Fußball ist ein Ergebnissport, aber Ergebnisse sind nicht alles. Klubs, die nachhaltig und langfristig erfolgreich sein wollen, denen es um eine gesunde Gesamtentwicklung geht, die lösen sich in einem gewissen Maß von einzelnen Resultaten und achten vor allem darauf, wie sie zustande gekommen sind. Der von allen Eintracht-Freunden als erlösend empfundene 1:0-Heimsieg gegen den FC Augsburg am Samstag ist nicht die Lösung all ihrer Schwierigkeiten gewesen, sondern ein dringend benötigtes Erfolgserlebnis, das die Grundlage dafür bilden kann, dass die Frankfurter Mannschaft wieder regelmäßig den Fußball spielt, der ihrem Potential entspricht. Gegen Augsburg war das wieder einmal nicht der Fall. Die Eintracht zeigte die mittlerweile gewohnten Schwächen im Offensivspiel, das in kaum einer Szene mit den Attributen konstruktiv und inspiriert in Verbindung gebracht werden konnte. Und sie dokumentierte abermals ihre eklatante Verwundbarkeit bei hohen Flanken. Nichts anderes als Glück und Zufall Dass die beiden Augsburger Tore nach minutenlanger Überprüfung durch den VAR aberkannt wurden, war nichts anderes als Glück und Zufall. Ein paar Zentimeter entschieden jeweils über Abseits, keiner auf den Rängen und auf dem Spielfeld hätte mit Gewissheit vorhersagen können, wie die Entscheidung ausfallen würde. Wobei wir wieder einmal beim Thema wären, ob der Sinn einer Regel etwas mit ihrer Umsetzung zu tun haben sollte oder nicht. Abseits wurde erfunden, um das Fußballspiel attraktiv zu halten, um zu verhindern, dass Spieler vor dem gegnerischen Tor herumlungern und nur darauf warten, dass ihnen der Ball vor die Füße fällt, um ihn dann ins Tor zu schießen. Deshalb wurde der Begriff gleiche Höhe (zwischen Verteidiger und gegnerischem Stürmer) erfunden. Ob sich jetzt der eine Spieler mit einem Körperteil zwei Zentimeter näher zur Torlinie befindet oder der andere, ist nicht von Belang, weil dieser Unterschied die Chancen des Stürmers weder erhöht noch die Abwehrmöglichkeiten des Verteidigers vermindert. Der VAR, der einmal erfunden wurde, um himmelschreiende Ungerechtigkeiten im Fußball zu verhindern, nimmt sich aber der Zentimeterfrage mit Akribie an, unterbricht den Rhythmus des Spiels und schafft seine eigene Realität, die abgekoppelt ist vom Stadionerlebnis und vom Erleben der Spieler. Wie dem auch sei: Die Zentimeterentscheidungen veränderten am Samstag den Spielverlauf und das Spielergebnis total, aber sie sollten bei professioneller Betrachtung die Bewertung der Leistungen nicht verändern. Dass die allermeisten Fans dazu nicht in der Lage sind, ist natürlich, wie sich allein durch die Bedeutung des Wortes Fan(atiker) erklärt. Für Sportvorstand Markus Krösche kann das 1:0 über Augsburg jedoch nicht die Antwort bedeuten, ob Toppmöller noch der richtige Trainer für die Eintracht ist. Diese Antwort können nur die Leistungen der Mannschaft in den kommenden Wochen geben. Der glückliche Heimsieg und seine Auswirkungen auf die Psyche der Spieler haben jedoch die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Eintracht mit dem in zweieinhalb Jahren bewährten Toppmöller wieder richtig in die Spur kommt.
