht offiziell davon entbunden. Toppmöller sagte, dass er „jeden Tag mit großer Leidenschaft und Freude zur Eintracht gegangen“ sei. Er bezeichnete es als „schade, dass es nicht gemeinsam weitergeht“. Er wünschte der Eintracht sowohl „ruhigere“ als auch „erfolgreiche“ Zeiten – und fügte an: „Es war mir eine Ehre.“