FAZ 31.01.2026
14:33 Uhr

Eintracht im Krisenmodus: Frankfurter Erinnerung an die „Rückrunde der Schande“


2011 stieg Eintracht Frankfurt trotz einer passablen ersten Saisonhälfte noch aus der Fußball-Bundesliga ab. Auch jetzt schrillen die Alarmglocken. Ergeben die Vergleiche mit der Vergangenheit Sinn?

Eintracht im Krisenmodus: Frankfurter Erinnerung an die „Rückrunde der Schande“

Es ist wie in einem Albtraum. Die Frankfurter Eintracht strampelt und strampelt immer verzweifelter, aber sie versinkt nur weiter im Sumpf. Nach der dritten Niederlage unter dem Interimstrainer Dennis Schmitt und seinem Assistenten Alex Meier am Mittwoch gegen Tottenham verbinden sich alle Hoffnungen mit dem neuen Cheftrainer, weil die Leistungen gegenüber den Auftritten unter Dino Toppmöller keine wirkliche Verbesserung darstellten. Der neue Mann wird Albert Riera heißen und zu Beginn der neuen Woche übernehmen. Zwei Wochen nach der Freistellung von Toppmöller. Bis dahin steht noch das Bundesliga-Heimspiel an diesem Samstag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei Sky) gegen Bayer Leverkusen an. Wie das Spiel gewonnen werden soll, ist schwer vorstellbar. Denn die optimistische Einschätzung von Sportvorstand Markus Krösche erfüllte sich nicht, mit dem Trainerwechsel sei das größte Hindernis zur Rückkehr schon bewiesener Leistungsfähigkeit der Mannschaft beseitigt. Hauptsache, nicht weiter mit Toppmöller, weil sich Trainer und Team „verkeilt“ hätten. „Manchmal ist es nicht so wichtig, wer kommt“, beantwortete Krösche damals die Frage, ob die Chancen mit dem bis dahin in der Hessenliga wirkenden Trainer der Eintracht U 21 besser stünden. Eintracht Frankfurt taumelt weiter Doch die Eintracht taumelt immer weiter, im Wechsel von ehrlichem Bemühen, ängstlichem Abwarten und haarsträubenden Abwehrfehlern. Und so muss der Sportvorstand die Kritik aushalten, den Fehler begangen zu haben, einen leitenden Angestellten zu feuern, ohne den Nachfolger parat zu haben. Dieser Fauxpas ist untypisch für Krösche, kaum ein Sportmanager in der Bundesliga arbeitet so vorausschauend, wie es der Fünfundvierzigjährige in seinen viereinhalb Jahren in Frankfurt getan hat. Für die zeitliche Verzögerung von zwei Wochen kann es verschiedene Ursachen geben: die Hoffnung, doch noch mit dem eigentlich geschätzten Toppmöller die Wende zu schaffen, das Vertrauen in das Interimsgespann Schmitt/Meier, Schwierigkeiten bei den Verhandlungen mit den Nachfolgekandidaten und die Furcht, den neuen Trainer im dichtgedrängten Terminplan der zweiten Januarhälfte sofort zu verbrennen, ohne dass er im Training auf die Spieler einwirken konnte. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus allem gewesen. Wie dem auch sei, die Zeit des Interregnums ist eine bittere für die Eintracht. Und ob mit dem Spanier Albert Riera alles wieder gut wird, steht auch noch nicht fest. Der Spanier feierte mit slowenischen Mannschaften seine größten Trainererfolge und kennt die Bundesliga nur vom Hörensagen. Dass er mit den spanischen Trainerkoryphäen Guardiola und Arteta sehr gut bekannt ist und mit ihnen beim Rotwein angelegentlich über Fußball diskutiert, kann jedoch nicht schaden. Angesichts der im Moment eingeschränkten Wehrhaftigkeit der Eintracht, weder gegen Hoffenheim noch gegen Tottenham hatte sie nach dem Rückstand noch Chancen auf ein Comeback, kommen Gedanken an die „Rückrunde der Schande“ auf. 2011 war die Eintracht abgestiegen, nachdem sie die Vorrunde noch mit 26 Punkten abgeschlossen hatte – der Anzahl, die das aktuelle Team nach der Hinrunde auch erbeutet hat. Damals folgte ein Trainerwechsel, acht Punkte und die Zweitklassigkeit. Alex Meier erlebte das hautnah mit. Schmitt ist mit seinem Assistenten dieses Szenario nicht durchgegangen, obwohl aus seiner Erinnerung vielleicht Maßnahmen gegen das lähmende Gefühl der Unsicherheit abzuleiten wären. In der Medienrunde am Freitag sagte Interimstrainer Schmitt: „Ich bin kein Mensch, der lange zurückblickt, Vergleiche mit vor 14, 15 Jahren bringen keinem was.“ Der Zweiunddreißigjährige gab sich am Freitag so wie bei jedem seiner öffentlichen Auftritte als verantwortlicher Trainer der ersten Eintracht-Mannschaft: klar, resolut, zuversichtlich. Es bestehe eine große Vorfreude auf die Begegnung mit Leverkusen, die Mannschaft habe gut trainiert, die Qualität der Einheiten werde immer besser, was er positiv sehe. „Wir haben große Schritte gemacht seit dem Spiel gegen Qarabag, die Stimmung ist gut, die Überzeugung ist da.“ Klingt alles wunderbar, wenn da nur nicht das Geschehen auf dem Spielfeld und die Ergebnisse wären. Schmitt gibt zu, dass die Ergebnisse das Allerwichtigste seien. Aber auch die Einordnung sei wichtig. Und nachdem seine Mannschaft gegen Hoffenheim nach dem Rückstand mit sich selbst beschäftigt gewesen sei und den Fokus verloren habe, sei es gegen Tottenham ganz anders gewesen. „Wir sind kompakt geblieben – mit einer ganz anderen Körpersprache.“ Nun sollten noch bessere Lösungen in Ballbesitz gefunden werden – „damit wir torgefährlicher werden“. Zur Aufstellung verriet Schmitt nur so viel, dass alle Spieler fit seien. Über die Besetzung der Startelf, über die taktische Ausrichtung oder das Spielsystem verlor er kein Wort, um Leverkusen im Dunkeln zu lassen. Auf jeden Fall wird Aurelio Buta nicht dabei sein, der gegen Tottenham noch über 90 Minuten auf dem Platz gestanden hat. Der Vertrag mit dem portugiesischen Außenbahnspieler wurde mit sofortiger Wirkung aufgelöst. Der Achtundzwanzigjährige schließt sich dem FC Kopenhagen an. Ob sich die Eintracht noch verstärkt, bis am kommenden Montag das Wintertransferfenster schließt, ist noch offen. Dennis Schmitt, der in dieser Woche die Pro Lizenz des DFB (höchste Trainerlizenz) ausgehändigt bekam, wird bei seinem letzten Zwischenspiel für die Eintracht-Profis nur auf die ihm vertrauten Spieler zurückgreifen können. Er sagt: „Wir sind extrem motiviert, alles besser zu machen.“