Einer, dem nach Mario Götze die Zukunft bei der Eintracht hätte gehören können, ist längst Vergangenheit in Frankfurt. In der Fußball-Bundesliga schaffte der offensive Mittelfeldspieler Paxten Aaronson nicht den Durchbruch. Seit August 2025 verdient der 22 Jahre alte amerikanische Nationalspieler sein Geld in der Major League Soccer bei den Colorado Rapids. Der, der heute die Zukunftshoffnung auf Götzes Position verkörpert, blickt gerade auf seinen ersten Profieinsatz zurück. Love Arrhov, 17 Jahre alt, durfte beim 3:0-Heimsieg über Gladbach elf Minuten lang mitspielen. Der Junge aus Stockholm, selbstbewusst und mit einer guten Technik und Dynamik ausgestattet, ist ein vielversprechendes Talent. Jetzt muss der schwedische Juniorennationalspieler seine großen Fähigkeiten Schritt für Schritt weiterentwickeln und dann auch umsetzen, wenn er dazu die Gelegenheit bekommt. Im Zeitplan liegt er gut. Riera und Götze verstehen sich gut Und Mario Götze, das 33 Jahre alte Original? Dessen Vertrag endet am 1. Juli dieses Jahres, nach vier Jahren Zugehörigkeit zur Eintracht. Das bedeutet aber nicht, dass die Zusammenarbeit dann Vergangenheit sein wird. Beide Seiten, der Klub und der Spieler, sollen an einer gemeinsamen Zukunft interessiert sein. Wegen der Freistellung von Trainer Dino Toppmöller Mitte Januar wurden die Gespräche über eine mögliche Vertragsverlängerung aber ausgesetzt. „Es gab wichtigere Dinge“, teilte Götze den Journalisten mit. Zu diesem Zeitpunkt stand Toppmöllers Nachfolger, Albert Riera, offiziell noch nicht fest. Seit drei Wochen bringt sich der 43 Jahre alte Spanier nun mit einigem Tamtam in Frankfurt ein. Eines lässt sich schon sagen: Riera und Götze verstehen sich gut. Der Fußballlehrer setzt auf den Weltmeister von 2014, in den Partien bei Union Berlin (1:1) und gegen Gladbach zählte der Spielmacher jeweils zur Startformation, das war zuvor nicht regelmäßig der Fall. Im Anschluss an seine Auswechslung im Heimspiel umarmten sich beide, wie sie auch nach dem Abpfiff angeregt ihre gewonnenen Erkenntnisse austauschten. Dabei lächelten sie einander an. Was Riera „mit uns trainiert“ habe, „wie wir spielen, das ist sehr gut“, lobte Götze denn auch seinen neuen Vorgesetzten. „Er ist ein sehr guter Trainer, absolut.“ Kein Wunder, dass Götze davon sprach, dass es ihm Spaß mache. Dass Riera klare Regeln und feste Prinzipien habe, findet sein Wohlgefallen. Es geht wieder aufwärts mit der Eintracht. Vertragsverlängerung soll nicht am Geld scheitern Der neue Trainer scheint auf die Erfahrung und die strategischen Fähigkeiten seines Führungsspielers nicht verzichten zu wollen. Zwar hat Götze in dieser Saison an Leistungsvermögen eingebüßt. Die besonderen Momente in seinem Spiel sind weniger geworden. Doch Riera sieht den ehemaligen Nationalspieler offenbar als Fixpunkt im Frankfurter Mannschaftsgefüge. Hinter Kapitän Robin Koch ordnete er Götze in der internen Hierarchie an zweiter Stelle ein. Nur ohne Gehaltskürzung dürfte es wohl kaum zu einer Verlängerung von dessen Vertrag kommen. Götze soll in Frankfurt mit einem kolportierten Grundverdienst von 3,5 Millionen Euro im Jahr zu den besser verdienenden Profis gehören. Ziel aller Beteiligten, so ist zu hören, ist es allerdings, die Fortsetzung der Zusammenarbeit nicht am Geld scheitern zu lassen. Zu groß ist die gegenseitige Wertschätzung. An diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) im Auswärtsspiel in München trifft Götze, der sich vorstellen kann, seine Karriere irgendwann in den Vereinigten Staaten zu beenden, auf seinen ehemaligen Arbeitgeber, beim Rekordmeister war er von 2013 bis 2016 angestellt. Weil Robin Koch aufgrund einer Erkältung mit Fieber nicht mitwirken kann, könnte Götze die Mannschaft aufs Feld führen, sofern er abermals der ersten Elf angehört. Frankfurts Ausfallliste nimmt nun erschreckende Ausmaße an. Denn Verteidiger Arthur Theate musste sich einer Operation am Meniskus unterziehen und fällt mehrere Wochen aus. Wie auch Teamkollege Ansgar Knauff, bei dem eine Bauchoperation nötig war. Nicht zu vergessen Rasmus Kristensen, dem sogar das Saison-Aus droht. Der Rechtsverteidiger aus Dänemark beklagt eine schwere Bänderverletzung im Sprunggelenk, die ebenfalls einen operativen Eingriff erforderlich machte. Mit Can Uzun (Oberschenkel) und Younes Ebnoutalib (Knie) gibt es fünf Langzeitverletzte. In dieser Häufigkeit hatten Blessuren von wichtigen Spielern den Klub selten getroffen. „Es ist eine ganz schöne Prüfung“, brachte Sportvorstand Markus Krösche die heikle Situation auf den Punkt. Riera sagte am Freitag: „Ich will nicht nach Ausreden suchen. Aber das ist nicht normal, was uns passiert. Normalerweise gehe ich morgens zum Arzt, um zu erfahren, wie die Lage ist. Jetzt sollte ich aber zum Beten in die Kirche gehen.“ In der außergewöhnlichen (Personal-)Not kündigte der Eintracht-Trainer die ein oder andere personelle Überraschung an, ohne ins Detail zu gehen. Burkhardt vor Comeback Immerhin steht Jonathan Burkardt vor seinem Comeback in München. Aber wohl nicht in der Startformation. „Wir müssen seine Minuten managen“, sagte Riera. 14 Spiele verpasste der Stürmer, der vor seiner Wadenverletzung mit elf Toren auf sich aufmerksam gemacht hatte, in den vergangenen knapp drei Monaten. „Über die Ausfalldauer waren wir uns nach der Diagnose bewusst, der Zeitplan war klar“, berichtete Burkardt jetzt in den vereinseigenen Medien. „Die Hauptschwierigkeit lag für mich im ersten Teil der Reha. Das bedeutet, viel allein im Kraftraum arbeiten zu müssen. Hinzu kamen die dunkle Jahreszeit und dass in der Bundesliga und Champions League die Ergebnisse ausgeblieben sind.“ So lang seine Leidenszeit auch war, seiner Zwangspause gewann der Nationalspieler auch Positives ab. Im Rückblick wisse er, „dass ich wieder einen Widerstand erfolgreich überwunden habe, sobald ich zurückkomme“, sagte er. „Ich hatte Zeit, um mich individuell weiterzuentwickeln. Zum einen konnte ich viel für mich im physischen Bereich arbeiten, zum anderen hatte ich viel Zeit, um Torabschlüsse zu üben.“ Die Zeit von Love Arrhov wird kommen, das wünscht sich perspektivisch die Eintracht von dem jungen Schweden. Ein Zeichen konnte er schon setzen. Im Duell mit Gladbach war das Talent der 499. Spieler, der für die Eintracht in der Bundesliga am Ball war. Kein anderer Klub setzte bisher mehr Profis ein.
